Tschads Hauptstadt fällt an Rebellen, Franzosen fliegen Ausländer aus

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04. Februar 2008, 12:20 Uhr

Paris/NDjamena/New York - Auf dem Pariser Flughafen Roissy- Charles-de-Gaulle sind die ersten Flüchtlinge aus dem Tschad eingetroffen. 202 Menschen waren an Bord eines Airbus A-310 der französischen Streitkräfte, der kurz vor Mitternacht aus Libreville in Gabun kommend landete, berichteten französische Medien.

Am Wochenende wurden mehr als 700 Ausländer nach Gabun gebracht. Etwa 200 bis 250 Menschen befanden sich am Sonntagabend noch auf dem französischen Militärstützpunkt Kosseï in NDjamena. Sechs Militärtransporter standen für weitere Flüge nach Libreville in Gabun bereit. Unter den nach Libreville gebrachten Ausländern waren neben Franzosen auch Deutsche, Schweizer, Belgier, Spanier und Ägypter.

Die Rebellen im Tschad zogen sich nach eigenen Angaben am Sonntagabend vorübergehend an den Stadtrand der Hauptstadt NDjamena zurück. Nach französischen Fernsehberichten wollen sie damit der Zivilbevölkerung die Gelegenheit geben, sich aus dem Zentrum der Stadt in Sicherheit zu bringen. Danach wollten sie ihre Offensive fortsetzen, sagte ein Rebellensprecher. Die Regierung sprach dagegen davon, dass die Streitkräfte die Rebellen aus der Hauptstadt vertrieben hätte. Am Sonntagabend war in NDjamena relative Ruhe eingekehrt.

Der UN-Sicherheitsrat konnte sich bei seiner Dringlichkeitssitzung am Sonntagabend in New York zunächst auf keine gemeinsame Erklärung einigen. Das Gremium will sich am Montag weiter mit dem Thema befassen. Frankreich, Südafrika, Burkina Faso und Libyen hatte um die Einberufung des Sitzung gebeten. Frankreich hatte die Verurteilung des Rebellenangriffs und der damit verbundenen Destabilisierung der Regierung von Präsident Idriss Déby verlangt.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft erklärte eine politische Beilegung des Konflikts sei der einzig gangbare Weg zu Frieden und Stabilität im Tschad. Die EU unterstütze dabei auch den Aufruf der Afrikanischen Union zu einer einer friedlichen Lösung des Konflikts.

Ban zeigte sich wie die EU-Ratspräsidentschaft besorgt über die Vorfälle im Tschad. Ban sagte, er sei „hochradig alarmiert über die gefährliche Situation“ in dem zentralafrikanischen Land. Sorge bereitete ihm auch die humanitäre Lage von mehreren hunderttausend Flüchtlingen und Vertriebenen. Die meisten von ihnen sind vor den Kämpfen in der westsudanesischen Unruheregion Darfur geflohen. Ban rief die Konfliktparteien dazu auf, die Sicherheit der Zivilisten sowie der Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisationen und der Vereinten Nationen im Tschad zu garantieren. Ban forderte einen umgehenden Waffenstillstand und Verhandlungen, um weiteres Blutvergießen zu verhindern.

Mit der Eroberung großer Teile der Hauptstadt N„Djamena brachten die Rebellen die Regierung Débys am Sonntag an den Rand des Zusammenbruchs. Damit wurde auch die Stationierung der europäischen Truppe Eufor zum Schutz der Flüchtlinge im Osten des Landes in Frage gestellt. Bei den Kämpfen um den Regierungspalast wurden Panzer und Hubschrauber eingesetzt. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sprach von hunderten verletzten Zivilisten.

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich bot Déby Hilfe zur Ausreise an, lehnte ein militärisches Eingreifen aber ab. Die im Lande stationierten französischen Truppen würden nicht an den "Kämpfen zwischen Tschadern" teilnehmen, sagte Außenminister Bernard Kouchner dem "Journal du Dimanche". Das Militärabkommen zwischen beiden Ländern sehe das nicht vor.

Unterdessen bereitete sich Kamerun auf einen Flüchtlingsstrom vor. Wie der französische Auslandssender RFI berichtete, wurden der Zivilschutz und die Polizei in Grenznähe verstärkt. Schon bei vorangegangenen Angriffen auf die Hauptstadt des Tschad hatte Kamerun als Zufluchtsgebiet gedient.

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