Triumph der Ungerechtigkeit

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18. September 2012, 07:59 Uhr

Drei Jahre sind vergangen, seit die Immobilienblase der Volkssolidarität in Mecklenburg-Vorpommern geplatzt ist. Rund 1600 Frauen und Männer, zumeist aus der Altersgruppe 70plus, mussten hinnehmen, dass ihre sicher geglaubten Geldanlagen, die Hoffnung auf zuverlässige Nebeneinkünfte im Alter, den Bach hinunter gingen. Die Führungsriege der Kreisverbände Rostock-Land und Mittleres Mecklenburg hatte sich verspekuliert. Wer kann sich die Enttäuschung vorstellen? Die Enttäuschung der Rostocker Rentnerin zum Beispiel, die dem Sozialverband ihre gesamten Ersparnisse anvertraut hatte. Heute ist die alte Dame regelmäßig beim Flaschensammeln zu sehen. Wird sie je etwas von ihrem Geld zurückbekommen, überhaupt den Ausgang des Verfahrens erleben? Schon 2009, als die Hiobsbotschaft von den Pleitiers beim Wohlfahrtverband ans Licht kam, meldeten sich für 15 Prozent der Geschädigten die Erben. Wie es drei Jahre später aussieht, kann sich jeder vorstellen. Juristen und Verbraucherschützer kommen nicht umhin festzustellen: Die Volkssolidarität hat ein Gutteil ihrer Verfolger abgeschüttelt. Natürlich spricht das gegen den Verband und seine Blockadehaltung. Ebenso sehr aber spricht es gegen die Justiz in Mecklenburg-Vorpommern. Vier Schadenersatzklagen wurden 2010 eingereicht. Dass die Verfahren am Landgericht Rostock und nun auch am Oberlandesgericht so langsam vorwärtskommen, muss den Geschädigten erscheinen, als würde ihnen ihr Recht verweigert. Geht es so weiter, belohnt Justitia die Verschleppungstaktik der Volkssolidarität. Das wäre ein Triumph der Ungerechtigkeit.

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