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18. November 2017 | 18:54 Uhr

Von wegen Energiewende

vom

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2012 | 07:43 Uhr

Wer kennt es nicht: Die Nebenkosten haben sich längst von einer Nebensache zur zweiten Miete entwickelt. Für Heizung, Warmwasser, Schornsteinfeger, Hausmeister usw. müssen Mieter immer tiefer ins Portmonee greifen. Die Betriebskosten schlagen mittlerweile mit durchschnittlich 2,19 Euro pro Quadratmeter und Monat zu Buche. Rechnet man alles zusammen kommt man laut Mieterbund sogar auf 2,95 Euro. Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung rechnen Mieterverbände inzwischen bis zu 2800 Euro pro Jahr. Vor fünf Jahren machten die Wohnnebenkosten noch gut 200 Euro weniger aus. Rund 41 Milliarden Euro müssen jährlich für die Nebenkosten des Wohnens gezahlt werden.

Kein Wunder also, dass die zweite Miete immer öfter Streit und Diskussionen zwischen Mietern und Vermietern auslöst. Überprüfungen der Abrechnungen haben ergeben, dass jede zweite Abrechnung fehlerhaft und falsch ist. Auch deshalb dreht sich zwischenzeitlich jede dritte Rechtsberatung der 330 örtlichen Mietervereine des Deutschen Mieterbundes um Betriebskosten. Der größte Brocken an der zweiten Miete aber sind die Energie- bzw. die Heizkosten. Und das, obwohl die Gaspreise im vergangenen Jahr auf breiter Front gesunken sind. Doch was jetzt durch Recherchen unserer Zeitung offenbar wird, das hat nichts mit den „normalen“, wenn auch unbeliebten jährlichen Steigerungen zu tun. In ein und demselben Wohnhaus schwanken die Heizkosten für vergleichbare Wohnungen zwischen 200 und 3500 Euro. Und das sind dem Landesverband des Deutschen Mieterbundes zufolge keine Einzelfälle. Es ist klar, dass in den ersten zehn Jahren nach der Wende nicht alle Fehler und Macken der DDR-Wohnungsbauprogramms berichtigt und ausgebügelt werden konnten. Aber nach 20 Jahren darf man schon einmal fragen, was Wohnumbauprogramme, Wärme-Isolierungen und energetische Sanierungen in den letzten Jahren gebracht haben?

Aber Mieter können sich wehren und sollten das auch tun. Um so mehr, da ein Großteil der 153 großen Wohnungsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern noch immer in kommunaler Hand ist. Da werden solche Abrechnungsspannen auf Grund baulicher Mängel schnell zum Politikum. Und welcher Bürgermeister, welcher Politiker will Mieter und Bürger überzeugen, Energie zu sparen und sie für die Energiewende begeistern, wenn in den eigenen Unternehmen genau das Gegenteil der Fall ist.


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