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19. November 2017 | 17:13 Uhr

Waffennarr erschießt Landrat

vom

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2013 | 08:15 Uhr

Hannover | Seit Jahren liegt der Todesschütze mit den Behörden und der Justiz im Clinch. Er muss seinen Waffenschein abgeben, er wird wegen Waffenbesitzes verurteilt und möglicherweise liegt hier das Motiv des Mannes. Gestern Morgen kommt er mit einem Revolver ins Büro des Landrats von Hameln-Pyrmont, Rüdiger Butte, und drückt mehrmals ab. Butte und der Todesschütze liegen tot im Büro.

Sandra Lummitsch ist entsetzt. "Kein Mensch kann glauben, was heute hier passiert ist", sagt die Pressesprecherin des Landratsamts Hameln-Pyrmont. Sie steht vor dem Kreishaus in Hameln, ihrem Arbeitsplatz, der gerade zum Tatort geworden ist. Lummitsch kämpft mit den Tränen, stockend erzählt sie ihre Version der Tragödie. "Ich habe Schüsse gehört", sagt sie. "Die Tür ging auf und meine Kollegin sagte: "Etwas Schreckliches ist passiert"."

Ein 74-Jähriger hatte um zehn Uhr mit einem Revolver das Büro des Hamelner Landrats Rüdiger Butte betreten. Mehrere Schüsse feuert er auf den 63-jährigen Verwaltungschef ab, danach erschießt er sich selbst. Der SPD-Politiker stirbt noch am Tatort. Unmittelbar nach der Tat schließt sich Sandra Lummitsch mit ihrer Kollegin im Büro ein. Der Vertreter des Landrats habe die Mitarbeiter in einer Rundmail angewiesen, die Büros nicht zu verlassen, berichtet Lummitsch. Wenig später sehen die Frauen durch ihr Fenster, dass die Polizei im Gebäude ist. Der 63 Jahre alte Butte war seit 2005 Landrat von Hameln-Pyrmont. Zuvor war er vier Jahre lang Direktor des Landeskriminalamtes in Niedersachsen gewesen. "Er war ein sehr charmanter, liebenswerter Mann", sagte ein Polizeisprecher am Tatort.

Die Anwohner sind entsetzt. "In Hameln hätte ich das nie erwartet", sagt Florian Lange. Der 23-jährige Koch wohnt nur wenige Meter vom Kreishaus entfernt. Er ist vor die Tür gekommen, weil er der Nachricht im Internet nicht glauben wollte. Er mochte Rüdiger Butte. "Der Landrat hat doch gute Arbeit gemacht, ich wundere mich, wieso der erschossen wurde", sagt er ungläubig.

Immer wieder verlassen einzelne Mitarbeiter das Gebäude durch den Hinterausgang, der Schock steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Mehrere Seelsorger betreuen die Angestellten, während die Mordkommission versucht, die Hintergründe der Tat aufzudecken. Das genaue Motiv für die Bluttat im Hamelner Kreishaus kennen die Fahnder noch nicht, doch der 74-jährige Waffennarr hatte seit Jahren Ärger mit der Justiz. Der Waffenschein war ihm entzogen und 2009 war er wegen Waffenbesitzes verurteilt worden. Der Täter erschoss sich unmittelbar nach der Tat selbst. "Ganz Hameln steht unter Schock", sagte Stadtsprecher Thomas Wahmes. Zum Motiv des Schützen konnte die Polizei noch keine Angaben machen. Möglicherweise habe es mit "verwaltungsrechtlichen Auseinandersetzungen" des Mannes mit dem Landkreis zu tun, sagte Kruse. Der Mann sei in der Vergangenheit auch wiederholt durch Straftaten wie Körperverletzung, Urkundenfälschung oder Betrug aufgefallen.

Rund 100 Polizisten arbeiten an der Aufklärung des Falles, berichtete Hamelns Polizeichef Ralf Leopold. Gestern sollte noch die Wohnung des Todesschützen in der Nähe von Bad Münder durchsucht werden.

Der Täter hat nach den bisherigen Erkenntnissen in Buttes Dienstzimmer mehrere Schüsse abgefeuert. Der verheiratete Politiker und Vater von zwei Kindern hatte keine Chance und starb noch in seinem Büro. Direkte Zeugen für das Verbrechen gibt es nicht.

Für den Todesschützen war es offenbar kein Problem, mit einem geladenen Revolver in die Nähe des Landrates zu gelangen. Im Kreishaus gibt es nach Angaben der Polizei keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen. Jedermann habe freien Zugang. "Die Schlussfolgerung darf aber nicht sein, Ämter zu Sicherheitsburgen auszubauen", sagte Kruse.

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