Teure Versprechen

Großbaustelle Beutel: Satte 2,3 Millionen Euro kostet das Bauvorhaben mehr. Wer die Planungspanne verantwortet, ist nicht geklärt. Fotos: Reinhard Klawitter
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Großbaustelle Beutel: Satte 2,3 Millionen Euro kostet das Bauvorhaben mehr. Wer die Planungspanne verantwortet, ist nicht geklärt. Fotos: Reinhard Klawitter

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08. Februar 2008, 10:57 Uhr

Schwerin - Aubachbrücke, Stadthafen am Beutel, Ufersanierung am Pfaffenteich, marode Schwimmhallen, ein leer stehendes Strandhotel, der Sport- und Veranstaltungskomplex Lambrechtsgrund in ungewisser Ferne – die Investitionsbilanz in der Ära Claussen ist keine Erfolgs-Story. Viele städtische Projekte kosten erheblich mehr als geplant und manch mit vielen Vorschusslorbeeren versehene Großinvestion lässt noch heute auf sich warten.

Erste Zwischenbilanz
„Ja wir schaffen das“, lautete Norbert Claussens markiges Wahlkampfmotto, das er sich als damaliger Kultur- und Wirtschaftsdezernent sogar auf Visitenkarten hatte drucken lassen. Und damit meinte er vor allem die Wirtschaft. Doch ausgerechnet der ihm in der heißen Wahlkampfphase kaum von der Seite weichende potenzielle Großinvestor Yakob Bardower bescherte Claussen die erste Niederlage: 31 Millionen Euro wollte die Start-up-Firma Microsense nach Schwerin bringen. Heute weiß kaum jemand mehr, dass sich das Unternehmen mit 30 Mitarbeitern in Zippendorf ansiedeln wollte.

Der Stadtteil scheint ein schlechtes Omen für Claussen zu sein. Denn das Ende 2004 geschlossene Strandhotel sollte eigentlich Ende 2007 als riesiges Multimedia-Tagungszentrum öffnen. Doch statt der versprochenen 27-Millionen-Euro-Investition wurden für weitaus weniger Geld alte Bäume abgeholzt und ein Bauzaun gesetzt. Zwar versprach zwischenzeitlich der österreichische „Investor“ Alpha Bau eine Eröffnung Ende 2008. Doch daran dürften selbst der Oberbürgermeister und seine Wirtschaftsförderer nicht mehr glauben.

Ebenso wenig Optimismus dürfte das angepriesene Großvorhaben Sport- und Veranstaltungskomplex Lambrechtsgrund auslösen. Denn dort gehört der Stadt seit vergangenem Dezember noch nicht einmal mehr der Grund und Boden.

Den hat die Stadt zwar reichlich im potenziellen Gewerbegebiet Göhrener Tannen. Doch bis auf den Airbus-Zulieferer Flamm AG, dem die Landesregierung den Firmensitz Schwerin empfohlen hatte, nutzt noch niemand das voll erschlossene Areal, das bald sogar einen eigenen Autobahnanschluss bekommen soll.

Kostenexplosion bei Bauvorhaben der Stadt
Auf der anderen Seite investiert die Stadt trotz angespannter Finanzsituation selbst fleißig. Das Problem dabei: Häufig wurde preiswerter geplant als es am Ende wurde.

300 000 Euro sollte die Festwiese Krebsförden kosten, die den beliebten Platz am Jägerweg als Veranstaltungsort ablöste. Letztlich investierte die Stadt fast eine halbe Million in einen Platz, der bei Regen wegschwimmt und der bei abendlichem Veranstaltungsschluss den Besuchern mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum eine Heimfahrt gewährt.

Als 2004 Teile der Uferkante des Pfaffenteiches abzurutschen drohten, zog die Stadt flugs einen Maschendrahtzaun. Ein Jahr später begann die Sanierung, die noch immer nicht abgeschlossen ist. Als 2006 in der Nacht vor der Eröffnung der Drachenboot-Weltmeisterschaft der Bauzaun ins Wasser fiel, drohte auch das Großereignis diesem Beispiel zu folgen. Doch dank des persönlichen Einsatzes von Oberbürgermeister Claussen gelangen die Titelkämpfe doch noch. Teurer als gedacht wurde die Uferinstandsetzung letztlich aber auch.

Die im Frühjahr 2006 begonnene Sanierung der Aubachbrücke sollte den städtischen Planungen zufolge bereits Ende 2006 beendet sein und dann 1,5 Millionen Euro gekostet haben. Gebaut wird immer noch und laut Stadtspitze für letztlich 2,3 Millionen.

Ähnlich sieht es am Beutel aus. Satte 2,3 Millionen Euro mehr als von der Stadt veranschlagt wird der Bau des Stadthafens verschlingen, wenn er – so sagt die Stadt optimistisch – im Juni dieses Jahres fertig gestellt ist.
Noch gar nicht gebaut und schon teurer ist die für die Bundesgartenschau 2009 geplante Schwimmbrücke über die Schlossbucht. 600 000 Euro fehlen derzeit in der Buga-Kasse, um das Millionenprojekt zu verwirklichen.

Luftschlösser auf der Piste und dem Wasser
Und so manche andere merkwürdige Idee, die von der Stadtspitze um Oberbürgermeister Norbert Claussen ins Rennen geschickt wurde, konnte der Stadt glücklicherweise nicht teuer zu stehen kommen. Sie wurden vorher von der Kommunalpolitik beerdigt. Nur zwei Beispiele: Im Januar 2004 engagierte sich der OB für eine Wasserski-Anlage auf dem Pfaffenteich. Dafür fand er keine Mehrheiten. Ähnlich erging es ihm ein halbes Jahr später beim nächsten sportlichen Vorstoß – einem Autorennen quer durch den Schlossgarten.
Selbst wenn Claussen für die Stadt Geld besorgen wollte, agierte er manchmal an Volkes Stimme vorbei. Das Wort „WGS-Privatisierung“ darf er zumindest auch im nächsten Jahr nicht in den Mund nehmen.

Obgleich die von den Stadtvertretern im vergangenen Jahr gezogene Halbzeitbilanz des OB auch angesichts der Kostenexplosionen, Luftschlösser und so mancher teurer Versprechungen alles andere als positiv ausfiel: Ein fraktionsübergreifender Schulterschluss zum Bürgerentscheid für ein vorzeitiges Ende seiner Amtszeit ist erst zu erkennen, seitdem die Fehler im Fall Lea-Sophie bekannt sind. Voraussichtlich am 3. März entscheidet die Stadtvertretung über Claussens weitere Zukunft.

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