Kommentar : Vor unwürdigem Kampf hüten

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06. Juni 2016, 18:44 Uhr

Respekt! Souverän auch im Abgang – Joachim Gauck verzichtet, und das mit einem Lächeln und mit Zuversicht.

Nein, ein Wechsel im Amt des Bundespräsidenten ist hierzulande kein Grund zur Sorge. Der wortgewaltige Pfarrer aus Rostock hat sich als Glücksfall erwiesen. Jetzt widersteht er der Versuchung, noch einmal anzutreten, spürt, dass die Kräfte nicht reichen könnten und geht lieber jetzt, da ihm Lob und Beifall noch sicher sind.

Neun Monate will er sich als Staatsoberhaupt weiter zu Wort melden, sich einmischen, und es klingt wie eine Drohung. Doch Gauck ist weise genug, seine Freiheit zwar zu nutzen, aber nicht überzustrapazieren.

Das Kandidaten-Poker hat bereits begonnen. Allen Beteuerungen zum Trotz, erst einmal in aller Ruhe zu beraten und auch über Parteigrenzen hinweg über mögliche Lösungen und die dafür notwendigen Mehrheiten in der Bundesversammlung reden zu wollen, droht ein heftiges Geschacher. Gilt doch die Wahl eines Bundespräsidenten, noch dazu wenige Monate vor der Bundestagswahl, als wichtiges Signal für einen möglichen Machtwechsel.

Ein langer quälender Streit über die Nachfolge-Entscheidung – daran ändern auch die funktionierenden Institutionen nichts – würde den Populisten und Radikalen von Rechts und Links Auftrieb geben. Noch dazu würde ein solcher politischer Bazar auch das in der Vergangenheit ohnehin schon in Mitleidenschaft gezogene Amt beschädigen. Deshalb sollten sich vor allem Union und SPD tunlichst vor einem unwürdigen Kampf um das Schloss Bellevue hüten. Die Bürgerinnen und Bürger hätten dafür kein Verständnis.

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