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13. Dezember 2017 | 21:54 Uhr

Vorfahrt für alle - ohne Schilder?

vom

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2012 | 09:19 Uhr

Anstatt Bürgersteig und Straße gibt es nur noch eine Verkehrsfläche für Fußgänger, Radfahrer und Autos. Nicht eine Ampel, sondern Blickkontakt und Rücksichtnahme regeln den Fluss von Fahrzeugen und Menschen: So könnte der Straßenverkehr der Zukunft nach Ansicht von Experten aussehen. In Städten, die alternative Konzepte wie "Shared Space" oder "Simply City" erprobt haben, berichten die Planer von Erfolgen. Doch Kritiker sehen in diesen Modellen nicht nur Vorteile. Auf dem Verkehrsgerichtstag diskutieren Fachleute, wie sinnvoll diese Zukunftsvisionen sind.

Noch werden die Konzepte nur in einzelnen Städten erprobt. Einer der Referenten, die sich in Goslar mit dem Thema beschäftigen, ist der ADAC-Ressortleiter für Verkehr, Björn Dosch. "Das Ziel von ,Shared Space’ ist ein regelloser Verkehrsraum, der einen sicheren, flüssigen und für alle angenehmeren Verkehrsfluss ermöglichen soll." Angebracht sei ein solches Prinzip aber nur dort, wo es viele Fußgänger und wenig Autos gebe. Der Kfz-Verkehr müsse sich unterordnen, sonst funktioniere das Modell nicht.

Im niedersächsischen Bohmte, wo 2008 zum ersten Mal in Deutschland eine "Shared Space"-Zone eingerichtet wurde, gibt es überwiegend Lob für das Projekt. Mit mehr als einer Million Euro von der EU wurde Bohmtes Ortskern zu einem Verkehrsraum für alle umgebaut. Einer Studie zufolge sind etwa 80 Prozent der Bewohner mit der Umgestaltung zufrieden.

Im nordrhein-westfälischen Arnsberg wird das Modell "Simply City" getestet. 56 Prozent der Schilder im Ortsteil Hüsten wurden dazu bereits abmontiert, wie die städtische Verkehrsplanerin Birgitta Plass erläutert. Zudem beteiligten sich die Bürger in Arbeitskreisen an der Gestaltung der Stadt und forderten etwa weniger Ampeln, mehr Zebrastreifen oder mehr Radwege.

"Es ist für uns ein Verkehrskonzept der Zukunft, weil sich die Bürger mit einbringen", sagt Plass. Die Akzeptanz für die gemeinsam entwickelten Veränderungen sei sehr hoch. Ziel des Projektes war es, "den öffentlichen Raum zu entrümpeln", erläutert Plass. Das habe in einem ersten Schritt geklappt, nach der Winterpause sollen weitere Maßnahmen umgesetzt werden.

Nach Ansicht des Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Siegfried Brockmann, können die alternativen Konzepte eher dazu beitragen, die Lebensqualität als die Verkehrssicherheit in den Städten zu erhöhen. Den berüchtigten "Schilderwald" abzubauen, sei nicht immer notwendig. "Wenn keine Schilder da sind, dann sucht sich der Autofahrer das für ihn genehme Verhalten aus."

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