Sanierung Lohnt Nicht Mehr : Viele Bahn-Brücken sind völlig marode

Auch in der Prignitz sind einzelne  Brücken in fragwürdigem Zustand.
Auch in der Prignitz sind einzelne Brücken in fragwürdigem Zustand.

Nicht nur Haltestellen in Brandenburg sind gefährdet, auch einigen Brücken droht womöglich in ihrer jetzigen Form das Aus.

svz.de von
15. Juli 2014, 11:52 Uhr

Vor kurzem sorgten Nachrichten über die drohende Stillegung von Haltepunkten in Brandenburg für Aufsehen. Nun ergibt eine Anfrage der Brandenburger Grünen-Abgeordneten Annalena Baerbock, dass auch zahlreiche Eisenbahnbrücken marode sind.

Wenn ein Zug in Brandenburg langsamer fährt, ist oft eine marode Brücke daran Schuld. 65 von 801 Eisenbahnbrücken in Brandenburg sind nach Angaben der DB Netz AG so marode, dass sich eine Sanierung nicht mehr lohnt, und ein Neubau fällig wird. Rund 200 Brücken weisen dazu umfangreiche Schäden auf. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Brandenburger Bundestagsabgeordneten Baerbock hervor, die dieser Zeitung vorliegt.

In der Prignitz betrifft das einzelne Brücken entlang der Bahnstrecken etwa von Wittenberge nach Neuruppin oder Berlin. Anderswo ist die Situation dramatischer. Auf der Strecke Frankfurt (Oder) – Cotttbus finden sich ein gutes halbes Dutzend Brücken in der Abrißkategorie.

„Es ist dramatisch, wie die Bahn und der Bund das Streckennetz verlottern lassen und das damit verbundene Chaos im Fahrplan billigend in Kauf nehmen“, sagt Baerbock. „Die Bahn hat viel zu lang nur auf den Profit geschaut und ein intaktes Streckennetz vernachlässigt.“ Durch selbstverordneten Sparzwang würden Qualität und Mobilität leiden, was vor allem für ländliche Regionen fatal sei. „Die Landesregierung darf nicht weiter tatenlos zusehen, wie die Infrastruktur im Land verfällt, sondern muss den Bund und die Bahn in die Pflicht zur Sanierung nehmen.“


Ministerium hält sich zurück


Das Potsdamer Infrastrukturministerium wollte diese Vorwürfe gestern nicht kommentieren. Bahnbrücken seien ausschließlich eine Angelegenheit der Bahn, teilte ein Sprecher mit. Anders der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. „Wir machen seit Jahren einen eigenen Netzzustandsbericht und mahnen dabei immer wieder an, dass die Infrastruktur der Eisenbahn in Brandenburg vernachlässigt wurde“, sagt Sprecherin Elke Krokowski. Schuld sei in der Regel die Geschäftspolitik der Deutschen Bahn. Trotz zahlreicher Bauarbeiten habe die Region immer noch viel Nachholbedarf.

Der CDU-Verkehrspolitiker Rainer Genilke schlägt in dieselbe Kerbe. „Die Bahn sollte weniger in Prestigeprojekte und ICE-Neubaustrecken investieren, und sich vielmehr ihrer Verantwortung für die Fläche bewusst werden“, sagt Genilke.

Die Deutsche Bahn dagegen verweist auf das Alter der meisten Bahnbrücken. Bundesweit gebe es knapp 25 000 Brücken, von denen knapp 10 000 Brücken älter als 100 Jahre seien, sagt Sprecher Gisbert Gahler. „Deshalb besteht Sanierungsbedarf, die Sicherheit der Brücken ist aber immer gewährleistet.“ Alle Brückenbauwerke würden mindestens alle drei Jahre geprüft und einmal pro Jahr in Augenschein genommen. Bei rund 1200 Brücken in Deutschland müssten allerdings dringend Sanierungsarbeiten vorgenommen werden.

„In Berlin und Brandenburg wurden und werden im Zusammenhang mit der Wiederherstellung und dem Ausbau des Eisenbahnnetzes die meisten Brücken oder Überbauten erneuert“, sagt Gahler. Der Bund stelle derzeit zusätzliche 250 Millionen Euro pro Jahr für Erhalt und Sanierung der Infrastruktur bereit. Diese sollten insbesondere den Brücken zugute kommen. Auch künftig seien zusätzliche Gelder vom Bund dringend erforderlich.


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