Fragen und Antworten : Und mein Auto?

Der VW-Skandal verunsichert Autofahrer – dabei ist der erhöhte Schadstoffausstoß von Dieselwagen für Experten nicht neu

svz.de von
23. September 2015, 19:37 Uhr

Noch ist nicht absehbar, welche Tragweite der Abgas-Skandal bei Volkswagen hat. Das verunsichert auch deutsche Autofahrer. Viele fragen sich: Stößt mein Wagen mehr Schadstoffe aus als erlaubt? Muss ich Strafe zahlen – oder höhere Steuern? Und kann ich noch bedenkenlos in Umweltzonen fahren?  Experten beruhigen.  Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Um welche Schadstoffe geht es genau?

VW räumt ein, Diesel-Autos mit einer Software so manipuliert zu haben, dass sie bei Tests durch US-Behörden deutlich weniger Stickoxide ausstießen als draußen auf der Straße. Das sind Schadstoffe, die mit flüchtigen Kohlenwasserstoffen für die sommerliche Ozonbildung verantwortlich sind und zur Feinstaub-Belastung beitragen. Sie greifen die Schleimhäute an und können so zu Atemwegserkrankungen führen. Fakt ist aber: Behörden wie dem Umweltbundesamt (UBA) ist seit vielen Jahren bekannt, dass die Messdaten für diese Schadstoffe nicht realistisch sind. Um das starke Treibhausgas CO2 geht es bei der aktuellen Affäre nicht.

Wie kann es sein, dass es so lange Hinweise auf Ungereimtheiten gibt?

Bei den Tests auf dem Prüfstand können viele Faktoren wie der Einfluss des Fahrers oder das Lenkverhalten gar nicht berücksichtigt werden, erklärt Lars Mönch, der beim UBA das Fachgebiet Fahrzeugtechnik leitet. Die Werte, die das Amt regelmäßig im Handbuch für Emissionsfaktoren veröffentlicht, werden daher schon seit den 90er-Jahren nicht einfach gemessen, sondern durch nachträgliche Berechnungen der Realität angenähert. Diese Daten liegen auch den Prognosen zur Luftqualität zugrunde. Der Emissionswert eines Diesel-Pkw der Abgasstufe Euro 6 liegt laut Mönch zum Beispiel im Schnitt um etwa ein Vierfaches höher als der im Test gemessene Ausstoß. Das grundsätzliche Problem ist also lange bekannt. Der US-Grenzwert für Stickoxide ist strenger als der EU-Wert, der für Deutschland maßgeblich ist. Die EU setzt eine Grenze von 80 Milligramm pro Kilometer.

Was bedeutet der Skandal für die deutschen Autofahrer?

„Erst einmal gar nichts“, sagt Mönch. Ob Deutschland auch oder andere Hersteller als VW betroffen seien, müsse sich zeigen. „Aber das Fahrzeug dürfte weiter benutzt werden.“ Für den ADAC ist das Hauptproblem die große Verunsicherung der Verbraucher. Es gebe sehr viele Anrufe beunruhigter Mitglieder, schildert Sprecher Christian Buric. Viele Sorgen könnten gleich entkräftet werden: Bei den Plaketten für die Umweltzonen gehe es etwa um die Luftbelastung durch Rußpartikel, die Steuer orientiere sich am CO2- und nicht am Stickoxid-Ausstoß. Die Verbraucherzentralen fordern VW auf, betroffene Autos nachzurüsten oder den Besitzern einen Anspruch darauf zuzugestehen.

Wie kann Vertrauen in die  Grenzwerte wieder hergestellt werden?

Hier kommt die gute Nachricht: Inzwischen ist eine mobile Messtechnik entwickelt, mit der die Stickoxid-Emissionen während der Fahrt direkt im Auto gemessen werden können. Und auf EU-Ebene wird an einem Gesetz gearbeitet, das die europaweit geltenden Grenzwerte auf Basis dieser Technik verbindlich neu festsetzen soll.  Der ADAC verspricht sich davon „ein gutes Bild“: „Der Verbraucher kriegt mehr Orientierung an die Hand – und darum geht's.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen