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Reportagen aus dem Tschad : Vom Leben ohne Perspektive, ohne Heimat

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Flüchtlinge sehen weder im Sudan noch im Tschad eine Zukunft für sich und Europa bleibe ein unerreichbarer Traum

von
erstellt am 29.Jan.2015 | 22:00 Uhr

Die 14 000 Flüchtlinge in Am Nabak haben Umdayaya zu ihrem offiziellen Sprecher gewählt, er vertritt ihre Interessen. Mit ihm sprach ich über die Lebenssituation im Lager, über eine Flucht nach Europa und über die Zukunftsaussichten der Flüchtlinge.

Herr Umdayaya, auf meinem Rundgang habe ich fast nur Frauen und Kinder gesehen. Täuscht dieser Eindruck?
Nein, er täuscht nicht. Von den Flüchtlingen sind 80 Prozent Frauen und Kinder. Im Camp leben etwa 5000 Kinder.
Gehen Sie in die Schule?
Ja, das machen sie. Wir hatten einst sieben Schulen im Lager, jetzt sind es leider nur noch vier. Die Lehrer wurden zu schlecht bezahlt, deshalb unterrichten sie nicht weiter. Das bedauern wir sehr.
Wie beurteilen Sie die gesamte Lebenssituation der Menschen hier?
Einiges ist sehr gut, anderes weniger. Mit der Wasserversorgung haben wir keine Probleme. In den Bereichen Sanitär und Hygiene verschlechtert sich die Situation, weil Hilfsorganisationen sich zurückziehen. Wir haben Angst, dass Krankheiten ausbrechen.
Help ist weiter aktiv. Was denkt man im Lager über die Deutschen?
Im Lager können Sie jedes Kind nach Help fragen. Alle kennen die Organisation. Sie hat uns das Wasser gebracht und Wasser bedeutet Leben. Wir bekommen ausreichend sauberes Wasser und falls es mal Probleme mit den Brunnen gibt, stehen Transporter bereit. Unser Dank geht aber an ganz Deutschland für die Unterstützung. Bei der Fußball-WM in Brasilien haben wir Ihrem Land die Daumen gedrückt.
Hat sich die Lage in Ihrer sudanesischen Heimat entspannt?
Nicht wirklich und vor allem nicht nachhaltig. Noch immer toben Kämpfe. Erst vor wenigen Tagen kamen 150 neue Flüchtlinge in unserem Lager an. Deshalb verstehen wir auch nicht, dass sich die UNO immer weiter zurückzieht. Wir fühlen uns etwas verlassen.
Was ist den Menschen lieber: eine Rückkehr in die Heimat oder eine Integration im Tschad? Sie könnten ja eine Stadt gründen.
Es gibt keine Tendenz, keine Strategie. Wenn im Sudan Stabilität herrschen würde, müsste jeder für sich entscheiden, welchen Weg er einschlagen möchte. Außerdem müsste sich die tschadische Regierung äußern.
Viele afrikanische Kriegsflüchtlinge sehen ihre Rettung in Europa. Auch in Deutschland kommen immer mehr Flüchtlinge an. Ist das für Sie eine Option?
Nein, das ist es nicht. Wir haben keine Chance, von hier aus Europa zu erreichen.
Und wenn Sie diese Chance hätten?
Grundsätzlich würden wir alle lieber mit einem Schiff auf dem Mittelmeer ersaufen wollen, als dass wir erschossen werden.

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