Verkehrte Welt: Drehbrücke steht Kopf

Blick auf die Negativschablone: Holger Hahn, Jost Weimar (v. l.) und Joachim Stein (r.).
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Blick auf die Negativschablone: Holger Hahn, Jost Weimar (v. l.) und Joachim Stein (r.).

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04. Mai 2013, 12:06 Uhr

Eine Kiellegung läutet im Normalfall den Baubeginn eines Schiffes ein. Doch dass das, was gestern bei der Schorisch Magis präsentiert wurde unter keinen Umständen Ähnlichkeit mit einem Schiff hatte oder irgendwann haben könnte, wurde auch mit dem größten Laienblick schnell deutlich. Und doch ist die Namensgebung nicht unberechtigt, entsteht in dem in Karstädt doch etwas, was zumindest für den Wasserverkehr unverzichtbar ist. In den kommenden zwei Monaten werden hier die Bauteile einer Drehbrücke verschweißt, die Ende 2013 wieder die historische Insel-Altstadt Malchows mit dem Festland verbinden soll.

Am Donnerstag war die Grundsteinlegung in der Mecklenburgischen Kleinstadt erfolgt, gestern trafen sich Planer und Handwerker mit Malchows Bürgermeister Joachim Stein zum symbolischen Bauauftakt. Und das es sich bei dem Projekt um keine gewöhnliche Brücke handelt, wurde schnell deutlich. "Sie ist für uns von großer Bedeutung, da sie die Insel mit dem Festland verbindet, war bereits früher ein technisches Denkmal und soll es auch irgendwann wieder werden", verdeutlichte Joachim Stein, der sich deshalb auch "einen Hingucker und kein Stahlschwein" wünschte und sich dafür auch in den Planungen einsetzte. Am Stück soll das technische Wunderwerk jetzt 120 Tonnen auf die Waage bringen und sich mit 21,7 Meter Länge tagsüber zu jeder vollen Stunde über ein Drehlager um 90 Grad zur Seite drehen.

Doch bevor am avisierte Eröffnungstermin Ende Juli wieder seinen Platz als touristische Attraktion einnehmen wird, beginnt für die Stahlbauer das große Schweißen. "Wir haben die Stahlteile jetzt fast alle da und das Puzzlespiel kann starten", erklärt Holger Hahn, Leiter des Geschäftsbereichs Stahlwasserbau bei Schorisch Magis.

Insgesamt wird die Brücke aus 500 Einzelteilen bestehen, die zu drei Teilstücken mit je 3,50 Meter Breite und jeweils fast 25 Tonnen anschließend vor Ort zusammengefügt werden. "Das Komplizierte ist dann auch der Transport mit den dortigen engen Straßen", so Hahn weiter. Aber bis es so weit ist, "wird noch viele tausend Stunden geschweißt werden und mit Hilfe einer Negativschablone die einzelnen Bauteile mit dem Gesicht nach unten zusammengefügt", führt Jost Weimar, Geschäftsführer der Schorisch Magis GmbH an.

Den Anfang machte dann gleich der Malchower Bürgermeister, der symbolisch die erste Schweißnaht setzte. Und da kamen Erinnerungen hoch, hatte er doch selbst ab 1964 Rohrschlosser in der Warnowwerft Warnemünde gelernt. Und für das Statussymbol, das auf der Müritz-Elde-Wasserstraße fahrenden Schiffen die Durchfahrt vom Malchower zum Plauer See erlaubt, griff Joachim Stein gern zum Schweißgerät. "Die Drehbrücke musste erhalten werden und was anderen würde auch gar nicht hinpassen", so der Bürgermeister über das Bauwerk, mit dem bis zu sechs Kilometer Fahrstrecke eingespart werden können.

Doch wäre das ohne die Fördergelder des Landes Mecklenburg Vorpommern nicht möglich. Diese sorgen dafür, dass sich Malchow als einzige Kommune in MV eine Drehbrücke mit 6,8 Millionen Euro Baukosten leisten kann.

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