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23. November 2017 | 06:44 Uhr

Triumph und Schadenfreude bei der Opposition

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svz.de von
erstellt am 20.Feb.2012 | 08:09 Uhr

Berlin | Am Tag nach dem Präsidenten-Krimi wirken SPD und Grüne immer noch euphorisch: "Diese Regierung kann selbst nicht mehr handeln, sie braucht uns", frohlockt Grünen-Chef Cem Özdemir. Der rot-grüne Wunschkandidat für Schloss Bellevue ist durchgesetzt, die schwarz-gelbe Koalition über der Personalie Joachim Gauck fast zerbrochen - das ist der Stoff, aus dem sonst nur Oppositionsträume gemacht sind. Am Sonntag sind sie Realität geworden. Am Montag dann Triumph, Schadenfreude - und ein wenig heimliche Hochachtung vor FDP-Chef Philipp Rösler, dessen Schwenk zu Gauck dieses Ergebnis erst möglich gemacht hatte. Das schwarz-gelbe Zerwürfnis um Gauck kommentiert auch der SPD-Chef süffisant: "Das spricht für den inneren Zustand der Koalition - beziehungsweise dagegen." Der SPD-Chef ist sichtlich stolz, dass es aus der Opposition heraus gelungen ist, der Kanzlerin den Kandidaten Gauck aufzuzwingen. Einen letzten Versuch der Union, mit einem "unmoralischen Angebot" das Blatt zu wenden, hatte der SPD-Vorsitzende am frühen Sonntagabend abgelehnt: SPD-Mann Henning Voscherau, Ex-Bürgermeister von Hamburg, lautete die Offerte. So sollte Gauck verhindert werden - und damit die schwarz-gelbe Spaltung. Als Gabriel auch diesen "gestandenen Sozialdemokraten" ablehnte, gab Merkel schließlich klein bei. Gauck hatte eine Kampfkandidatur, ein erneutes letztlich aussichtsloses Rennen um das höchste Staatsamt bereits vor Wochen abgelehnt. Doch als erkennbar wurde, dass die Liberalen womöglich umschwenken, hatte Gabriel bei Gauck am Sonntag noch einmal vorgefühlt - und gewann den Eindruck, dass der als rot-grün-gelber Kandidat wohl antreten werden würde. Ermöglicht wurde der machtpolitische Erfolg von Rot-Grün durch zwei Umstände: Nach der Absage von Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle war der Weg für einen anderen Kandidaten frei. Gauck aber wurde nur durch die kompromisslose Haltung von FDP-Chef Phi lipp Rösler möglich. Für den "Zwergenaufstand" des Liberalen und dafür, dass er gegen Merkel die Nerven behalten hat, gibt es deshalb durchaus Anerkennung bei den Sozialdemokraten: Hoch gepokert und gewonnen, heißt es in der SPD-Spitze. Die Kollateralschäden für die Koalition werden von der Opposition als hoch eingeschätzt. Das Regierungsbündnis werde zwar nicht vorzeitig platzen, prophezeit Gabriel: "Aber Frau Merkel wird sich das, was sie da erlebt hat, auch merken." Vorbote einer Ampelkoalition ist der FDP-Coup aus rot-grüner Sicht zwar nicht. Man hofft und setzt offiziell darauf, 2013 eine Ablösung von Schwarz-Gelb aus eigener Kraft zu schaffen. Doch die Liberalen - so sie die Fünf-Prozenthürde nehmen - könnten 2013 vielleicht doch ein Ansprechpartner werden.

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