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23. Oktober 2017 | 13:54 Uhr

Milliardenschäden : Versicherer bitten zur Kasse

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erste Unternehmen verschicken höhere Beitragsforderungen. Erhöhungen bis 15 Prozent erwartet

Das wird teuer: Die in den vergangenen Jahren entstandenen Milliardenschäden an Wohngebäuden lassen sich Deutschlands Versicherer jetzt mit höheren Versicherungsbeiträgen bezahlen. Betroffene in Mecklenburg berichten, dass die ersten Unternehmen derzeit höhere Beitragsforderungen verschicken würden. Es gebe erste Beratungsanfragen, erklärte Axel Drückler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern gestern. Nach den enormen Schäden unter anderem durch die Unwetter der letzten Jahre könnten die Beiträge einzelner Versicherer um bis zu 15 Prozent steigen, erwartet Drückler.

Den Wohngebäudeversicherern geht das Geld aus: Seit Jahren würden die Versicherer weniger Geld einnehmen als sie für Schäden auszahlen müssen, erklärte Kathrin Jarosch, Sprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Zwar würden sich die Schadenshöhen über die Jahre etwa die Waage halten – allerdings mit steigender Frequenz. Die größten Kosten würden aber schon seit Jahren durch Leitungswasserschäden entstehen – allein etwa zwei Milliarden im Jahr 2014 für 1,2 Millionen Schadensfälle.


Elementarschäden: nur 38 Prozent versichert


Starkregen, Stürme, Tornados, Überschwemmungen: Auch die Unwetter belasten die Versicherer. Allein die schweren Regenfälle Ende Mai und Anfang Juni haben versicherte Schäden von rund 1,2 Milliarden Euro verursacht – vor allem im Süden und Westen. Davon entfallen rund eine Milliarde Euro auf versicherte Häuser, Hausrat, Gewerbe- sowie Industriebetriebe und rund 200 Millionen Euro auf die Kfz-Versicherer, geht aus einer vorläufigen Schätzung der deutschen Versicherer hervor. Zum Vergleich: 2015 hatten die Sachversicherer insgesamt zwei Milliarden Euro für Schäden durch Naturgefahren gezahlt. Einzelne Wohngebäudeversicherer würden jetzt entsprechend die Beiträge anheben. Es gebe aber keinen allgemeinen Branchentrend, sagte Jarosch.

Die Kunden haben indes kaum eine Wahl: Dem GDV zufolge sind zwischen 90 und 95 Prozent aller Häuser mit einer Wohngebäudeversicherung – etwa gegen Feuer, Sturm und Hagel, versichert. Hingegen sind nur 38 Prozent der Gebäude gegen Elementarschäden wie Hochwasser oder Starkregen mit einer Versicherung abgedeckt – in Mecklenburg-Vorpommern nur 23 Prozent. Im Fall höherer Beitragsforderungen sollten Verbraucher eine Kündigung des Wohngebäudeversicherers vermeiden, rät Verbraucherschützer Drückler. Oft sei es ratsam eine Prämienerhöhung zu akzeptieren und beispielsweise durch einen höheren Selbstbehalt zu versuchen, die Prämienhöhe zu drücken. Es sei besser, sich aus einem ungekündigten Vertrag heraus eine neue Versicherung zu suchen.

Torsten Roth

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