Urlaubszeit für Hunde: Gegen Heimweh helfen Boxer und Schaukel

<strong>'Hallo' und</strong> 'Auf Wiedersehen':  Auch wenn Heidrun Gahr (l.) der Abschied von ihrem   Willi  schwer fällt, weiß sie  um die schönen 'Ferien', die er bei Carola Finger in Passow haben wird. <foto>P. Jasmer</foto>
"Hallo" und "Auf Wiedersehen": Auch wenn Heidrun Gahr (l.) der Abschied von ihrem Willi schwer fällt, weiß sie um die schönen "Ferien", die er bei Carola Finger in Passow haben wird. P. Jasmer

svz.de von
13. Juli 2012, 10:03 Uhr

Demmin | In der Pension von Carola Finger wird noch ordentlich geknuddelt, gekuschelt unf brav "Gute Nacht" gesagt. Es gibt Einzelzimmer mit bunt bemalten Wänden. Und für ihre Gäste würde die Passowerin sogar Beethoven-Musik anschalten. Aber ihre Decke müssen die Besucher schon selbst mitbringen. Und auf die Couch dürfen sie auch nicht.

Das ist aber für den Labrador-Rüden Willi kein Dilemma. Und sein Frauchen Heidrun Gahr aus Loitz kann mit dieser Regel auch leben. "Willi hat zu Hause zwar einen Freifahrtsschein, aber hier reicht ihm sein Hundebett", sagt die Loitzerin.

Doch wenn die Urlaubszeit beginnt, dann muss auch Willi ganz tapfer sein. Heimweh und Sehnsucht herunterschlucken. Während dieser Zeit bezieht er Quartier in der Pension "Kleine Pfoten". Und die heimischen Annehmlichkeiten drohen, in weite Ferne zu rücken.

"Natürlich mache ich mir so meine Gedanken", gesteht Heidrun Gahr, denn so hundertprozentig wohl sei ihr dabei nicht. Aber in Carola Finger habe sie eine hervorragende Betreuerin gefunden. Und das nutzt die Loitzerin auch tagsüber, selbst wenn sie nicht im Urlaub ist, aus. In der "Hunde-Kita" kann sich ihr Willi so richtig auspowern. Mit Boxer Frieda oder Beagle Isi darf er auf den Spielplatz. Sie nehmen Tunnel, Schaukel und Planschbecken in Besitz. So gewöhnt sich Willi schnell ein.

Da ist die Woche Urlaubszeit kein großes Problem - dürfte man meinen. Andere Hunde genießen schließlich nicht diesen Luxus. Und Carola Finger bestätigt: "In der ersten Nacht haben die Hunde manchmal ganz schön zu kämpfen. Einige weinen sehr, vor Heimweh." Dabei residieren die Hunde in kleinen Einzelsuiten. Von Hand bemalte Zimmerwände schaffen eine freundliche Atmosphäre. Einige Vierbeiner verweigern aber zuerst sogar ihr Fressen, selbst das mitgebrachte von daheim. "Doch das geht schnell vorbei", berichtet die Pensionschefin. Zu aufregend sind die neuen Freunde und das Ferienprogramm. Weitläufige Gehege und Spielwiesen lenken ab. "Das sage ich mir auch, wenn ich Willi abgebe", so Heidrun Gahr.

Obwohl Futterrationen und Co besprochen sind - der Abschied auf Zeit falle ihr schwer. Das versuche sie aber so zu verbergen, dass keine große Abschiedsorgie zelebriert wird. Noch einmal über die Kopf streicheln. Noch einmal auf die Schultern klopfen. Dann dreht sie sich um und geht los. Sie schaue nicht zurück und geht auch "nicht noch mal heimlich ums Grundstück herum", wie sie mit einem Lachen sagt. "Carola würde sowieso darauf achten, dass ich gleich ins Auto steige, den Gang einlege und losfahre", fügt sie hinzu. Dabei weiß sie ganz genau, dass ihr geliebter Willi abends vor dem Tor auf sie warten würde. Aber wenn auch er die erste Nacht überstanden hat, dann läuft alles wie am Schnürchen.

Dass Frauchen und Herrchen mitunter stark an der Trennung zu knabbern haben, kennt Carola Finger gut. "Doch geweint hat bisher noch kein Besitzer", sagt die 46-Jährige. Auch keine Freudentränen, wenn sie ihren Vierbeiner wieder abholen. Manchmal komme es selbst da zu Enttäuschungen, wie die Passowerin sagt. Denn der Vierbeiner rennt zwar zum Tor, doch hat er im Schlepptau all seine neuen Freunde. Er möchte sie gern vorstellen. Das geht ganz schnell und schon zieht die Clique wieder ab. Und der Urlaubs-Heimkehrer bleibt verdutzt zurück.

Dabei lässt Carola Finger keinesfalls alle Hunde sofort miteinander spielen. "Wenn ich die Hunde nicht kenne, lasse ich sie erst einmal herum gehen, während die anderen Hunde in den Gehegen bleiben", erzählt sie. Das mache sie meistens schon beim ersten Besuch, wenn sich die Besitzer die Pension ansehen. "Da sehe ich schon, wer mit wem kann", sagt sie. Wenn jedoch ein Hund so gar keinen Spielgefährten finden mag, ist das nicht schlimm. "Dann spiele ich mit ihm", berichtet sie. Von Meinungen wie Hunde müssen alles unter sich klären" hält Carola Finger nichts. "Ich bin für die Tiere verantwortlich, da will ich kein Risiko eingehen." Sie hat allerdings eine Bedingung, damit sie ein Tier aufnimmt: "Der Hund muss auf mich hören."

In der Tierpension "Kleine Pfoten" scheinen wohl fast alle Träume von Mensch und Tier wahr zu werden. Der Besitzer kann beruhigt in den Urlaub düsen und die Tiere erhalten eine individuelle Behandlung. Und wenn Heidrun Gahr ihren Willi wieder nach Hause holt, dann darf er auch wieder auf die Couch.

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