Umweltprojekt attackiert

ABS-Geschäftsführer Carsten Schwarz und Projektleiterin Doreen Berg sind fassungslos angesichts der gezielten Zerstörungswut. Fotos: Udo Mitzlaff
1 von 3
ABS-Geschäftsführer Carsten Schwarz und Projektleiterin Doreen Berg sind fassungslos angesichts der gezielten Zerstörungswut. Fotos: Udo Mitzlaff

von
08. Februar 2008, 11:12 Uhr

Treptowsee - Manche meinen, dass der von Wald umgebene Treptowsee einer der schönsten Flecken im Landkreis Parchim ist. Doch die Idylle täuscht. Unbekannte wüteten dort mit der Motorsäge und zerstörten eine Uferbegrenzung, die Frauern und Männer in monatelanger Arbeit aufgebaut haben.

Seit vier Monaten arbeiten zehn Frauen und Männer der Beschäftigungsgesellschaft ABS Parchim am Treptowsee, um den Uferbereich für Natur und Erholungssuchende zu schützen. Sie erneuern die Abgrenzung der Sandwege zum bewaldeten Seeufer mit Holzstämmen in Kniehöhe. Damit sollen die tausenden Gäste, die sich im Sommer ungestört in der Sonne aalen wollen, vor Autos und Mopedfahrern geschützt werden.


Gut vorbereitete Täter
Jetzt setzten Unbekannte fast in sizilianischer Mafia-Manier ein klares Zeichen gegen das Projekt: Sie fällten mit der Kettensäge eine Kiefer und zerlegten einen Teil der frisch gesetzten Abgrenzung. Dass es sich bei der Aktion um keinen bloßen Dummejungenstreich handelt, beweist das überlegte Vorgehen der Täter. Sie montierten auch noch die vier Räder des Bauwagens ab. Zudem müssen sie mit einem gut gefüllten Werkzeugkoffer angerückt sein. Denn die Frauen und Männer der ABS haben die Holzstämme mit Draht versehen, an dem jede Säge scheitert. Diesen Draht schnitten die Täter durch, bevor sie die Säge ansetzten.

„Wer macht so etwas“, schüttelt Projektleiterin Doreen Berg den Kopf. Auch ABS-Geschäftsführer Carsten Schwarz ist sauer: „Das tut mir besonders für unsere Beschäftigten leid. Sie haben sich monatelang Mühe gegeben und gute Arbeit geleistet. Jetzt ist ein Stück davon vernichtet.“

Gegensätzliche Interessen

Dabei verbirgt sich hinter der Idylle des waldumsäumten Sees konfliktträchtiges Potenzial. Es handelt sich um ein Landschaftsschutzgebiet, Teile sind sogar nach EU-Recht als Flora-Fauna-Habitat (FFH) eingestuft. Andererseits strömen im Sommer tausende Erholungssuchende an den Treptowsee. Nicht wenige möchten mit dem Auto bis an den See fahren und dort campen. Andere nutzen den Wagen als rollende Musikbox am Lagerfeuer. Ergebnis: An manchem Sommermorgen scheint die aufgehende Sonne auf eine Müllkippe, säckeweise säumen Abfälle den Strand.

Die Krux: Ein autogerechter Weg oder Parkplatz würde mit Naturschutzrichtlinien kollidieren. Die jetzt gesetzte Abgrenzung im Auftrag der Naturschutzbehörde des Landkreises und des Forstamtes ist derzeit die einzige Möglichkeit, die Besucherströme in geordnete Bahnen zu lenken. Das scheint allerdings jenen, die weiterhin motorisiert ans Seeufer vorstoßen wollen, ein Dorn im Auge.

Naturschutz für Menschen
„Wir sind so froh, dass mit dieser Maßnahme die Abgrenzung des Seebereichs repariert wird“, erklärt Cornelia Warncke, Sachgebietsleiterin Naturschutz in der Kreisverwaltung, „und nun das.“ Noch ist unklar, ob Geld zum Reparieren der Schäden vorhanden ist. Cornelia Warncke stellt klar, dass der niedrige Zaun keine Schikane ist: „Das Landschaftsschutzgebiet ist ja zur Erholung ausgewiesen. Wir wollen die Natur für den Menschen schützen.“

Schön wärs, denn wie sagte es schon Friedrich Schiller in seinem Wilhelm Tell: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen