Verhältnis zu Deutschland: Stärker einbringen

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20. Januar 2009, 08:48 Uhr

Was für eine große Stunde, welch ein Moment. Die ganze Dimension dieses Ereignisses wird man wohl erst mit einigem zeitlichen Abstand ermessen können. Er ist kein Messias und er kann keine Wunder vollbringen. Doch er wirkt echt, erfrischend, kann begeistern und macht Hoffnung. Etwas, was man hierzulande an Politikern schon lange so schmerzlich vermisst. Hoffnung auf Wandel. Jetzt gilt es. Barack Obamas Leistung ist schon jetzt historisch. Er verkörpert den amerikanischen Traum, nicht nur für alle Afro-Amerikaner. Den Traum vom Tellerwäscher zum Millionär, aber vor allem den Traum von Martin Luther King, von einem besseren Amerika, von der Gleichberechtigung zwischen Schwarz und Weiß und von einer besseren, friedlicheren Welt.

Hoffnung auch in Europa und Deutschland, wo man auf eine neue Ära im transatlantischen Verhältnis und den binationalen Beziehungen setzt. Change – der Wandel, die Veränderung und die Erneuerung nicht nur in den USA, sondern auch global? Nach acht Jahren George W. Bush sind die Chancen groß. So entschieden wie Angela Merkel zum Amtsantritt Obamas eine engere Kooperation mit der US-Regierung einfordert und vor amerikanischen Alleingängen warnt, hätte man sich die Kanzlerin auch in den vergangenen vier Jahren bei ihren Auftritten im Oval Office gewünscht. Wenn Deutschland und Europa jetzt selbstbewusst eine größere Verantwortung und mehr Mitsprache anmelden, ist dies nur recht und billig. Doch müssen sie sich darauf einstellen, dass der neue Präsident und das neue Amerika sie beim Wort nehmen werden. Wenn Berlin und Brüssel eine stärkere Rolle spielen wollen, müssen sie sich künftig stärker einbringen und bei der Krisenbewältigung nicht abtauchen.

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