Verschwendungsvorwürfe gegen UNICEF - Spendensiegel wird geprüft

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05. Februar 2008, 04:04 Uhr

Nach dem Vorwurf der Verschwendung von Spendengeldern könnte dem Kinderhilfswerk UNICEF im schlimmsten Fall auch das Spendensiegel entzogen werden. Das Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das diese Auszeichnung für Seriosität vergibt, um den Spendenmarkt transparent zu gestalten, prüft derzeit entsprechende Maßnahmen. „Wir wollen uns vergewissern, ob sich mit den jüngsten Entwicklungen neue Erkenntnisse zur Vergabe des Siegels ergeben“, sagte der DZI-Vorsitzende Burkhard Wilke am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Das Verfahren sei aber noch völlig ergebnisoffen.

Hauptfeld der Untersuchung von UNICEF sei die Vergütung externer Berater sowie die erfolgsbezogene Vergütung für das Eintreiben von Spenden. Die völlige Aberkennung des Siegels ist laut Wilke jedoch „eine absolute Seltenheit“. Bisher gab es nach Wilkes Angaben nur einen derartigen Fall in den 90er Jahren. Oft würden nach Prüfungen der gemeinnützigen Organisationen Verbesserungsempfehlungen formuliert. „Wir prüfen so gründlich und schnell wie möglich“, sagte Wilke. Unabhängig von Sachfragen müsse UNICEF außerdem dem Vertrauensverlust „eindeutige Signale“ entgegensetzen, lautete Wilkes Empfehlung.

Das Spendensiegel steht für Seriosität und Transparenz von gemeinnützigen Organisationen. Es soll den Spendern eine Sicherheit bei ihrer Entscheidung geben, wem sie spenden wollen. Voraussetzung für den Erhalt des Siegels sind unter anderem die nachprüfbare Verwendung der Spendenmittel sowie das Verbot, Provisionen zu vergeben. Derzeit tragen nach DZI-Angaben 231 gemeinnützige Organisationen das Siegel. Das Kinderhilfswerk UNICEF hat das Siegel ununterbrochen seit 1995.

Inzwischen haben sich am heutigen Dienstag wegen der Krise der deutschen UNICEF-Sektion der amtierende Vorsitzende Reinhard Schlagintweit und der umstrittene Geschäftsführer Dietrich Garlichs zu Beratungen getroffen. Sie wollten in Köln das weitere Vorgehen absprechen, sagte UNICEF-Sprecher Rudi Tarneden. Gegen die Organisation ist der Vorwurf mangelnder Transparenz laut geworden.

Tarneden bestätigte, dass die monatelangen Negativ-Schlagzeilen der Organisation schweren Schaden zugefügt hätten. UNICEF habe 5000 Dauerspender verloren. Im Dezember seien die Einnahmen um 3,5 Millionen Euro hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld bestätigte am Dienstag, dass gegen UNICEF nach wie vor wegen des Anfangsverdachts der Untreue ermittelt werde. Wie lange das noch dauern werde, könne man nicht sagen.

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