Und wieder grüßt das Murmeltier «Phil»

Weltstar «Phil», das Murmeltier. Der 'Groundhog Day' wird traditionell in den USA und Kanada gefeiert. (Bild: dpa)
Weltstar «Phil», das Murmeltier. Der "Groundhog Day" wird traditionell in den USA und Kanada gefeiert. (Bild: dpa)

Einmal im Jahr rückt ein Erdhörnchen in die Schlagzeilen - und mit ihm eine kleine amerikanische Gemeinde in Pennsylvania. Denn zum Murmeltiertag gibt der Vierbeiner "Phil" eine Antwort auf die Frage: Wie lange herrscht noch Winter?

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31. Januar 2009, 04:01 Uhr

Washington (dpa) - Für Bill Cooper wird der diesjährige Murmeltiertag (2. Februar) ein ganz besonderer: Der Präsident des «Groundhog-Clubs» (Murmeltier-Club) im US-Städtchen Punxsutawney (Pennsylvania) durchbricht nach 13 Jahren seine alljährliche Routine.

Er entkommt somit der Zeitschleife des Murmeltiertages, die durch den Hollywoodstreifen «Und täglich grüßt das Murmeltier» weltweit bekannt wurde. Zum letzten Mal wird Cooper Murmeltier «Phil» aus dessen Bau holen, ihm geheimnistuerisch sein Ohr hinhalten, um dann vor tausenden Schaulustigen die Wetterprognose des pelzigen Vierbeiners zu verkünden.

Vorhersage auf "Groundhogesisch"

Und in der 6000-Einwohner-Gemeinde Punxsutawney, die man ungefähr «Panxatoni» ausspricht, ist man überzeugt, dass Phil immer richtig liegt, wenn er die Ankunft des Frühlings vorhersagt. Kein Wunder, denn «Phil» - beziehungsweise der Zeremonienmeister, der die Voraussage von «Groundhogesisch» in Englisch «übersetzt» - gibt nie einen Ort an. So lautete im vergangenen Jahr die ebenso unerfreuliche wie unspezifische Nachricht: Weitere sechs Wochen Winterwetter. Und irgendwo auf der Welt dauerte der Winter ganz bestimmt noch sechs Wochen an.

Diese Tradition an Maria Lichtmess - in der Mitte zwischen dem kalendarischen Winter- und Frühlingsanfang - geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Sie soll ihren Ursprung in Legenden amerikanischer Ureinwohner und deutscher Siedler haben, die miteinander verschmolzen, wie Brauchtumsforscher annehmen. Demnach glaubte ein in Punxsutawney ansässiger Indianerstamm, dass seine Vorfahren Murmeltiere waren. Die christlichen Siedler wiederum waren überzeugt, dass ein Murmeltier an Maria Lichtmess aus dem Winterschlaf erwacht und sich für weitere sechs Wochen in seinen Bau zurückzieht, wenn es seinen Schatten sieht, da der Winter andauert.

Gefangen in der Zeitschleife

1841 wurde der «Groundhog Day» dann erstmals im Tagebuch eines Ladenbesitzers in Pennsylvania erwähnt. 46 Jahre später, am 2. Februar 1887, pilgerten Menschen erstmals offiziell in das Wäldchen Gobblers Knob bei Punxsutawney, um ihren Phil zu wecken.

Doch nicht nur in den USA, auch anderswo ist das Murmeltier bekannt wie ein bunter Hund - spätestens seit dem Filmhit «Und täglich grüßt das Murmeltier» von 1993. In der Filmkomödie geht es um einen egomanischen TV-Meteorologen (Bill Murray), der jedes Jahr über den «Groundhog Day» aus Punxsutawney berichten muss und es hasst. Doch dann passiert das Wunder: Er bleibt in diesem Murmeltiertag hängen. An jedem Morgen bricht für ihn der 2. Februar neu an, mit den gleichen Gesichtern, den gleichen Ereignissen. Erst als er sich vom Egozentriker zum Menschenfreund entwickelt und wahre Liebe findet, bricht er aus der Zeitschleife aus, und der 3. Februar beginnt.

Der letzte Antritt des Clubchefs

So ähnlich dürfte sich auch Bill Cooper in den vergangenen 13 Jahren gefühlt haben. Alljährlich schritt er vor durchschnittlich 30 000 Besuchern an Maria Lichtmess zur Zeremonie mit «Phil». In Gobblers Knob versammelten sich die Murmeltiergläubigen, manche bezogen dort schon um Mitternacht ihr Quartier.

So wird es auch in diesem Jahr sein. Gegen 7.30 Uhr wird es dann ernst: Die Führungsspitze des «Groundhog-Clubs» rückt an, 15 Männer in Frack und Zylinder. Mit einem Stock schlägt Zeremonienmeister Cooper beim Sonnenaufgang an den Baumstamm, in dem Phil sein Winterquartier eingerichtet hat. Er weckt das pelzige Tier und holt es heraus. Ob Phil dabei wirklich seinen Schatten sieht oder nicht, ist unerheblich. Irgendwie flüstert er Cooper seine Prognose ins Ohr, die dieser «übersetzt» und öffentlich verkündet.

Cooper wird dies am Montag (2. Februar) zum letzten Mal tun, dann tritt er in den verdienten Ruhestand. Der Führungszirkel sucht einen neuen Anführer - gar nicht so leicht angesichts der für den Posten nötigen Sprachbegabung. Der scheidende Präsident selbst hat ein lachendes und ein weinendes Auge. Es habe Spaß gemacht, sagte er dem Ortsblatt «Punxsatawney Spirit». Und was das «Groundhogesisch» betrifft, scherzt er: «Es wäre mir lieber, wenn ich verstehen würde, was an der Börse vor sich geht.»

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