Lesertelefon Extra : Übermäßiges Trinken begünstigt Krebs

Die Gefahr ist groß, dass man bei langfristigem, starkem Alkoholkonsum in eine Sucht abrutscht.
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Die Gefahr ist groß, dass man bei langfristigem, starkem Alkoholkonsum in eine Sucht abrutscht.

Telefonaktion mit Beratern der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Alkoholmissbrauch

svz.de von
12. März 2014, 23:55 Uhr

Gerade jetzt in der Fastenzeit nehmen sich viele Menschen vor, gesünder zu leben. Dazu gehört auch ein verantwortungsbewusster Umgang mit Alkohol. Während unserer Telefonaktion gab es viele Fragen zur Alkoholmenge, die gesundheitlich unbedenklich ist und zum Umgang mit Partnern, Verwandten und Freunden, die zu viel trinken. Hier eine Übersicht:


Der Vater meiner Schwiegertochter war Alkoholiker. Sie hat darunter sehr gelitten. Aber jetzt bemerke ich bei Besuchen, dass auch sie extrem viel trinkt. Ist Alkoholismus vererbbar?
Nein, genetisch ist die Alkoholkrankheit nicht übertragbar. Aber jeder Mensch hat eine bestimmte Disposition, eine Sucht zu entwickeln oder auch nicht. Das kann vererbt werden. Hinzu kommt, dass Kinder von Alkoholkranken schon in frühester Jugend Alkohol als normal, als wichtig, als Problemlöser in der Familie erleben. Vielleicht können Sie Ihre Schwiegertochter ganz sachlich auf Ihre Beobachtung hin ansprechen. Bleiben Sie dabei am besten in der Ich-Form, wie: Ich sehe, dass du sehr viel trinkst und mache mir Sorgen um deine Gesundheit. Und fragen Sie Ihre Schwiegertochter, wie sie die Sache selbst sieht und ob sie etwas verändern möchte.
Nach Feierabend trinke ich zwei bis drei Flaschen Bier. Könnte das meine Gesundheit beeinträchtigen?
Wenn Sie auf Ihre Gesundheit achten möchten, sollten Sie als Mann nicht mehr als eine Halbliterflasche Bier pro Tag trinken. Als Faustregel gilt: Männer nicht mehr als zwei Gläser, Frauen nicht mehr als ein Glas Alkohol pro Tag. Dabei geht man davon aus, dass ein Bierglas 0,25 Liter fasst, ein Weinglas 0,125 Liter und ein Schnapsglas 0,04 Liter. In jedem dieser Gläser stecken etwa 10 Gramm reiner Alkohol. Zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein.
Warum schadet es, wenn man täglich ein paar Gläser Wein trinkt?
Man läuft Gefahr, auf die Dauer körperliche Schäden davonzutragen. Die Beschwerden sind anfangs vage, zum Beispiel leichte Magenbeschwerden, Müdigkeit oder Schlafschwierigkeiten. Mit der Zeit kann die Leber verfetten und sich entzünden, es kann zu ernsteren Magenbeschwerden kommen und langfristig kann beispielsweise eine Herz-, Hirn- oder Nervenschädigung auftreten. Lang anhaltendes, übermäßiges Trinken begünstigt auch das Entstehen von Krebs, zum Beispiel von Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs oder Brustkrebs. Außerdem ist die Gefahr groß, dass man bei langfristigem, starkem Alkoholkonsum in eine Sucht abrutscht.
Ich will bis Ostersonntag keinen Alkohol trinken. Besonders abends fällt mir das schwer. Wie schaffe ich es besser?
Lenken Sie sich ab, indem Sie eine Kleinigkeit erledigen oder sich etwas gönnen. Rufen Sie einen Freund an oder hören Sie zur Entspannung etwas Musik. Bei innerer Unruhe hilft auch oft ein Spaziergang an der frischen Luft oder eine kleine Radtour oder ein Besuch im Fitness-Studio. Hunger und Durst können auch das Verlangen nach Alkohol verstärken. Trinken Sie etwas Alkoholfreies und überlegen Sie, ob Sie Appetit auf einen kleinen Snack haben.
