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Kandidaten sind empört : Wahlkampf brutal: Viele Plakate zerstört

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erstellt am 06.Sep.2013 | 08:07 Uhr

Rostock | Heruntergerissene Plakate in Lichtenhagen und Schmarl, überklebte Aufsteller in der Innenstadt - was läuft da schief im Rostocker Bundestagswahlkampf? Erst in der Nacht zu gestern kam es wieder zu zahlreichen Beschädigungen an Plakaten von Linken, SPD und FDP. Bei der Polizei sind bereits mehrere Strafanzeigen eingegangen.

Der Rostocker Bundestagsabgeordnete Steffen Bockhahn (Linke) sieht die Verantwortlichen bei der rechtsextremen NPD. "Wieder beweist die NPD, wie demokratiefeindlich sie ist. Systematisch fährt ein Trupp nachts mit einem Transporter durch die Straßen und reißt Plakate der Demokraten ab", sagt Bockhahn. Auch im Landkreis Rostock würden fast täglich Großplakate umgeworfen oder zerstört.

Auch SPD-Bundestagskandidat Christian Kleiminger verurteilt die Angriffe auf die Wahlwerbung. "Ich bedauere und verurteile jede Beschädigung von Parteiplakaten, die demokratischen Inhalts sind. Hier gibt es einen Konsens aller demokratischen Kräfte." Er selbst sei regelmäßig in der Stadt unterwegs, um sich einen Überblick zu verschaffen und beschädigte Plakate auszutauschen. Hinweisen gingen auch die ehrenamtlichen Wahlkampfhelfer nach. "Meinem Team und mir ist jedenfalls wichtig, dass das Straßenbild ordentlich und gepflegt bleibt und vor allem Gefährdungen von Fußgängern und Fahrradfahrern ausgeschlossen werden", so Kleiminger.

Empört ist auch Hagen Reinhold, Bundestagsabgeordneter und Kandidat der FDP: "Wir haben das Problem seit der ersten Woche im Land. Dass jetzt auch Rostock dazukommt, ist neu." Die Liberalen seien ständig dabei, Plakate nachzuhängen, und erstatten für jedes zerstörte Exemplar eine Anzeige. "Diese Leute behindern den demokratischen Prozess der Meinungsbildung", sagt Reinhold. Auch die Kosten von neun Euro pro Plakat plus Anfahrt seien für die Parteien ärgerlich.

Linken-Kandidat Bockhahn will jetzt Widerstand gegen die Zerstörungen organisieren. In der kommenden Woche will er die Rostocker Bundestagskandidaten der demokratischen Parteien und Vertreter der Initiative Bunt statt Braun an einen Tisch bringen, um über ein gemeinsames Vorgehen gegen die rechtsextreme Gewalt zu sprechen. FDP-Mann Reinhold meint allerdings schon jetzt, es sei schwierig, sich zu wehren. "Wir können ja nicht unter jedes Plakat jemanden stellen, der aufpasst. Gewalt ist die Kapitulation des Geistes."

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