Wallraff sagt aus: Blut auf den Brötchen

<strong>In geheimer Mission gegen das Unrecht</strong>: Günter Wallraff<foto>dpa</foto>
In geheimer Mission gegen das Unrecht: Günter Wallraffdpa

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05. Juni 2012, 10:31 Uhr

Bad Kreuznach | Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hat im Prozess gegen einen Hunsrücker Brotfabrikanten von schweren Arbeitsverletzungen berichtet. Er habe sich unter anderem am Kinn und an den Unterarmen verbrannt, sagte der 69-Jährige im Zeugenstand vor dem Amtsgericht in Bad Kreuznach gestern. Einmal habe er sich so sehr in den Daumen geschnitten, dass während laufender Produktion Blut auf die Brötchen tropfte. Die Arbeiter hätten sich aus Angst vor einer Kündigung aber nicht getraut, das Band abzustellen.

Wallraff arbeitete mehrere Wochen unter anderer Identität in dem - inzwischen geschlossenen - Betrieb in Stromberg. Neben ihm sollen sich auch andere Arbeiter an heißen Blechen verbrannt haben, weil laut Anklage nicht genug auf die Sicherheit geachtet wurde.

Der Journalist hatte das Verfahren mit Undercover-Recherchen ins Rollen gebracht. Der Ex-Firmenchef muss sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten - der Prozess hatte sich immer wieder verzögert. Der Angeklagte ließ sich von seinem Anwalt Franz-Josef Schillo vertreten.

Über mehr als drei Stunden versucht der Verteidiger mit einem langen Fragenkatalog, dem Journalisten auf den Zahn zu fühlen. Zwischen den beiden Männern wird es mehrmals laut - sie schenken sich nichts. Der Journalist bezeichnet Schillo als Verschwörungstheoretiker, dieser wiederum regt wegen des Bluts auf den Brötchen ein Verfahren gegen den 69-Jährigen an. Immer wieder erwähnt Wallraff seine aktuellen Recherchen in der Paketbranche. Richter Wolfram Obenauer bleibt gelassen - doch kurz vor Ende der Befragung bemerkt er: "Ich habe langsam den Eindruck, dass ich mich hier in einer Talkshow befinde und nicht in einer Zeugenbefragung."

Der Prozess soll am 18. Juni fortgesetzt werden.

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