Unser Leben unter der Lupe der Statistiker

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04. März 2013, 10:33 Uhr

In welchem Alter haben Sie angefangen zu rauchen? Waren Sie in den letzten vier Wochen krank? Haben Sie in den letzten drei Monaten sonntags gearbeitet? Diese Fragen und noch so einige mehr müssen sich die Menschen in 8000 Haushalten in Mecklenburg und Vorpommern in diesem Jahr stellen lassen - und zumeist auch beantworten. Sie gehören zu den Auserwählten für den Mikrozensus 2013, die repräsentative Haushaltsbefragung in Deutschland. Dabei muss ein Prozent der Bevölkerung stellvertretend für alle Auskunft über die eigenen Lebensbedingungen geben. Muss? - Die wichtigsten Fakten zum Mikrozensus im Überblick:

Wer entscheidet, welche Personen befragt werden?

Über Personen wird gar nicht entschieden. Ein Computerprogramm wählt nach einem festgelegten mathematisch-statistischen Zufallsverfahren lediglich Adressen aus. Und alle, die im jeweiligen Gebäude oder Gebäudeteil wohnen, werden befragt. "Jede ausgewählte Wohnung wird dann viermal hintereinander im Abstand von etwa einem Jahr in die Erhebung einbezogen", erklärt Frauke Kusenack, Dezernatsleiterin beim Statistischen Amt Mecklenburg-Vorpommern. Das ermögliche auch Aussagen über Veränderungen in den Haushalten. Zieht der Mieter in eine andere Wohnung, ist er bei der nächsten Befragung nicht mehr dabei. Das Zufallsverfahren soll sicherstellen, dass die Stichprobe, also die Gruppe der Befragten, mit Blick auf Alter, Beruf, Familienstand usw. ein Abbild der Gesamtbevölkerung ist.

Wie erfahre ich, ob ich befragt werde?

Der Interviewer - vom Amt Erhebungsbeauftragter genannt - kündigt sich mit einem Schreiben im Briefkasten an und schlägt einen Termin vor. Erst dadurch erfährt der Betroffene, dass er bzw. seine Wohnung für den Mikrozensus ausgewählt wurde. Ein vorheriges Schreiben vom Statistischen Amt gibt es nicht.


Muss ich für diesen Mikrozensus Rede und Antwort stehen?

Laut Mikrozensusgesetz ist jeder verpflichtet, Auskunft zu geben, wenn er dazu aufgefordert wird. Von dieser Pflicht kann man sich nicht befreien lassen, egal wie alt oder krank man ist. Für Minderjährige und Behinderte, die nicht selbst Auskunft geben können, muss das eine andere volljährige Person aus deren Haushalt übernehmen. Alle Pflichtfragen müssen beantwortet werden. Sie stehen im Erhebungsbogen auf hellblauem Grund. Freiwillige Fragen - auf hellgrünem Grund gedruckt - kann man dagegen unbeantwortet lassen.

Wie läuft die Befragung ab?

Meldet sich die ausgewählte Person nicht beim Interviewer, steht dieser zum angekündigten Zeitpunkt vor der Tür. Er ruft auf dem mitgebrachten Laptop das Computerprogramm auf und arbeitet Frage für Frage ab. "Die Befragung dauert im Normalfall nur 15 bis 20 Minuten", erklärt Frauke Kusenack. "Der Vorteil des Computerprogramms ist, dass es Fragen, die den Einzelnen nicht betreffen, automatisch überspringt." Die Antworten gibt der Interviewer in das Programm ein, um sie später auf den Mikrozensus-Server zu übertragen.

Woher soll ich wissen, dass kein Betrüger vor der Tür steht?

"Jeder Erhebungsbeauftragte kann sich ausweisen", betont die Dezernatsleiterin. "Diesen Ausweis sollte sich jeder Bürger zusammen mit dem Personalausweis, dessen Nummer auf dem Ausweis aufgedruckt ist, unbedingt zeigen lassen." Es komme durchaus vor, dass Trittbrettfahrer an Haustüren klingeln, nachdem sie die Zeitungsmeldung über den Mikrozensus gelesen haben. Wer unsicher ist, sollte nicht zögern, beim Statistischen Amt nachzufragen.

Was für Menschen sind die Interviewer?

