Glühwein : Trunk aus Blüten, Blättern oder Wurzeln

Zitronenmelisse eignet sich nicht nur als Tee, sondern auch als Bestandteil eines Kräuterweins.
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Zitronenmelisse eignet sich nicht nur als Tee, sondern auch als Bestandteil eines Kräuterweins.

Einen Trunk aus Blüten, Blättern oder Wurzeln mit Wein selbst anzusetzen, ist kein Zauberwerk. Aufwendiges Zubehör ist nicht nötig – nur einwandfreie Zutaten und Sorgfalt.

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18. Dezember 2013, 11:27 Uhr

Die Zeit des Glühweins rückt langsam näher. Er ist einer der wenigen Kräuterweine aus früheren Zeiten, die heute noch gern getrunken werden. Schon Hildegard von Bingen und Paracelsus haben sich auf die Wirkstoffe der aromatisierten Weine verlassen. Einen Trunk aus Blüten, Blättern oder Wurzeln mit Wein selbst anzusetzen, ist kein Zauberwerk. Aufwendiges Zubehör ist nicht nötig – nur einwandfreie Zutaten und Sorgfalt.

Die älteste bekannte Rezeptur stammt nach Angaben der auf Kräuterwissen spezialisierten Gartenbau-Ingenieurin Bärbel Ranseder aus Antiesenhofen (Österreich) aus dem Jahr 2230 vor Christus. Zu Zeiten des römischen Gelehrten Plinius des Älteren im 1. Jahrhundert nach Christus unterschied man zwischen Gewürzweinen, zu denen der duftende Myrrhe-Wein zählte, und Weinen, die mit Kräutern wie Wermut oder Ysop angesetzt wurden. Auch die Äbtissin und Heilkundlerin Hildegard von Bingen kannte eine große Auswahl an „Medizinalweinen“. Im 12. Jahrhundert ließ man hauptsächlich zerkleinerte Pflanzenteile – frisch oder getrocknet – in Alkohol ziehen. Diese Verfahrensweise wird noch heute angewandt.

Wer sich zu Hause mit Kräuterwein erproben will, dem empfiehlt Bruder Felix von der Erzabtei St. Martin zu Beuron nahe Sigmaringen: „Man sollte sich mit den Pflanzen auseinandersetzen und ausprobieren. Nicht einfach einen Pfefferminz-Topf kaufen und das Kraut in den Wein werfen.“ Kräuter seien von den Inhaltsstoffen derart komplex, dass es keine für alle verbindliche Rezeptur gebe. In Wein lösen sich nach Aussage von Margit Schlenk, Fachapothekerin für Homöopathie und Naturheilverfahren in Neumarkt in der Oberpfalz, beispielsweise Pflanzenfarbstoffe: „Das sieht man daran, dass er sich färbt.“ Gut löslich seien auch die ätherischen Öle zum Beispiel von Pfefferminz oder Oregano. Ebenso ließen sich Scharfstoffe von Ingwer oder Bitterstoffe von Wermut und Scharfgarbe gut in Wein extrahieren. „Die Inhaltsstoffmenge reicht für eine echte heilende Wirkung nicht aus. Diese Weine gehören für mich in den Wellnessbereich.“ Sie warnt vor Alkoholgehalt und Suchtgefahr.

Wer dennoch Kräuterwein selbst ansetzen will, sollte sich mit den Pflanzen auskennen, sie entweder im eigenen Garten haben oder bei der Suche in Wald und Flur von einem Kundigen begleitet werden. Auf der schadstofffreien Seite ist der, der die Kräuter in der Apotheke kauft. „Nur beste Zutaten verwenden“, betont die Buchautorin Elisabeth Engler aus Kranzberg nahe Freising.

Siegrid Hirsch aus Unterweitersdorf im österreichischen Mühlviertel schwört auf Basilikum-Wein. Dafür setzt sie einen Liter Weißwein mit Blättern und Stängeln von zwei ganzen Pflanzen in einem bauchigen Gefäß an und lässt es drei Tage dunkel stehen. Dann füllt sie in eine Flasche ab, die sie dunkel und kühl lagert. Das soll gegen leichte Erkältungen helfen.

Eine schon Hildegard von Bingen bekannte Variante ist der Herzwein aus Petersilie. Dazu kocht Elisabeth Engler Petersilie, etwas Weinessig und Wein kurz auf, gibt Honig dazu, schäumt ab, seiht das Ganze durch ein Tuch und füllt es in die Flasche.


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