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23. November 2017 | 12:31 Uhr

Trotz Merkel

vom

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2012 | 07:47 Uhr

Sie hat um Verzeihung gebeten und klar benannt, was die Morde sind: Eine Schande für unser Land. Angela Merkel fand die richtigen Worte auf der Gedenkfeier für die Neonazi-Opfer. Sie sprach aus, was vermutlich auch Christian Wulff gesagt hätte. Der Unterschied ist: Gestern ging es nicht mehr um den Versuch eines Bundespräsidenten, sein Amt wieder mit Inhalt zu verbinden. Es ging nicht um einen mit Spannung erwarteten Neuanfang im Blitzlichtgewitter, es ging genau genommen auch nicht um die Kanzlerin. Dass jedoch sie redete und nicht der ursprünglich vorgesehene, aber inzwischen zurückgetretene Wulff, das allein hat Raum gelassen für jene Menschen, die lange auf diesen Tag warten mussten. Für Semiya Simsek zum Beispiel, die 14 Jahre alt war, als ihr Vater am 9. September 2000 niedergeschossen wurde. Simsek schilderte die Zeit der falschen Verdächtigungen - und was die Zeit in ihrer Familie anrichtete.

Merkel hat auch sie um Verzeihung gebeten, an diesem Tag der starken Worte und der starken Symbole. Nur: Bei Worten und Symbolen darf es nicht bleiben.

Auf das Kollektivversagen hat Deutschland reagiert, wie man es von Deutschland erwartet: Es wurden Ausschüsse gebildet. Und wöchentlich, abwechselnd, buchstabengetreu kündigten Politiker ein NPD-Verbotsverfahren an. Wie seit Jahren schon. Das alles wirkt kraft- und ideenlos. Rechtsextremismus wird immer noch und vor allem als sicherheitspolitisches Problem wahrgenommen, nicht als gesellschaftliches. Wir schummeln das einfach weg. Trotz Merkel.

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