Splitter : Vom stillen Sterben der Landschlachtereien: Auch Rudolf Tauscher sucht verzweifelt nach Auszubildenden

Rudolf Tauscher aus Boddin hat sich auch auf Wurst im Bio-Bereich spezialisiert.
Rudolf Tauscher aus Boddin hat sich auch auf Wurst im Bio-Bereich spezialisiert.

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01. Juni 2016, 11:01 Uhr

„Drei Lehrlinge habe ich in den letzten Jahren ausgebildet. Geblieben ist jedoch keiner. Und niemand von den Dreien arbeitet in der Branche“, zieht Rudolf Tauscher eine traurige Bilanz seiner Nachwuchsarbeit. Der 64-Jährige ist Landfleischer seit 1999 und beschäftigt zwei Mitarbeiter. 1998 habe er umgeschult, berichtet Tauscher, der es sehr bedauert, dass sein Handwerk langsam der Vergangenheit angehört. Discounter und Großbetriebe hätten diesen Trend vor Jahren schon ausgelöst. Er selber habe sich deshalb Produkt-Nischen gesucht, erzählt der Fachmann im SVZ-Gespräch. Und spricht von seiner reinen Rinderwurst im Biobereich, die er für Hof Medewege bei Schwerin erfolgreich produziere. Salami, Knacker, Räucherlinge und Lebenwurst seien seine Spezialisierungsstrecke. Egal, ob aus Rind, Schwein und Rind oder nur aus Schwein hergestellt. Bis vor kurzem habe er auch noch Allergikerwurst produziert, doch der Aufwand dafür sei immens. Das lohne sich für ihn nicht mehr. „Ich müsste viel Geld anfassen, um das weiter auszubauen. Das will und kann ich nicht.“

Doch dann beginnen seine Augen zu glänzen, als er von China spricht. Das sei 2006 und 2007 gewesen, in Chengdu, der Provinz Sichuan sowie in Kunming, in der Provinz Yunnan.

„Dort habe ich den Chinesen gezeigt, wie deutsche Wurst hergestellt wird“, erinnert sich Tauscher. Damals sei es um den Aufbau einer Fleischverarbeitung und die Herstellung deutscher Wurstwaren gegangen. Das habe die Chinesen begeistert. „Meine Wurst haben sie geliebt.“

Jeder Deutsche verzehrt übrigens im Durchschnitt 60 Kilo Fleisch im Jahr. Der Löwenanteil davon kommt aus Supermarktketten. Oft zu Billigstpreisen und mit idyllisch anmutender Aufmachung. Doch die niedrigen Preise, zu denen Discounter ihre Ware anbieten, verdecken oftmals ökologische wie soziale Kosten. Schweine, Rinder und Schafe müssen nicht selten eingepfercht lange Transportwege bis ins Schlachthaus ertragen.

Rudolf Tauscher ist daher froh um jedes Handwerksfachgeschäft, das es in der Region noch gibt. Hier wisse man gewöhnlich, wo das Fleisch herstamme und wer die Tiere schlachte, betont er. Bei ihm leide kein Tier, dass er verarbeite. „Ich versuche Stress und Hektik zu vermeiden. Das ist mir wichtig und gehört ja schließlich auch zur Berufsehre.

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