zur Navigation springen
Neue Artikel

19. November 2017 | 02:05 Uhr

Extra : Von Schamanen und Scharlatanen

vom

Was macht Menschen empfänglich für Übersinnliches?

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Esoterik hat sich im Alltag des 21. Jahrhunderts festgesetzt. Und die Vielfalt der Angebote wächst. Ob Schamane, Schutzengel oder Heilstein – jeder entscheidet längst für sich alleine, wo die Grenze zwischen Sinn und Unsinn liegt. „Man kann feststellen, dass Aberglaube zugenommen hat. Je rationaler und intellektueller unsere Gesellschaft wird, desto höher ist der Anteil derer, die ihr Heil in einer Art Fluchtbewegung in der Esoterik und Religion suchen“, sagt Theologe Manfred Becker-Huberti.

Menschen lassen durch „Engelsbotschafter“ eine Verbindung zu Verstorbenen aufnehmen. Sie kaufen Horoskope, um den richtigen Partner zu finden. Oder sie verteilen besondere Steine am Arbeitsplatz. Oft sind es schmerzhafte Einschnitte und Lebenskrisen, die sie zum Übersinnlichen führen.

„Es geht darum, sich gegen das Unerwartete zu wappnen und Einfluss zu nehmen“, sagt die Volkskundlerin Eva Kreissl. Ob man Amulette sammle oder bete: „Man fühlt sich gegenüber dieser Welt nicht mehr so ohnmächtig, weil man meint, in das eigene Schicksal eingreifen, etwas gegen den Zufall tun zu können.“ Wenn nichts hilft, hilft immer noch der Glaube – entweder an Gott oder seine Konkurrenz.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde der Begriff Aberglaube benutzt, um ein bestimmtes Denken von der vorherrschenden Überzeugung abzugrenzen. Mehr als jeder Dritte denkt, es gebe hellseherische Fähigkeiten. Jeder Fünfte hält einen Kontakt zu Verstorbenen für machbar.

Insgesamt hat Esoterik seit der „New Age“-Bewegung in den 1980er-Jahren Aufwind erfahren. Gerade Teile der jungen Generation sind von dieser Erlebniswelt fasziniert. Ein Viertel der 16- bis 30-Jährigen fühlt sich laut Sinus-Studie zu alternativen Glaubensformen hingezogen.

Wer sein Geld mit Spiritualität verdient, muss sich trotz des Zulaufs oft den Vorwurf des Betrugs gefallen lassen  –  oder den der Gesundheit  zu schaden. Etwa, wenn ein Zahnarzt Schmerzen mit Wünschelruten „behandelt“ – und die Patientin später über ein Loch im Kiefer klagt.

Anders als anerkannte Mediziner könne niemand kontrollieren, was in esoterischen Praxen passiere, warnt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Heilsversprechen würden dann gefährlich, wenn Menschen ihre Freundeskreise, Geld und Gesundheit für umstrittene Methoden aufs Spiel setzten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen