Von Eisbär Knut und Schnapsideen

So süß, so wertvoll: Das Geschäft mit Eisbär Knut ist millionenschwer.dpa
So süß, so wertvoll: Das Geschäft mit Eisbär Knut ist millionenschwer.dpa

svz.de von
13. März 2013, 07:18 Uhr

Das Fell des Bären liegt im Berliner Museum für Naturkunde. Es wurde bereits von 40000 teils trauernden Menschen besucht. Gestern wurde die Schau bis zum 5. Mai verlängert. Doch um das Fell des Bären wird auch vor Gericht gestritten. Wem gehört Knut, die Marke? Der Kampf um das Eisbären-Erbe ist einer von vielen bizarren Markenrechtstreitigkeiten um Slogans, Süßigkeiten, Hochprozentiges und Prominente. Ein kleiner Überblick.

Knut, der Berliner Superstar
Knut wurde nur vier Jahre alt. Und gehört doch zu den Weltstars der Hauptstadt. Bis zum Tod des Eisbären 2011 besuchten ihn mehr als elf Millionen Menschen im Zoo. Eine Sonderbriefmarke mit einer Auflage von fünf Millionen Stück war 2008 nach wenigen Monaten ausverkauft. Es gab den Knuddelbären auf Tassen, Taschen, T-Shirts, Büchern... Knut bescherte dem Zoo rund sieben Millionen Euro. Doch wem gehört die Marke „Knut“? Hintergrund: Der Zoo hatte 2007 beim Deutschen Patent- und Markenamt „Knut der Eisbär“ angemeldet und wollte unter diesem Namen Souvenirs vertreiben. Kurz zuvor hatte jedoch die englische Firma Knut IP Management zugegriffen. Es ließ sich vom EU-Markenamt den Namen schützen. Der Zoo legte dort Widerspruch ein und bekam Recht. Dagegen wehrt sich jetzt die britische Firma beim EU-Gericht in Luxemburg. Eine mündliche Verhandlung fiel gestern aus. Ein Urteil ist in den kommenden Monaten zu erwarten. Der Bär ist tot, es lebe der Bär.

Die schielende Heidi
Andere Zoos haben aus dem Fall gelernt: Tapsige Tapirbabys, lustige Löwen und komische Kraken wurden professionell vermarktet. Bestes Beispiel: Das schielende Opossum Heidi aus Leipzig. Heidi auf Frühstücksbrettchen, Heidi auf Badetüchern, Heidi als Plüschtier, Heidi mit 300000 Facebook-Fans, als Handy-App und als Orakel bei den US-Oscars – der Zoo nutzte den Hype. Er hatte sich jedoch umfangreiche Markenrechte schützen lassen. Nach knapp einem Jahr Heidi-Hype musste der Zoo im 2011 das altersschwache Opossum einschläfern. Das Geschäft mit Heidi lebt natürlich weiter.

Schokohase trifft Kuh-Pudding
Manchmal geht es auch um falsche Hasen. Einen kuriosen Dauerclinch liefern sich Haribo und Lindt Sprüngli. Kernfrage: Ist der rotbeschleifte „Lindt-Teddy“ aus Schokolade nur eine billige Kopie des Goldbären? Haribo fürchtete um sein Image, nach monatelangem Gerichtszoff musste der Lindt-Bär im Dezember die Supermarktregale räumen – aber nur vorläufig. Die Markenjagd vor Gericht ist noch nicht beendet. Die um den „Fleckenpudding Paula“ von Dr. Oetker dagegen schon. Der Versuch, Kuh Paula gegen die Aldi-Konkurrenz „Flecki“ schützen zu lassen, scheiterte dreimal vor Gericht, jetzt gibt es doppelt Pudding.

„Wir sind das Volk“
Was lässt sich nicht alles schützen. Selbst der Revolutionsruf „Wir sind das Volk“ von 1989 war bis vor wenigen Wochen nicht so frei wie das Volk danach. Die Stadt Leipzig, ein DDR-Bürgerrechtler und der frühere Nikolaikirchenpfarrer hatten die Wortmarke 2002 beim Deutschen Patent- und Markenamt eintragen lassen, um sie vor Missbrauch zu schützen. Jetzt wurde die Marke gelöscht, weil die gewerbliche Nutzung fehlte.

„Nichts reimt sich auf Uschi“
Um Geld ging es dagegen offenbar dem Komiker Mario Barth, als er die Rechte an dem Kalauer „Nichts reimt sich auf Uschi“ eintragen ließ. Den Spruch schaffte es zwar bereits in den 90ern dank Oliver Kalkofe und dem „Frühstyxradio“ in den Äther, auf Tour-Plakate und T-Shirts, doch Barth meint , er habe ihn – 20 Jahre später – erst richtig berühmt gemacht. Zudem ließ der Berliner sich weitere wichtige Sätze beim Markenamt schützen. Wenn man Sinnsprüche von sich gibt wie „Janz wichtig: Fresse halten angesagt!“, „Frauen muss man nicht verstehen“ oder „Nicht quatschen, machen“, sollte man sich jedenfalls vor Barths Juristen hüten. Eine besondere Geschäftsidee des Meisters der nicht ganz so raffinierten Pointe.

Olympisches Ring-Chaos
Was passiert, wenn Markenrechte konsequent verteidigt werden, zeigte sich 2012 bei den Olympischen Spielen in London. Die Werbung mit den berühmten Ringen blieb nur Sponsoren vorbehalten. 300 Markendetektive zogen gegen Missbrauch durch die Stadt. Wurstringe im Fenster eines Metzgers – verboten. Logos aus Marzipan – verboten. Für Wohltätigkeitszwecke gestrickte Pullis einer 81-Jährigen – verboten. Ein Olympia-Spiel auf der Internet-Seite der Familie von Herzogin Kate – verboten. Werben durfte mit den Ringen dagegen zum Beispiel Sponsor Coca-Cola, mit rund 80 Milliarden Euro selbst die teuerste Marke der Welt.

Der Likör-Hirsch ruft
Doch manchmal erreichen klagefreudige Rechteinhaber genau das Gegenteil. Eine Kleinunternehmerin aus Bayern brachte mit ihrem selbstgebrauten Kräuterlikör „Hirschkuss“ Goliath „Jägermeister“ gegen sich auf. Als sie die Marke eintragen ließ, gab es Post vom Weltkonzern. Drei Jahre wurde juristisch gerungen, doch der Hirsch durfte bleiben. Der Streit bescherte der Bayerin jede Menge öffentliche Aufmerksamkeit und Anfragen – Hirschkuss wurde zum Kultgetränk, bis in die USA. Dank Jägermeister.

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