Meine Frau und ich trinken wahrscheinlich etwas zu viel Wein. Haben Sie ein paar Tipps, wie wir die Menge reduzieren können?
Ja, zum Beispiel diese: Schaffen Sie sich keinen Wein-Vorrat an. Trinken Sie immer zuerst ein alkoholfreies Getränk und trinken Sie zum Wein stets Mineralwasser. Trinken Sie langsamer. Setzen Sie das Glas nach jedem Schluck ab. Nehmen Sie bewusst kleine Schlucke. Benutzen Sie kleinere Gläser und schenken Sie die Gläser weniger voll.
Mein Sohn ist über 40 und trinkt sehr viel Bier und Kräuterlikör. Er wohnt noch bei mir. Wenn ich ihn bitte, weniger zu trinken sagt er, dass sei seine Sache. Aber ich habe große Angst, dass das nicht gut endet. Was kann ich tun?
Wirklich helfen kann nur eine Therapie. Die können Sie aber nicht in die Wege leiten, das kann nur Ihr Sohn. Er ist ein erwachsener Mann und muss seine eigenen Entscheidungen treffen. Aber zurzeit geht es ihm ja gut. Sie umsorgen ihn und er kann sich mit Alkohol benebeln. So wird er nie erwachsen. Sie können ihm aber dazu die Chance geben. Lösen Sie sich. Er muss ja nicht gleich übermorgen ausziehen, aber vielleicht in ein paar Monaten. Selbstständig zu sein und vielleicht eine eigene Familie zu haben, wird ihn mit der Zeit auch zufriedener machen. Das ist eine gute Voraussetzung, um vom Alkohol wegzukommen.
Wie kommt man zu einer Therapie?
Indem man bei einer Suchtberatungsstelle ein Gespräch vereinbart. Eine Datei von Beratungsstellen, geordnet nach Postleitzahlen, finden Sie im Internet unter www.bzga.de/ service/beratungsstellen/ suchtprobleme.
Wie läuft so eine Therapie eigentlich ab?
In der Regel steht am Anfang ein Einzelgespräch in dem geklärt wird, wie stark der Betroffene abhängig ist und wie sein soziales Umfeld aussieht. Dann kann entschieden werden, ob eine ambulante oder stationäre Therapie günstiger ist. An die Therapie sollte sich unbedingt eine langfristige Nachsorge anschließen.
Seit mein Mann keine Arbeit mehr hat, trinkt er drei bis vier Flaschen Bier pro Tag. Er meint, er hätte das alles im Griff, er könne jederzeit aufhören. Ich will ihn in dieser Situation nicht dauernd zur Rede stellen, aber so kann es auch nicht weitergehen …
Sagen Sie das Ihrem Mann ganz sachlich, was Sie beobachten und dass Sie sich um seine Gesundheit große Sorgen machen. Wenn er meint, alles im Griff zu haben, kann er das beweisen. Gerade die Fastenzeit, die noch bis Ostersonntag dauert, ist eine gute Gelegenheit, Alkoholverzicht zu üben. Schafft er es nicht, die paar Wochen ohne Alkohol auszukommen, kann er die professionelle Hilfe einer Suchtberatungsstelle in Anspruch nehmen. Das muss er aber wollen.

Wenn nicht, bleibt Ihnen nur, sich auf Distanz zu begeben. Vielleicht vereinbaren Sie, dass Sie etwas gemeinsam unternehmen, wenn er nüchtern ist. Auf jeden Fall sollten Sie Ihr eigenes Leben mit eigenem Freundeskreis und eigenen Hobbys leben, damit Sie sich mit der Situation nicht zu sehr belasten.
Gibt es Beratungsstellen für Angehörige von Alkoholikern?
Ja, Sie können im örtlichen Telefonbuch oder im Internet nach Suchtberatungsstellen vor Ort schauen, die in der Regel auch Angehörige beraten. Spezielle Beratungsstellen für Angehörige stehen auch unter www.dajeb.de. Eine Broschüre zum Download für Angehörige von Suchtkranken gibt es unter www.bzga.de/infomaterialien/suchtvorbeugung. Die Broschüre heißt: „Ein Angebot an alle, die einem nahe stehenden Menschen helfen möchten“.







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