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19. August 2017 | 14:53 Uhr

Aufregung in Rom : Tritt der Papst zurück?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach mehreren Terminabsagen gibt es in Rom heftige Spekulationen um den Gesundheitszustand von Franziskus. Einige Äußerungen befeuern zudem Rücktrittsgerüchte.

Auf bis zu 34 Grad Celsius werden die Temperaturen in den kommenden Tagen in Rom steigen. Für Kinder und ältere Menschen ist der Sommer in Italiens Hauptstadt eine Last. Das gilt auch für den Papst. Auch wenn es im Vatikan nicht an Klimaanlagen mangelt, muss es Franziskus wie die meisten knapp 80-Jährigen in diesen Tagen etwas ruhiger angehen lassen.

So kann man es erklären. Franziskus wird bald 78 Jahre alt. Kein Wunder also, dass er bereits zum dritten Mal in diesem Juni kurzfristig Termine absagte. Anfang des Monats ließ er mehrere Privataudienzen platzen. Beobachter wurden erstmals hellhörig, als Franziskus an Fronleichnam nicht an der traditionellen Prozession teilnahm. Der sonst so volksnahe Papst ließ sich die Strecke mit dem Auto chauffieren. Und schließlich stutzen nicht wenige, als Franziskus vor drei Tagen im letzten Moment seinen Besuch in der römischen Gemelli-Klinik zu deren 50. Gründungsjubiläum absagte.

Die Antwort aus dem Pressebüro des Heiligen Stuhls folgte prompt. „Es gibt keinen Grund, sich über die Gesundheit des Papstes Sorgen zu machen“, sagte Pressesprecher Pater Lombardi. Der Grund für die Absage sei nur „plötzliches Unwohlsein“ gewesen. Lombardi wies außerdem auf das dichte tägliche Programm des Papstes hin und die erst vor kurzem beendete, anstrengende Nahost-Reise.

Die Spekulationen über den Gesundheitszustand Bergoglios beendeten diese Worte selbstverständlich nicht. Die Physis des Papstes ist bereits seit dem Konklave im März 2013 ein heiß diskutiertes Thema. Nach Darstellung eines engen Beraters von Franziskus, Kardinal Maradiaga aus Honduras, hätten konservative Kräfte damals Gerüchte über Bergoglios angeschlagene Gesundheit gestreut, um seine Wahl zu verhindern. So wurde gemunkelt, Bergoglio habe seit einer Lungenentzündung in der Jugend nur noch einen Lungenflügel. Bergoglio soll daraufhin klargestellt haben, es habe sich nur um die Entfernung einer Zyste gehandelt, woraufhin er im Konklave eine Mehrheit bekam. Bekannt ist außerdem, dass Franziskus Knochenprobleme hat. Daher rührt offenbar die Schwierigkeit, in die Knie zu gehen sowie seine Treue zu den berühmt gewordenen und von Ästheten bemängelten schwarzen Orthopädieschuhe.

Seit einigen Tagen werden dennoch in der vatikanischen Welt scheinbar zweitrangige Gegebenheiten in neue Zusammenhänge gestellt. So hört man, Franziskus habe im kleinen Kreis deutlich gemacht, keine wichtigen Termine, etwa Auslandsreisen, auf längere Zeit hin planen zu wollen. Beachtung finden plötzlich auch Worte, die Franziskus am Wochenende im Gespräch mit einer Gruppe Jugendlicher in den Mund genommen haben soll. „Wo endet ein Papst?“, fragte er. „Hier, im Grab.“ Es gibt voreilige Interpreten, die diese Worte als Hinweis für ein baldiges Ende dieses Pontifikats sehen. Franziskus halte sich nicht mehr, wie noch kürzlich, einen Rücktritt im Stile seines Vorgängers offen, sondern sei bereits auf ein nahes Ende fixiert.

Zutreffend ist gewiss, dass Franziskus sich selbst ein kraftraubendes Programm verordnet hat. Ferien macht Franziskus nicht. Für Juli immerhin hat Bergoglio alle Generalaudienzen abgesagt. Mitte August will er nach Südkorea reisen.

Für die letzte Absage kursiert in Rom aber auch eine kirchenpolitische Lesart. Die Gemelli-Klinik geht auf die einflussreiche Toniolo-Stiftung zurück; ihr Präsident ist der Erzbischof von Mailand, Kardinal Angelo Scola. Dieser taucht immer wieder in Berichten über politische Mauscheleien auf. Warum also, so die Theorie, sollte Franziskus, der täglich gegen Korruption und Vetternwirtschaft predigt, Scola eine Ehre erweisen?

Und das bei dieser Hitze...

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