Wandel in Gratiot County

Wie hat die Partnerregion gewählt? Christopher Pöschke vom Landkreis Ludwigslust schaut im Internet auf die Resultate von Gratiot County im Bundesstaat Michigan. Foto: Simone Herbst
Wie hat die Partnerregion gewählt? Christopher Pöschke vom Landkreis Ludwigslust schaut im Internet auf die Resultate von Gratiot County im Bundesstaat Michigan. Foto: Simone Herbst

Der Republikaner John McCain hat die Wahl um das Amt des US-Präsidenten verloren. Auch in Gratiot County, der Partnerregion des Landkreises Ludwigslust, haben viele konservative Wähler das Lager gewechselt – und dem Demokraten Barack Obama zum klaren Sieg verholfen.

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05. November 2008, 06:49 Uhr

Als Christopher Pöschke gestern früh um 5.30 Uhr aufstand, führte ihn sein erster Weg zum Fernsehgerät. „Ich musste unbedingt wissen, wer die Wahl in Amerika gewonnen hat“, sagt Pöschke. Pöschke, Fachdienstleiter Recht und Kommunalaufsicht des Landkreises Ludwigslust, interessiert sich für die Vereinigten Staaten. Besonders für einen Staat: Michigan. Dort liegt Gratiot County, seit zehn Jahren offizielle Partnerregion des hiesigen Landkreises. Zu Pöschkes Jobs gehört es, Besuche und Gegenbesuche von Schüler- und Delegationsgruppen beider Kreise zu organisieren, Verbindungen zu knüpfen und Kontakte zu pflegen. Rex Smith, Farmer und Angestellter der Kreisverwaltung in Gratiot County, ist einer dieser Menschen, zu denen Pöschke regelmäßig Kontakt hält. „Unsere Gespräche in den vergangenen Wochen drehten sich fast ausschließlich um die Präsidentschaftswahl“, sagt Pöschke, der gestern Nachmittag schon erste Reaktionen eingefangen hat: „ Smith hat gebannt zugeschaut und sich über das Ergebnis gefreut. Er glaubt und hofft, dass Obama die Krise in den USA eher in den Griff bekommen wird als McCain.“

Republikaner verlieren über 1500 Stimmen
Smith’s Hoffnung scheinen in Gratiot County viele zu teilen. Dort, im Herzen Michigans, hat Obama 9102 Stimmen bekommen. Fast 800 Stimmen mehr als Widersacher McCain – und das in einer ländlich-konservativen Region, in der traditionell die Republikaner vorne lagen. So wie noch bei der Wahl vor vier Jahren, als Noch-Präsident Bush mit 9834 zu 7377 Stimmen gegen den Demokraten Kerry gewann. Trotz dieses regionalen Erfolges mussten die Republikaner schon 2004 den Bundesstatt Michigan verloren geben, denn die Wähler entschieden sich mehrheitlich für die Demokraten. Genau wie bei der aktuellen Wahl, sorgten vorrangig Ballungsräume wie Detroit dafür, dass die 17 Wahlmänner aus Michigan den demokratischen Präsidentschaftskandidaten unterstützen. Detroit, ehemals boomende Wiege der amerikanischen Autoindustrie, steht derzeit wie kaum eine andere Stadt für ein wirtschaftlich angeschlagenes Amerika. Der Einbruch der Finanzmärkte hat die ohnehin angeschlagene Automobil-Branche in eine noch tiefere Krise gestürzt.

Auch wenn die Autometropole Detroit rund 180 Meilen entfernt liegt – in Gratiot County ist die Krise auch längst angekommen. 9,6 Prozent Arbeitslose im September, das liegt zwei Prozent über dem Durchschnitt des Bundesstaates. Und Michigan hält mit 7,4 Prozent schon den Negativrekord in USA. „In Gratiot County gibt es neben den Farmern viele Zulieferer für die Auto- und Flugzeugindustrie. Erst vor Kurzem hat ein großer Arbeitgeber in dieser Region Kurzarbeit angemeldet“, weiß Pöschke.

Tendenz in Richtung Demokraten waren spürbar
Dass in der Region Gratiot County ein politischer Wandel stattgefunden hat, kommt für Yvonne Röpcke nicht überraschend. Im Rahmen des deutsch-amerikanischen Schüleraustauschprogramms war die Lehrerin noch im Oktober mit Schülern aus Hagenow und Rastow im Partnerkreis. „In vielen Gesprächen mit unseren amerikanischen Freunden haben wir große Wahleuphorie und Sympathie für Obama festgestellt“, sagt Röpcke. Finanzmarkt-Fiasko, Wirtschaftskrise, Irak-Krieg oder Klimaschutz – der 47-jährige, farbige Barack Obama soll diese Probleme lösen. Deshalb wurde er gewählt – auch in Gratiot County.

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