26. Juni: Platini lebt ansteckende Gelassenheit : Was Baffoe über die WM 2010 vermittelt

Es ist schon bemerkenswert, wenn sich UEFA-Präsident Michel Platini kurz vor seinem Abflug aus Wien zum Halbfinale nach Basel Zeit nimmt, um mit einem kleinen Kreis europäischer Journalisten beim Mittagessen über die EM und wichtige Dinge des Fußballs ganz offen zu diskutieren.

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27. Juni 2008, 10:58 Uhr

Was Baffoe über die WM 2010 vermittelt26. Juni: Platini lebt ansteckende GelassenheitBei einer Veranstaltung im Rahmen der EM warben die WM-Gastgeber mit geballter Prominenz um Vertrauen. Anthony Baffoe, früherer Bundesligaspieler und Kapitän der ghanaischen Nationalmannschaft, moderierte hochrangige Gesprächsrunden mit Politikern, Tourismus-Managern und dem südafrikanischen Generalsekretär Dany Jordaan auf derart professionelle Weise, dass allen Zuhörern der Ernst ihres Anliegens bewusst wurde. Es ist schon bemerkenswert, wenn sich UEFA-Präsident Michel Platini kurz vor seinem Abflug aus Wien zum Halbfinale nach Basel Zeit nimmt, um mit einem kleinen Kreis europäischer Journalisten beim Mittagessen über die EM und wichtige Dinge des Fußballs ganz offen zu diskutieren.
Platini, der frühere Weltklassespieler, 1984 Kapitän des Europameisters Frankreich, plaudert und scherzt, wirkt mal ernst, mal ganz gelöst, fast als genieße er es, bei Wiener Schnitzel oder Seezunge auch andere Sichtweisen aus erster Hand zu erfahren. Erstmals führt er eine Europameisterschaft als Präsident, und er lebt eine Gelassenheit vor, die ansteckend wirkt.Dabei strömt auf die UEFA ein gebündelt Maß an Problemen ein. Die Ausrichtung der nächsten EM 2012 in Polen und Ukraine wirft mehr Fragezeichen auf als jemals gedacht, und die Vorzeichen verdichten sich, dass alles doch ganz anders verläuft. Spanien dementiert heftig, als Ersatzland parat zu stehen; obwohl viele informierte Beobachter dem spanischen Präsidenten Villar zutrauen, lieber heute als morgen eine Gastgeber-Rolle ausüben zu wollen. Immer häufiger werden Iren und Schotten im Verbund genannt. Womit zumindest zwei Nationalteams von den britischen Inseln mitspielen dürften...Platini wird nicht alleine entscheiden; er betont immer wieder die wichtige Rolle der Gremien, die die verschiedensten Sachverhalte untersuchen. Aber er entwickelt sich bei aller Lockerheit doch zum Spiritus Rector, der sich anscheinend mehr und mehr von seinem Mentor Sepp Blatter abnabelt und eigene Wege geht. Wie in der 6+5-Frage, die er als "totgeborenes Kind" der FIFA ansieht. Mir scheint, dass Platini sich mit der gleichen Akribie, mit der er als Spieler den Weg zum Superstar fand, auch als Funktionär durchsetzt und längst nicht am Ende seiner Laufbahn angekommen ist.Niemand stellt Südafrika in Frage
Wie bei der UEFA drehen sich auch bei der FIFA die Diskussionen um ihr nächstes Turnier. Die Probleme zur WM 2010 in Südafrika sind längst nicht gelöst, und wöchentlich neue Hiobsbotschaften um Streiks an den Stadion-Bauten, um Kriminalität oder mangelnde Infrastruktur mehren Zweifel an einer Neuauflage des "Sommermärchens 2006". Die Gastgeber, unterstützt von Nachbarn aus dem schwarzafrikanischen Kontinent, nutzen jede Gelegenheit, die Weltöffentlichkeit von einem guten Fortlauf der Vorbereitung zu überzeugen. Bei einer Veranstaltung im Rahmen der EM warben sie mit geballter Prominenz um Vertrauen. Anthony Baffoe, früherer Bundesligaspieler und Kapitän der ghanaischen Nationalmannschaft, moderierte hochrangige Gesprächsrunden mit Politikern, Tourismus-Managern und dem südafrikanischen Generalsekretär Dany Jordaan auf derart professionelle Weise, dass allen Zuhörern der Ernst ihres Anliegens bewusst wurde. Im Übrigen stockt die FIFA bereits in der kommenden Woche ihr Personal vor Ort auf, was mehr als ein äußeres Zeichen bedeuten mag, dass niemand in Zürich im Entferntesten daran denkt, die Vergabe der nächsten Weltmeisterschaft ernsthaft infrage zu stellen.

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