Theaterpolitik in MV – Hintergrund

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26. September 2012, 10:35 Uhr

Die Knackpunkte

Das Finanzloch: Der Zuschuss des Landes an alle Bühnen ist mit 35,8 Millionen Euro im Jahr zwar, verglichen mit anderen Bundesländern, relativ hoch, aber seit 1994 unverändert, während vor allem Tariferhöhungen die Kosten steigen ließen. Bleibt alles, wie es ist, rechnen die Berater von Metrum mit einem Finanzloch bzw. einem Einsparbedarf von rund 12 Millionen Euro für alle Bühnen im Jahr 2020.


Die Orchester: Wer nicht an die Orchester herangeht, wird nicht nenneswert sparen - da sind sich alle Fachleute einig. Denn erstens umfasst ein Orchester relativ viel Personal und zweitens verdienen die Musiker, etwa im Vergleich zu Schauspielern, relativ gut. Nur: Die Orchester haben mit der Deutschen Orchester-Vereinigung (DOV) eine schlagkräftige Gewerkschaft hinter sich. Ein Orchester wie die Mecklenburgische Staatskapelle aber zum Beispiel vom A-Tarif auf den B-Tarif herunterzustufen, ist alles andere als einfach. Immerhin: Die DOV kündigte gestern an, "die vorgelegten Modelle zur Theater- und Orchesterzukunft in M-V in Ruhe prüfen und bewerten" zu wollen.


Der Gegensatz Schwerin-Rostock: Immer wieder war eine Fusion des Staatstheaters Schwerin mit dem Volkstheater Rostock in der Diskussion - zumal die Bühnen in Vorpommern und in Neubrandenburg und Neustrelitz schon vor Jahren Allianzen eingegangen sind. Nur: Das Schweriner Theater hatte in den vergangenen Jahren immer eine sehr gute Einspielquote um die 20 Prozent, das Volkstheater lag unter 10 Prozent - die Neigung der Schweriner, mit Rostock zu fusionieren, war da gering. Und die Rostocker Bürgerschaft hat


Das alte Tesch-Konzept: Bildungsminister Henry Tesch (CDU) hatte während seiner Amtszeit 2006 bis 2001 versucht, ein Theaterkonzept umzusetzen, das Zuschüsse an Einspartenhäuser nur noch vorsah, wenn sich die kleinen Bühnen mit großen Thetaern zusammenschließen. Ursprünglich sollten nach dem Tesch-Konzept zwei "Kulturkooperationsräume" unter jeweils einheitlicher Intendanz mit jeweils einem Orchester entstehen. Nur: Zu mehr als Pro-Forma-Fusionen, etwa zwischen Rostock und Parchim, hat das Konzept nicht geführt.

Die neuen Alternativ-Varianten

"Autonomie" setzt weiter auf die Eigenständigkeit der Theater und Orchester im Land - es ist quasi der Jetzt-Zustand. Wie bei den meisten der neun Modelle soll aber das Prinzip "Matching Funds" gelten - das Land gibt nur so viel wie die theatertragende Kommune. Diese Variante wird gelten, wenn es keine Einigung der Theaterträger gibt - und ist eine Garantie für Dauer-Sparzwänge.


"Autonomie und Kooperation" ähnelt Variante eins, beinhaltet aber einen neuen Kulturfonds, der Geld für besondere Kooperationsprojekte vergibt. Nur: Der Kulturfonds soll dadurch geschaffen werden, dass man von den 35,8 Theater-Millionen vorab rund 10 Prozent abknapst.


"Staatsoper Mecklenburg", die Fusion der Orchester und Musiktheatersparten aus Schwerin und Rostock in Hauptträgerschaft des Landes soll 6,4 Millionen Euro pro Jahr einsparen - weil insgesamt 97 Stellen abgebaut würden. Metrum hält dennoch sogar eine Verbesserung des jeweiligen Spielplan-Angebots vor Ort für möglich. Aber: Die kommunalen Theater, aus denen Sparten in Landesträgerschaft ausgegliedert werden, verlieren die Landes-Förderung!


"Zwei-Landesopern-Modell": Die Fusion der Orchester und Musiktheater aus Schwerin und Rostock einerseits und aus Stralsund/Greifswald und Neubrandenburg/Neustrelitz andererseits in jeweils eine "Landesoper", deren Hauptträger das Land wäre, soll fast 10 Millionen Euro sparen - und 162 Stellen.


Eine "Staatsoper Mecklenburg-Vorpommern" aus allen Orchester und Musiktheater-Sparten im Land würde nach den Metrum-Rechnungen volle 18 Millionen Euro einsparen, aber 290 Musiker und sonstiges Personal den Job kosten.


"Staatstheater Mecklenburg": Eine vom Land getragene Fusion aus Schwerin und Rostock veranschlagen die Berater auf 7,3 Millionen Einsparpotenzial - und einen Abbau von 114 Stellen.


"Zwei-Staatstheater-Modell": Wenn Rostock mit Schwerin sowie Neubrandenburg/Neustrelitz mit Stralsund/Greifswald zusammengehen, ebenfalls in Trägerschaft des Landes, würde die Einsparung fast 14 Millonen Euro pro Jahr betragen. 220 Musiker, Schauspieler, Techniker müssten gehen.


"Leuchtturmtheater Mecklenburg" in Schwerin und Rostock bekämen regelmäßig um mindestens 2,5 Prozent/Jahr steigende Zuschüsse. Aber da auch hier die Gesamtsumme für alle bis 2020 gleich bleiben soll, hieße das: Hartes Sparen überall sonst, in Neubrandeburg/Neustrelitz und in Vorpommern gäbe es wohl langfristig weder Musiktheater noch Konzert.


Variante neun, das "Leuchtturmtheater Mecklenburg-Vorpommern" würde nach dem gleichen Muster nur die Theater in Schwerin und in Stralsund/Greifswald verstärkt fördern. Das heißt nach einer Metrum-Prognose aber: Rostock und Neubrandeburg/Neustrelitz müssten wohl Musiktheater, Ballett und/oder das Orchester schließen.

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