Splitter : Vom Wohlfühlen im Minidorf Klockow

Andrea Schulz mit Sohn Lennard an der Halte, wo täglich der Schulbus hält.
1 von 2
Andrea Schulz mit Sohn Lennard an der Halte, wo täglich der Schulbus hält.

von
20. November 2015, 09:50 Uhr

Eine einzige befestigte Straße führt aus Blüthen bzw. Dallmin nach Klockow. Sie ist so eine Art Lebensader für das nur 59 Einwohner zählende Dorf. Hinter dem Ort wird die Straße zu einem Waldweg. Mutige Autofahrer nehmen ihn, um nach Gulow zu kommen, sagt Andrea Schulz.

Für sie und ihre Familie ist die Asphaltstraße wichtig, auf ihr kommt und fährt der Bus, der die beiden Söhne Lennard und Marlon zur Schule nach Karstädt bzw. Perleberg bringt. Ehemann Ronald fährt dort täglich zur Arbeit, während Andrea sich um Haus und Hof kümmert. Es sei denn, sie hat etwas in der Stadt zu tun. Trotz der Umstände, die das Leben in so einem Minidorf manchmal mit sich bringt, „wir wollen hier nicht wegziehen“, sagt Andrea Schulz. Sie ist in Klockow geboren, dort aufgewachsen, ihre Eltern leben dort. Zur großen Freude sind auch Tochter Karolin und Schwiegersohn in Klockow ansässig. Und auch Schulzens großer Sohn Benjamin wohnt noch zu Hause.  

Pfarrhaus Blüthen ein „lebendiges Museum“

Pfarrhäuser bestimmten über Jahrhunderte das gesellschaftliche und kulturelle Leben im Dorf. Es war offen für alle und zählte zugleich als Wohnbereich der Pfarrfamilie, so wie in Blüthen für Pfarrer Dr. Groß und seine Frau. Seit Mitte der 90er Jahre stand das Blüthener Pfarrhaus leer. „Wir haben nach einem Verwendungszweck gesucht. Dann kam uns die Idee mit dem Landpfarrhaus-Museum“, erinnert sich der Kirchenälteste Hans-Ulrich Wolf. Seit 2009 betreut Prof. Harald Schwillus von der Uni Halle-Wittenberg das Projekt. Seit dem wurde schon einiges saniert. Der rote Salon ist fertig, der blaue soll im nächsten Jahr soweit sein. 2017, zum 500. Reformationsjubiläum, soll das Landpfarrhaus-Museum Blüthen in seiner Pracht erstrahlen. Dazu gehören auch noch Interviews mit Zeitzeugen, die in Filmen über Monitore zu hören sein werden. „Es soll ein lebendiges Museum für alle sein“, so Wolf.

Besichtigungen sind nach Anmeldung unter 038797/90845 möglich.

2003 fand in Waterloo ein Treffen von Orten statt, die Waterloo heißen.
Hennies
2003 fand in Waterloo ein Treffen von Orten statt, die Waterloo heißen. Foto: Hennies
 

Der Gutsherr wollte den Namen Waterloo

Wie kommt ein Prignitzer Ort zu diesem geschichtsträchtigen Namen? Der Besitzer von Gut Stavenow wollte es so, weiß der Prignitzer Historiker Dr. Wolfram Hennies. Als Gutsbesitzer von Voß 1817 ein neues Vorwerk errichtete, wählte er für dieses den Namen Waterloo. „Die große Schlacht lag gerade zwei Jahre zurück. Das könnte der Grund gewesen sein“, meint Hennies. Dass von Voß selbst auch in der Schlacht kämpfte, sei nicht belegt. Nach anfänglicher Ablehnung genehmigte die Regierung den Namen. Hennies erzählt, er habe die entsprechenden Amtsblätter der Königlichen Regierung eingesehen. Er weist noch auf ein interessantes Detail hin. Das alte Guthaus erinnere in seiner Form an einen Revolver.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen