Unicef verliert Spendensiegel

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20. Februar 2008, 01:31 Uhr

Dem Kinderhilfswerk Unicef wird das Spendensiegel aberkannt. Die Hilfsorganisation habe in mehreren Punkten gegen die erforderlichen Standards verstoßen, teilte das für die Vergabe von Spendensiegeln zuständige Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) am Mittwoch in Berlin mit. So habe Unicef Deutschland dem DZI die Zahlung von Provisionen an Spendenwerber trotz entsprechender Fragen im jährlichen Prüfungsverfahren verschwiegen.

Tatsächlich habe die Organisation von 2004 bis 2007 drei professionelle Spendenwerber (Fundraiser) erfolgsabhängig bezahlt. Mit den unzutreffenden Angaben habe UNICEF gegen die in den Spenden-Siegel-Kriterien verankerte Darlegungspflicht verstoßen.

Dies sei besonders schwerwiegend, weil Unicef im Zusammenhang mit den Provisionszahlungen weitere Verstöße gegen die Spenden-Siegel-Standards begangen habe. Auch die Antworten von UNICEF im Rahmen der Nachprüfung des DZI seien nicht von uneingeschränkter Offenheit getragen, sondern trügen zum Teil eher zur Verschleierung der tatsächlichen Sachverhalte bei, hieß es weiter.

Nach Einschätzung des DZI muss die Management-, Leitungs- und Aufsichtsstruktur von UNICEF Deutschland durchgreifend verbessert werden, damit sich derartige Fehler nicht wieder wiederholen.

Die deutsche Sektion der UN-Hilfsorganisation steht seit Wochen wegen des Verdachts der nicht ordnungsgemäßen Verwendung von Spendengeldern in der Kritik. Im Zuge der Affäre haben die UNICEF-Vorsitzende Heide Simonis und der langjährige Geschäftsführer Dietrich Garlichs ihre Posten aufgegeben.

Das Spendensiegel des unabhängigen Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bescheinigt Hilfsorganisationen seriöses Wirtschaften und eine ordnungsgemäße Verwendung der eingegangenen Spenden.

Eine Organisation kann nach dem Entzug des Spenden-Siegels nach Ablauf eines vollständigen Geschäftsjahres das Siegel erneut beantragen.

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