Teures aus dem Wasserhahn

Etwa 100 Liter Trinkwasser verbraucht ein Mensch in der Region  pro Tag. Allein für eine Toilettenspülung sind es oft schon zehn Liter. Die Gebühren sind in der Region sehr unterschiedlich.
Etwa 100 Liter Trinkwasser verbraucht ein Mensch in der Region pro Tag. Allein für eine Toilettenspülung sind es oft schon zehn Liter. Die Gebühren sind in der Region sehr unterschiedlich.

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04. Februar 2008, 09:09 Uhr

Bützow/Sternberg/Schwaan -Teures Nass aus dem Wasserhahn: Ein Drei-Personen-Haushalt in Bützow und Warin zahlt im Jahr rund 200 Euro mehr für Wasser und Abwasser als in Sternberg oder Schwaan. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Versorgern sind enorm. Wie viel zahlen Verbraucher künftig?

Die Preisunterschiede bei Wasser und Abwasser in der Region sind immens. Das zeigt ein SVZ-Vergleich unter den einzelnen Versorgern. Am günstigsten kommen die Schwaaner und Sternberger weg. Ein sparsamer Alleinstehender, der nur 35 Kubikmeter im Jahr verbraucht, zahlt hier rund 250 Euro für Trink- und Abwasser. In Bützow ist die Gebühr für diesen Einzelhaushalt 50 Prozent höher.

Ein Drei-Personen-Haushalt, der 100 Kubikmeter Wasser im Jahr benötigt, zahlt in Schwaan bzw. Sternberg derzeit weniger als 500 Euro. Beim gleichen Verbrauch muss eine Familie in Jesendorf und Ventschow 50 Euro mehr berappen. In Brüel, Bützow oder Warin sind sogar über 200 Euro mehr fällig. Bei größeren Familien mit einem Jahresverbrauch von 150 Kubikmetern macht der Unterschied für die Bürger je nach Wohnort teilweise fast 400 Euro im Jahr aus. Nicht berücksichtigt sind dabei die Anschlussbeiträge, die Versorger in unterschiedlichem Maße erheben.

Bützow - Leicht gesunken sind die Abwassergebühren zum Jahresbeginn in Bützow, Warin, Laage und anderen Gemeinden des Wasserversorgungungs- und Abwasserzweckverbandes Güstrow-Bützow-Sternberg (WAZ). Das liegt vor allem daran, dass die Mehrheit im Verband anstelle der bisherigen unterschiedlichen Preise eine Einheitsgebühr durchsetzte (SVZ berichtete). Im Gegenzug zur Gebührensenkung in den kleinen Gemeinden gab es in Bützow und Laage eine Erhöhung der Tarife. Trotz der Senkung zahlen die Verbraucher in den WAZ-Gemeinden weiter die höchsten Preise für Wasser und Abwasser der hier verglichenen Gemeinden.

Die Prognose sieht nicht gut aus, wie Hans-Dietrich Habl, Wariner Vertreter im WAZ-Vorstand, erklärt. Er verweist auf die demographische Entwicklung. Immer weniger Einwohner in der Region bedeuten auch weniger Verbraucher. 2008 gibt es keine Erhöhung, so Habl, doch mittelfristig rechnet er schon damit.
In vergangenen Jahren waren die Preise im WAZ stabil. Nur die Grundgebühr bei Wasser wurde erhöht. Man habe gehofft, dass die Leute nicht mehr so viel sparen, so Habl.

Schwaan - Auf der Sonnenseite des Lebens rangieren bei diesem Vergleich die Schwaaner. Sie gehören zum Zweckverband „Kühlung“, der deutlich günstigere Gebühren anbieten kann als der WAZ. Ein Drei-Personen-Haushalt kann hier mehr als 250 Euro sparen, die der Nachbar in Bützow zusätzlich berappen muss.
Sternberg - Bei den Stadtwerken Sternberg sind die Gebühren seit 1994 stabil, sagt Bürgermeister Jochen Quandt. Sie wurden bei der Einführung des Euro nur gerundet. Auch in diesem Jahr gelingt es, trotz steigender Energie- und anderer Preise, die Gebühren zu halten, erklärt Quandt. Ziel bleibe es, steigende Kosten durch Einsparungen zu kompensieren. Ob das auch weiterhin gelingen wird, dafür legt der Bürgermeister seine Hand nicht ins Feuer.

Einen Grund für Sternbergs vergleichsweise günstige Abwasserpreise sieht Quandt in der Investitionspolitik. Die Stadt baute in den 90er-Jahren nicht zuerst ein neues Klärwerk, sondern fuhr das alte bis zum Anschlag, während so viele Straßen wie nur möglich mit Abwasserkanälen erschlossen wurden. Als das neue Klärwerk in Betrieb ging, war es bereits zu einem hohen Grad ausgelastet.

Auch an den Trinkwasserpreisen muss die Kommune nicht drehen, obgleich der Verbrauch gesunken ist. Positiv wirkt sich aus, dass Sternberg Wasser an die Biodieselanlage verkauft und damit einen neuen Großabnehmer hat.

Neukloster - Im Mittelfeld der Gebührenskala der Region bewegt sich der Zweckverband Wismar, der neben dem früheren Landkreis Wismar mit Neukloster als größter Stadt auch Ventschow und Jesendorf versorgt. 2008 ändert sich nichts an den Gebühren, erklärt Zweckverbandsgeschäftsführer Bernd Baasner. Für die kommenden Jahre will er sich nicht festlegen.

Brüel - In Brüel, wo das Preisniveau schon seit Jahren weit höher ist, stieg 2008 die Grundgebühr für die Trinkwasserversorgung. Die Stadt hat darauf keinen Einfluss, erklärt Bürgermeister Jürgen Goldberg. Um den Schuldenberg abzubauen, musste Brüel die Stadtwerke verkaufen. Trinkwasser liegt in der Händen der rein privaten Firma MEA.

Ein Mitspracherecht behält die Stadt hingegen beim Abwasser. Denn an der dafür zuständigen Firma BAE hält Brüel eine 51-prozentige Mehrheit.

In der Region wie auch im ganzen Land verbrauchen die Menschen etwa ein Viertel weniger Wasser als im gesamtdeutschen Durchschnitt. In Sternberg wurde im Vorjahr ein Pro-Kopf-Verbrauch an Trinkwasser – ohne Industrie – von 104 Litern pro Einwohner und Tag ermittelt. Das entspricht einem Jahresverbrauch von 37,8 Kubikmetern pro Nase.

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