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23. November 2017 | 18:02 Uhr

Viel Verwaltung, viel Verkaufsfläche

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mär.2012 | 11:39 Uhr

Der Fragenblock Versorgung ist sehr weit gefasst. Er umfasst die Zufriedenheit mit dem medizinischen Angebot, mit der Zahl der Einkaufsläden und mit der Arbeit der Behörden. Der Blick auf die einzelnen Bereiche lohnt.

Auffällig ist die völlige Unzufriedenheit von immerhin 12 Prozent der Befragten mit der Arbeit der Behörden in der Kreisstadt. Sie zücken die Note 6. "Bürger(nah?)fern!!! Amtsschimmel!!!" - Wer so etwas schreibt, muss schlechte Erfahrungen in einer der Amtsstuben gesammelt haben. Der Befragte, ein 56-jährige Parchimer Mechatroniker, vergibt denn auch konsequent die Note 5 für die Arbeit der Kreis- und Stadtverwaltung oder der Arge.

Es geht noch schlimmer. Ein 70-Jähriger Parchimer fällt ein hartes Urteil: "Die Behörden sind nicht für die Bürger; sie handeln wie zu DDR-Zeiten, keine Gleichstellung der Bürger." Im Klartext: Note 6. Eine 28-jährige Angestellte aus Parchim (sie vergibt ebenfalls Note 6) differenziert: "Die Behörden arbeiten genau, aber zu langsam und zu ineffizient. Darüber hinaus gibt es kaum Öffentlichkeitsarbeit. In Zeiten von Facebook & Co. ist die Stadt irgendwo in den 90er Jahren stehen geblieben. Junges, frisches und zukunftsorientiertes Image fehlt vollständig!" Ihre Lösung: "Neuer Bürgermeister, neuer Führungsstil, besseres Stadtmarketing, mehr Familienfreundlichkeit, neues Stadtentwicklungskonzept als Basis dafür."

Man kann es natürlich auch netter formulieren, wie eine 19-jährige Parchimer Gymnasiastin: "Die Freundlichkeit und der Kundenservice bei den Behörden lassen manchmal zu wünschen übrig." Zumindest dieser Kritikpunkt müsste sich doch lächelnd aus der Welt schaffen lassen, zumal er häufiger auftaucht. Auch eine 25-jährige Parchimer Verkäuferin bemängelt die "unfreundlichen Mitarbeiter der meisten Behörden, z.B. Arge und Wohngeldstelle". Auf einen Satz könnten sich alle bestimmt einigen. Aufgeschrieben hat ihn eine 58-jährige Erzieherin: "Verwaltung soll Dienstleister der Bevölkerung sein."

Betrachtet man nicht die Kommentare, sondern nur die Noten, sieht das Verwaltungs-Image besser aus. Immerhin geben 43 Prozent der Befragten die Note 3. Hier spiegelt sich ein Phänomen, das Meinungsforscher kennen. Der Anteil der unzufriedenen Bürger ist immer größer. Wer mit einer Leistung zufrieden ist, meldet sich seltener mit Lob.

So bewertet eine Mehrheit die Zahl der Einkaufsläden mit den Noten 1 und 2. Unzufriedene Stimmen werden dennoch laut. Wie diese Aussage eines 43-jährigen Lesers: "Die Parchimer Innenstadt ist ein Trauerspiel im Vergleich zu Güstrow." Eine 28-jährige Angestellte findet, dass "viele tolle Läden in Parchim vorhanden sind, jedoch stark verstreut, dadurch wird Shoppen sehr stark von der Fahrerei zwischen den Geschäften geprägt, z.B. Deichman im ParchimCenter, Rossmann in der Stadt, hier wäre ein Umzug von Deichmann ins Zentrum ratsam, zur Belebung der Innenstadt".

Dass die Innenstadt "trist" sei, merkt ein 27-jähriger Student an und kritisiert: "Es gibt seitens der Stadt keine Events zur Belebung der Innenstadt. Die Geschäfte innerhalb der Stadt sind stark verstreut, ein hoher Leerstand fällt auf." Wehmut empfindet ein 65-jähriger Rentner: "Kleine Läden verschwinden, alles wird unpersönlicher." Klartext redet eine 63-Jährige: "Es gibt viele Einkaufsangebote auf der grünen Wiese, während die Innenstadt verödet. Attraktive Lädchen sind oft schnell verschwunden, Inhaber stöhnen über horrende Mieten. Der Leerstand scheint attraktiver, ein Skandal, dass das vom Steuerzahler finanziert wird."

Die Öffnung der Bummelmeile Lange Straße für den Autoverkehr wird von Geschäftsleuten begrüßt. Aber nicht jedem Parchimer gefällt das. Eine 48-jährige Angestellte spricht für ihre Familie: "Wir glauben nicht, dass sich das Einkaufsverhalten dauerhaft verbessert, indem man die Fußgängerzone für den Verkehr öffnet. Das liegt auch am Einkaufsverhalten jedes Einzelnen und am zunehmenden Einkauf über das Internet." Ansonsten bringt es eine 46-jährige Angestellte auf den Punkt: "Zu viele Supermärkte am Stadtrand und zu wenige kleine Läden in der Innenstadt."

Auf dem Dorf ist die Existenz von Einkaufsläden entscheidend für die Lebensqualität. Hier eine Stimme, gültig vielerorts: "Einkaufsmöglichkeiten gibt es keine, nur einen Bäcker, den sich nicht jeder leisten kann."

Zum wichtigen Standortfaktor hat sich in Zeiten des Landarztmangels das medizinische Angebot entwickelt. Auch wenn die Mehrzahl unserer Leser die Noten 2 und 3 vergibt, aus ihren Kommentaren spricht die Angst vor Unterversorgung. "Kein Arzt; keine Einkaufsmöglichkeiten", heißt es aus Sukow. Eine Parchimer Bürokauffrau (48) bemängelt: "Lange Wartezeiten bei Fachärzten und Allgemeinmediziner werden immer weniger." Ein Parchimer Gastronom (63): "Mehr Ärzte müssen angeworben werden." Für Ziegendorf sagt es ein 42-Jähriger: "Wenn unser Landarzt weg ist, dann ist es aus mit der medizinischen Versorgung."

Dort, wo Ärzte keine Mangelware sind, kritisieren Patienten oft zu lange Wartezeiten. "Die Wartezeiten bei Medizinern sind gigantisch, drei bis vier Stunden sind keine Seltenheit", moniert eine 52-jährige Parchimer Kauffrau.

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