Vollsperrung teilt Rügen

Nichts geht mehr auf der B 96.
Nichts geht mehr auf der B 96.

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05. Februar 2008, 10:28 Uhr

Bergen - Seit rund einem Vierteljahr rollt der Autoverkehr störungsfrei über die neue Rügenbrücke bei Stralsund. Doch inzwischen kündigt sich ein neues Stauproblem an.

Staus, die einst wegen der Öffnung der Klappbrücke am Ziegelgraben regelmäßig auf dem Rügendamm entstanden, gibt es nicht mehr. Zwar müssen sich Urlauber und Einwohner gelegentlich in Geduld üben, weil die Anschlusstrassen auf Rügen noch nicht ausgebaut sind. Doch das sei harmlos, verglichen mit dem, was sich jetzt im Inselnorden zusammenbraut, sagt die Bürgermeisterin von Sagard, Aenne Sahr (Linke).

Weiträumige Umleitung
Denn am 23. November 2007 wurde die Brücke vor den Toren von Sagard für den Verkehr voll gesperrt. Sie habe davon aus dem Radio erfahren, sagt die Bürgermeisterin der 2 700 Einwohner zählenden Inselstadt. Seitdem wird der gesamte Fahrzeugverkehr auf Rügens Haupttrasse B 96 weiträumig über Mukran umgeleitet, eine sieben Kilometer lange Strecke mit Ampeln und einem Bahnübergang.

Die Stahlbetonbrücke, erst vor etwa 30 Jahren errichtet, hatte schon vor einem Jahr für Schwerlasttransporte und Monate später für Lkw und Busse gesperrt werden müssen. Nach Angaben des Leiters des zuständigen Straßenbauamts in Stralsund, Ralf Sendrowski, ist ein Stahlträger gebrochen. Daraufhin habe der 30 Meter lange Überbau um bis zu acht Millimeter nachgegeben. Eine Sanierung kommt angeblich nicht in Frage.

Abriss jetzt, Neubau später

Nun soll die Brücke im Frühjahr abgerissen werden, doch der Neubau wird erst 2009 kommen. Für die Sagarder, aber auch für die fast 11 000 Einwohner von Sassnitz sind die weiteren Wege über die Umleitungsstrecke ein Ärgernis. Doch noch schlimmer trifft es Gewerbetreibende im Norden der Ostseeinsel.

Die in Sagard ansässige Spedition Rügen Silo Transporte von Sven Rekewitsch zum Beispiel fährt ausschließlich Rügenkreide zu Kunden in ganz Deutschland. Seine elf Sattelzüge müssen jetzt täglich die Ausfallroute nehmen. Das verursache pro Tag Ausfallzeiten von fünf Stunden und Mehrkosten für 70 Liter Diesel, sagt der Unternehmer. Seit Dezember summierten sich die monatlichen Einbußen auf über 5000 Euro. Einen seiner 15 Mitarbeiter habe er schon entlassen müssen.

Bangen um den Job müssen auch zwei Beschäftigte der Tankstelle Sagard. Denn seit der Durchgangsverkehr über Mukran rollt, ist bei Tankstellenbetreiber Edgar Meyer der Umsatz um 60 Prozent eingebrochen. „Hier tanken nur noch Sagarder und ein paar Leute, die es gut mit mir meinen“, sagt Meyer.

Staubildung auch ohne Touristen
Schon jetzt staut sich der Verkehr in Spitzenzeiten regelmäßig an Ampeln und dem Bahnübergang vor Mukran. Doch wenn im Sommer Tausende Urlauber täglich zum Königsstuhl oder in den beliebten Stadthafen Sassnitz drängen, könnte der Stau zum Dauerproblem werden.

Auch der Bau des Rohrlagers und eines Rohrummantelungswerks für die Ostseepipeline könnte sich verzögern. Die ersten Baufahrzeuge werden schon Ende April in Mukran erwartet.

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