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17. Oktober 2017 | 20:48 Uhr

Und bald kommt die Meerforelle...

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Mit Fischtreppen sollen Fische aus der Elbe zur Müritz finden / Neue Aufstiegsanlage an Lewitzschleuse

von
erstellt am 25.Apr.2014 | 14:47 Uhr

Kaulbarsch, Plötze, Blei, Rotfeder, Ukulei... Acht verschiedene Arten sind Michael Lübke gestern Morgen ins Netz gegangen, als er probehalber den Kescher in die Betonbecken der neuen Fischtreppe tauchte. „Ein gutes Zeichen“, sagt er. „Die Fische scheinen den Weg zu finden.“ Die neue Fischtreppe an der Lewitzschleuse ist eine von mindestens dreizehn noch geplanten Aufstiegsanlagen an der Elde-Müritz-Wasserstraße. Demnächst entsteht eine ähnliche Treppe in Malliß, auch an der Schleuse in Güritz/Grabow sehen sich die Planer schon vor Ort um. „Wenn die Fische die Möglichkeit haben, Stau- und Wehranlagen zu überwinden, könnte auch die Meerforelle aus der Elbe den Weg hierher finden“, sagt Lübke.

Pläne für die Fischtreppe an der Lewitzschleuse gab es schon 2005. „Als damals die Erneuerung des Wehrs und der Lewitzschleuse durch den Bund ins Gespräch gebracht wurde, stand für uns fest, eine Durchgängigkeit für Fische und andere Wasserlebewesen zu schaffen“, sagt Minister Till Backhaus gestern auf der offiziellen Einweihung. Das Land hätte in den letzten Jahren mehr als 700 Solschwellen und Fischaufstiegshilfen gebaut und mehr als neun Millionen Euro aus europäischen Fischereifonds dafür ausgegeben. Der Bund wolle bis 2027 fast 800 Millionen Euro in neue Fischauf- und abstiege investieren. Detlef Aster von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, der gestern extra aus Bonn in die Lewitz reiste, lobte die Zusammenarbeit zwischen Land und Bund. Mit dem neuen Wasserhaushaltsgesetz fiel 2010 die Zuständigkeit auf die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und damit auf den Bund. Die Kosten für die eine Million Euro teure Fischtreppe an der Lewitzschleuse hat daher der Bund übernommen. Geplant und gebaut aber hat das Land. „Hier ist wirklich gute gemeinsame Arbeit geleistet worden“, so Aster gestern. Für viele Betrachter sei gar nicht erkennbar, wieviel wissenschaftlicher Sachverstand in so einer Anlage stecke. Die Fische müssen unterhalb der Schleuse gleich neben dem Kraftwerk den schmalen Eingang zur Treppe finden. „Das schaffen sie, weil sie intuitiv die Strömung für ihren Wanderweg suchen“, sagt Steffen Wieland von der Bundesanstalt für Gewässerkunde aus Koblenz. In der Anlage hangeln sie sich dann entlang der hölzernen Trennwände von einem Betonbecken ins nächste, überwinden auf mehr als einhundert Metern 30 Becken und eine Höhe von 3,70 Meter, schwimmen dann oberhalb der Schleuse wieder zurück in die Lewitz.

Kritik von Außenstehenden an dem „doch sehr technischen Betonbau“ weisen die Planer zurück. „Sicher könne man mit der Treppe keinen Schönheitspreis gewinnen“, sagt Planer Lothar Buchholz vom zuständigen Schweriner Planungsbüro. Die Anlage sei eben ein reiner Zweckbau, der sich seiner Funktion unterordne. Wichtig sei, dass die Fließgeschwindigkeit stimmt und die Fische hinauf finden.

Ob und wie die Tiere das Bauwerk langfristig annehmen, soll eine erste Untersuchung im Herbst zeigen. Dann werden Wasserkundler am letzten Becken täglich eine Reuse auslegen, Fische zählen und vermessen. Dass irgendwann auch Meerforellen in den Netzen zappeln, sei nur eine Frage der Zeit.


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