Für das Statistische Amt MV sind 55 Erhebungsbeauftragte unterwegs, um die Mikrozensus-Befragung durchzuführen. "Sie arbeiten ehrenamtlich und bekommen von uns eine Aufwandsentschädigung", erklärt Frauke Kusenack. Rentner und Arbeitslose sind genauso dabei wie Erwerbstätige. Die Interviewer sind relativ gleichmäßig über das ganze Land verteilt, so dass ihre Anfahrtswege bei höchstens 30 Kilometern liegen. Sie stammen also immer aus der Region, aber nicht aus der Nachbarschaft. Bevor sie ihre Arbeit als Erhebungsbeauftragte beginnen, werden sie umfassend geschult.

Muss ich so einen wildfremden Menschen in die Wohnung lassen?

Nein. Das ändert aber nichts an der Auskunftspflicht an sich. Wer also keinen Interviewer einlassen möchte, bekommt von ihm den Fragebogen ausgehändigt und hat dann 14 Tage Zeit, ihn auszufüllen und an das Statistikamt zu schicken. Bogen ist jedoch ein verniedlichender Begriff für das, was man dann bekommt. Das Heft mit den insgesamt 214 Fragen, rund 1000 Antwortmöglichkeiten und erläuterndem Anhang umfasst 67 Seiten. Es durchzuarbeiten, dauere in der Regel länger als das Interview, so Frauke Kusenack. "Wir haben es schon oft erlebt, dass zu befragende Personen im zweiten Jahr dann doch das Gespräch mit dem Erhebungsbeauftragten vorzogen."

Kann nicht mein Nachbar mitmachen, wenn ich selbst keine Lust habe?

Nein. Würde man ausgewählte Wohneinheiten gegen andere austauschen, wäre das Zufallsprinzip, das repräsentative Ergebnisse sichert, nicht mehr gegeben.

Wie ist es mit dem Datenschutz?

Die Daten werden geheim gehalten und dürfen nur für statistische Zwecke genutzt werden. Angaben wie Name und Adresse, sogenannte Hilfsmerkmale, werden im Erfassungsprogramm getrennt von den Antworten gespeichert. Für die statistische Aufbereitung bekommt der Haushalt eine Nummer, die später gelöscht wird. Die Statistiker werten dann anonymisierte Datensätze aus, die keine Rückschlüsse auf die Person zulassen.

Was passiert, wenn sich die Bewohner einer ausgewählten Wohnung weigern?

Steht der Interviewer trotz Terminankündigung vor verschlossenen Türen, werde er einen zweiten Terminvorschlag hinterlassen, so Frauke Kusenack. Hat er auch damit keinen Erfolg, übergibt er die Sache an das Statistische Amt. "Wir schreiben den Haushalt noch einmal an und weisen auf die Auskunftspflicht hin", so die Dezernatsleiterin. "Im nächsten Schritt erstellen wir einen Heranziehungsbescheid, in dem die Personen aufgefordert werden, Auskunft zu erteilen." Passiert das in der gesetzten Frist nicht, werde ein Zwangsgeld von 200 Euro festgesetzt. "Soweit kam es bei uns bisher aber nur in Einzelfällen.".

Zu welchen Themen werden Fragen gestellt?

Zur Person, zu Erwerbstätigkeit, Beruf und Arbeitsuche, zu Schule, Studium und Weiterbildung, zu Lebensunterhalt, Einkommen und zur Altersvorsorge werden jedes Jahr Fragen gestellt. Andere Themenbereiche werden alle vier Jahre behandelt, zum Beispiel die Gesundheit, das Pendlerverhalten, die Wohnsituation oder der Migrationshintergrund. In diesem Jahr ist nach vier Jahren Pause zusätzlich die Gesundheit wieder Thema, also Fragen zu Größe, Gewicht, Rauchverhalten, Krankheiten und Unfällen.

Wann erfolgt die Befragung?

Während es bis 2004 einen Stichtag dafür gab, erfolgen die Interviews jetzt über das ganze Jahr verteilt. Welcher Auswahlbezirk wann an der Reihe ist, hat das Statistische Amt im Internet veröffentlicht.

Wozu brauchen wir den Mikrozensus?

Die Ergebnisse der Befragung veröffentlichen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Die Daten nutzen Politiker und Verwaltungen, um die wirtschaftliche und soziale Lage der Bürger einschätzen und daraus eigene Entscheidungen ableiten zu können. Auch Wissenschaftler greifen darauf zurück. Zudem wird die Öffentlichkeit informiert, wie man in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern lebt.

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