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20. Oktober 2017 | 05:40 Uhr

Versuchen Sie, Vorwürfe zu überhören

vom

svz.de von
erstellt am 20.Sep.2013 | 10:00 Uhr

Wie lange habe ich mit der Diagnose Alzheimer noch zu leben?

Das ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Statistisch gesehen beträgt die durchschnittliche Dauer der Alzheimer-Krankheit sieben Jahre nach der Diagnosestellung. In einigen Fällen leben Demenzerkrankte aber durchaus noch bis zu 20 Jahre. Die Demenzerkrankung selbst ist nicht ursächlich für den Tod verantwortlich. Die meisten Betroffenen sterben z. B. an Infektionen, welche durch die Bettlägerigkeit im Endstadium der Krankheit begünstigt werden - zum Beispiel Lungenentzündung, Lungenembolie infolge Thrombosen oder Blutvergiftung.

Ich befürchte, dass ich eine Demenz habe. Mein Großvater und mein Vater waren bzw. sind dement. An welchen Arzt kann ich mich jetzt wenden?

Wenden Sie sich am besten zunächst an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin. Diese werden Sie untersuchen und entscheiden, ob und welche weiterführenden Maßnahmen notwendig sind. Beispielsweise eine Überweisung zu einem Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie. In vielen größeren Städten gibt es außerdem Gedächtnissprechstunden, welche auf Diagnose und Therapie von Demenz-Krankheiten spezialisiert sind. In Mecklenburg-Vorpommern finden Sie solche Sprechstunden zum Beispiel in Schwerin, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald. Die Diagnosestellung ist wichtig um festzustellen, ob überhaupt eine Demenz und in welcher Form vorliegt. Dazu werden Tests des Gedächtnisses und der geistigen Leistungsfähigkeit, eine körperliche Untersuchung und Untersuchungen des Blutes durchgeführt. Auch bildgebende Verfahren kommen zur Anwendung. Je früher die Diagnose gestellt wird, umso rechtzeitiger können entsprechende Therapien eingeleitet werden welche den Verlauf der Krankheit entscheidend beeinflussen können. Es muss aber nicht sein, dass auch Sie an einer Demenz erkranken. Neue Untersuchungen legen nahe, dass familiäre Häufungen eventuell überschätzt worden sind. Je später ein Mensch erkrankt, desto niedriger ist das Risiko der Verwandten.

Haben sich in letzter Zeit die Leistungen für Demenzerkrankte verbessert?

Die Bundesregierung hat im Juni 2012 das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz beschlossen. Damit soll sich die Situation ambulant versorgter Demenzkranker verbessern.

Die letzte Pflegereform 2008 führte Leistungen für Versicherte mit erheblichem Betreuungsbedarf ohne Pflegestufe ein. Das galt vor allem für Demenzkranke, die seit 2008 das Betreuungsgeld (100 bzw. 200 Euro/monatlich) in Anspruch nehmen konnten. Diese Versicherten erhalten seit 1. Januar 2013 auch eine Geldleistung in Höhe von 120 Euro, wenn Angehörige die Pflege bzw. Betreuung übernehmen. Wird ein ambulanter Pflegedienst eingeschaltet, kann man Leistungen für bis zu 225 Euro erhalten. Auch Pflegebedürftige mit erheblichem Betreuungsbedarf in Pflegestufen I und II erhalten mehr Leistungen: In Pflegestufe I beträgt das Pflegegeld nun 305 Euro monatlich bzw. ein Zuschuss zu Pflegesachleistungen 665 Euro. Pflegebedürftige, die keine eingeschränkten Alltagskompetenzen haben, erhalten weiterhin 235 bzw. 450 Euro. In Pflegestufe II beträgt das Pflegegeld 525 Euro bzw. bis zu 1250 Euro Pflegesachleistungen. Nicht an Demenz erkrankte Pflegebedürftige erhalten mit der Reform keine Leistungserhöhung.

Für detailliertere Auskünfte wenden Sie sich an den Pflegestützpunkt, Ihre Berater in den Kranken-und Pflegekassen oder an Beratungsstellen anderer Anbieter.

Ich pflege meine demenzkranke Mutter seit vier Jahren und habe das Gefühl, mir wächst alles über den Kopf. Was kann ich tun?

Weder Ihrem erkrankten Familienmitglied noch sonst jemandem ist gedient, wenn Sie aus Überforderung selbst erkranken. Sorgen Sie für Ihre Gesundheit, indem Sie sich Zeit für sich selbst nehmen und sich durch professionelle Unterstützung bei der Pflege entlasten oder auch geschulte Ehrenamtliche stundenweise in Anspruch nehmen. Es ist wichtig, dass Sie sich erholen. Manchmal hilft es auch, sich mit Menschen auszutauschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. In vielen Städten und auch in den ländlichen Regionen gibt es bereits Selbsthilfegruppen für Angehörige von Demenzkranken. Wenden Sie sich zum Beispiel an eine Regionalstelle der Deutschen Alzheimer Gesellschaft oder an das bundesweite Alzheimer Telefon 01803 - 171017 (0,09 € pro Minute, Sprechzeiten: Mo- Fr 9-15 Uhr). Hier erhalten Sie Auskünfte, ob bzw. wo es auch in Ihrer Nähe Selbsthilfegruppen gibt.

Meine Oma lebt seit einem halben Jahr in einem Pflegeheim. Leider habe ich berufsbedingt nicht die Möglichkeit, sie jeden Tag zu besuchen. Ich befürchte, dass meine Oma im Heim nicht gut behandelt wird. Wie kann ich eingreifen?

Sprechen Sie zunächst mit der zuständigen Bezugspflegekraft oder mit der Wohnbereichsleitung. Häufig können so schon viele Dinge geklärt werden. Zeigt das keine Wirkung, tritt keine positive Veränderung ein, sollten Sie die Heimaufsicht oder die Pflegekasse einschalten. Diese gehen Hinweisen auf Mängel umgehend nach. Die Heimaufsicht finden Sie üblicherweise bei den Sozialbehörden, die Pflegekassen sind bei den Krankenkassen integriert.

Bedenken Sie aber bitte auch, dass es vielen Angehörigen verständlicherweise sehr schwerfällt, ihre Lieben in ein Pflegeheim zu geben. Dies führt gelegentlich zu Spannungen mit den professionell Pflegenden. Deshalb sollten Sie z.B. mit anderen Angehörigen in einer Angehörigengruppe oder ehrenamtlichen Helfern der Deutschen Alzheimergesellschaft darüber sprechen, um Ihre Erfahrungen und Sorgen besser einordnen zu können.

Ich kann mich mit meinem demenzkranken Opa kaum noch unterhalten, ohne dass das Gespräch eskaliert. Was mache ich falsch?

Versuchen Sie, Vorwürfe zu überhören. Diese sind oft Ausdruck von Hilflosigkeit und richten sich nicht gegen Sie persönlich. Vermeiden Sie Diskussionen oder auch Kritik, da es zu nichts führt. Demenzerkrankte brauchen, wie wir alle, Bestätigung. Da hilft es eher, über Dinge zu sprechen, welche der Demenzerkrankte gut gemacht hat-aber bitte in kurzen, einfachen und aussageklaren Sätzen. Bringen Sie nie zu viel Information in einem Satz unter. Bedenken Sie bitte immer, dass der Erkrankte viele Dinge nicht mehr so versteht, wie wir sie meinen und es daher oft zu Missverständnissen kommen kann.

(Wird fortgesetzt.)

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