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Früherer DDR-Staatschef : Vor 20 Jahren starb Erich Honecker

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Keine Zweifel, keine Einsichten bis zum Tod.

svz.de von
erstellt am 29.Mai.2014 | 07:27 Uhr

Keine Zweifel, keine Einsichten bis zum Tod. Der höchste DDR-Politfunktionär Erich Honecker schrieb in seinen letzten Aufzeichnungen: „Dass an der Grenze geschossen wurde, war nichts Besonderes. An fast allen Grenzen wird geschossen, wenn diese verletzt werden.“ Kein Wort des Bedauerns zu den Mauertoten findet sich im Gefängnis-Tagebuch des früheren DDR-Staatschefs und SED-Parteivorsitzenden. Vor 20 Jahren, am 29. Mai 1994, starb der krebskranke Honecker im Alter von 81 Jahren fern der deutschen Heimat im chilenischen Exil. Seine Witwe Margot Honecker (87) lebt bis heute in Santiago de Chile.

Der Berliner Verleger Frank Schumann hatte die frühere DDR-Ministerin für Volksbildung interviewt und das Gespräch 2012 als Buch herausgebracht. Kritische Fragen wurden nicht gestellt. Nichts falsch gemacht, lautet auch die Botschaft von Frau Honecker. Die DDR habe auf Gleichheit, Gerechtigkeit und Glück gefußt. Dass die Witwe die Urne ihres Mannes in der Wohnung aufbewahre, wie immer wieder zu hören, sei übrigens „Quatsch“.

Erich Honecker kam im Januar 1993 nach Chile, nachdem in Berlin der Prozess gegen ihn wegen der tödlichen Schüsse auf DDR-Flüchtlinge eingestellt worden war. Chile billigte den Aufenthalt in Erinnerung an solidarische Zeiten, als die DDR Anfang der 70er-Jahre Tausende Pinochet-Flüchtlinge aufnahm.

Vor wenigen Wochen legte ein Ex-Leibwächter ein Buch vor. Honecker habe immer mehr die Wirklichkeit verdrängt und sei am liebsten dreimal in der Woche zur Jagd gegangen, schreibt der einstige Stasi-Major Bernd Brückner. Honecker habe nie Gefühle gezeigt, schrieb sein Butler Lothar Herzog 2012 in einem Buch. Jeden Morgen habe er den Saft einer Zitrone hinuntergekippt, aus Angst vor Grippe. Am liebsten habe er sich Bouletten und Kassler auftischen lassen und in enormem Tempo heruntergeschlungen. „Ein Genussmensch war er bestimmt nicht.“

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