Umweltschützer: Schweinswalen droht in der Ostsee das Aus

von
08. Januar 2008, 09:01 Uhr

KIEL - Schweinswale in der Ostsee sind nach Angaben von Umweltschützern akut vom Aussterben bedroht. „Es sterben mehr Tiere als geboren werden“, teilte die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) am Montag in Kiel mit. Trotz Gesetzen und Vorschriften zum Schutz der Tiere wurden im vergangenen Jahr mehr als 100 tote Schweinswale an die Strände zwischen Flensburg und Greifswald geschwemmt. Das seien mehr als doppelt so viele Kadaver wie 2006. Haupttodesursache sind laut GSM die Netze der Fischer, in deren Maschen sich Schweinswale immer wieder verheddern. Sie könnten die dünnen Kunststoffgarne nicht erkennen und erstickten darin.

Kein Fischer fängt absichtlich Schweinswale, sagte GSM- Meeresbiologin Petra Deimer. Doch fünf Jahre nach Inkrafttreten eines Rettungsplanes würden immer noch „fast alle Fischerei-Institutionen in stoischem Nichtstun“ verharren. Daher sterben „viel zu viele“ Schweinswale in nicht für sie ausgebrachten Netzen als sogenannter Beifang. Die Tiere orientieren sich wie Fledermäuse hauptsächlich akustisch. Die dünnen und reißfesten Kunststoffgarne könnten sie jedoch weder sehen noch mit ihrem „Echolot“ orten. Selbstständig haben sie keine Möglichkeit, sich aus den Netzen zu befreien.

Ohne strikte Maßnahmen wird der kleine Wal in der Ostsee daher schon bald ausgerottet sein, erklärte Deimer. Die GSM fordere daher die „Umrüstung der Fischerei von gefährlichen Fangtechniken auf weniger gefährliche, also von Treibnetzen auf Langleinen, von Stellnetzen auf Fischreusen“. Zusätzlich zu den modernen Fischnetzen leiden die Ostsee-Schweinswale unter dem starken Schiffsverkehr, unter Schadstoffen aus Industrie und Landwirtschaft, Kriegsaltlasten, militärischen Übungen und der Ausbeutung von Bodenschätzen wie Kies und Sand, Öl und Erdgas. Das alles macht den sensible Lebensraum Ostsee laut GSM „buchstäblich lebensfeindlich“.

Bereits im November hatten Experten des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund auf einer Tagung darauf hingewiesen, dass sich die Zahl der tot an den Stränden oder in den Küstengewässern der Ostsee gefundenen Schweinswale in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdreifacht habe. Mit geschätzt rund 600 Exemplaren gilt der Ostsee-Schweinswal als vom Aussterben bedroht. Allerdings stammen diese Angaben über die Populationsstärke aus einer Flugzählung im Jahr 1995. Die Ursachen für die Zunahme der Todfunde sind nach Angaben der Stralsunder Forscher weitgehend unklar. Offenbar spielten die Gefahren aus der Fischerei nur eine untergeordnete Rolle. Möglicherweise deute der Anstieg der Todfunde auch auf eine Zunahme der Population hin, hieß es.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen