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15. Dezember 2017 | 03:53 Uhr

Traue keinem über 60?

vom

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 07:01 Uhr

Die Polizei will die Statistik ändern und damit die Alterskriminalität stärker unter die Lupe nehmen. Kritik daran ist programmiert. Schnell ist von Altersdiskriminierung die Rede, wenn ältere Menschen in aller Öffentlichkeit mit Verkehrsdelikten oder sogar Straftaten in Verbindung gebracht werden.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Würde des Alters ist ein hohes Gut und ein respektloser Umgang oder die Kriminalisierung der über 60-Jährigen ist nicht Anliegen der Polizei. Vielmehr geht es darum, auch im Interesse der Senioren die Auswirkungen demografischer Entwicklungen zu erkennen und Strategien zu entwickeln.

Auch um Missverständnissen vorzubeugen: Nicht der einzelne Rentner ist krimineller oder böser geworden, sondern mit dem steigenden Anteil der Alten an der Bevökerung steigt auch ihr Anteil am Kriminalitätsgeschehen.

Schon seit Jahren werden die aus der Alterung der Gesellschaft erwachsenen Anforderungen an die Sozialsysteme oder an die Wirtschaft untersucht und diskutiert. Da wäre es inkonsequent und unvernünftig, Alterskriminalität unbeachtet zu lassen. Denn längst sind Straftaten Älterer kein Phänomen mehr. Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich waren in den vergangenen Jahren keine Seltenheit. Darauf müssen sich Polizei und Justiz einstellen.


Alterskriminalität hat in der Kriminalitätsprävention und auch in der Strafverfolgung bisher kaum eine Rolle gespielt, weil sie eher eine Randerscheinung war. Künftig wird man überlegen müssen, wie man Präventionsprojekte nicht nur jugend- sondern vor allem altersgerecht gestaltet. Auch wird zu diskutieren sein, ob das heutige Strafrecht dem demografischen Wandel noch gerecht wird.

Haftstrafen bedeuten für ältere Menschen beispielsweise ein viel höheres gesundheitliches Risiko. Die Gefängnisse sind in der Regel nicht auf die Bedürfnisse eingesperrter Älterer eingestellt.

Seniorenkriminalität darf nicht länger ein Tabuthema sein. Es muss öffentlich diskutiert werden.

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