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Ruf- und Bürgerbusse : Taxifahrt zum Schnäppchenpreis

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Aus der Redaktion des Prignitzers

In der Ostprignitz klingen die Verantwortlichen weniger euphorisch. So setzt die Ostprignitz-Ruppiner Personenverkehrsgesellschaft weniger Rufbusse ein, da die Nachfrage zu gering war. „Viele Senioren haben damit Berührungsängste“, so Geschäftsführer Ulrich Steffen.

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erstellt am 02.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Wenn nichts mehr fährt, dann fährt Dietmar Kaiser. Mit seinem Taxi bietet er im Oderbruch holprige Touren zu einsamen Gehöften an, und verlangt dafür einen Schnäppchenpreis: den üblichen Bus-Tarif plus einen Euro Komfortzuschlag. „Für mich ist das ein Glücksfall“, sagt der Taxiunternehmer, der auf dem flachen Land um Touren kämpfen muss. „Aber auch die Fahrgäste sind dankbar.“

Das Angebot nennt sich Rufbus und wird vom Landkreis Märkisch-Oderland finanziell unterstützt. Die Voraussetzungen: Ein Fahrgast muss mindestens einen Kilometer von der nächsten Haltestelle entfernt wohnen, zudem darf 90 Minuten vor der gewünschten Abfahrt kein Linienbus unterwegs sein. Zu den Kunden des Taxifahrers zählen Pendler, Schüler und Senioren.

„Viele haben zwar ein Auto, aber die Familie ist darauf angewiesen. Wer für den Job zum Bahnhof pendelt, würde es den ganzen Tag dort stehen lassen“, erklärt Kaiser. Zwischen 15 000 und 18 000 Kilometer ist er monatlich im öffentlichen Auftrag unterwegs, um die Kunden zu entlegenen Orten zu chauffieren. In diesem Jahr sei endlich der Durchbruch gelungen, berichtet er.

Ähnlich klingt die Einschätzung von Christian Pieper. „Rufbusse haben sich etabliert“, sagt der Geschäftsführer der kommunalen Busverkehrsbetriebe in Märkisch-Oderland und Oder-Spree. Zielgruppe sind zuerst Senioren. „Unsere Mitarbeiter sind zu vielen Kaffeekranzrunden gegangen.“ Allein im Juli und August gab es insgesamt 400 Anmeldungen. Mittlerweile werden vier Taxi- und Mietwagenfirmen mit Touren beauftragt, die von 5 bis 20 Uhr stattfinden. Kaiser hat aufgrund der Nachfrage noch einen zusätzlichen Wagen gekauft und einen Fahrer eingestellt.

In der Ostprignitz klingen die Verantwortlichen weniger euphorisch. So setzt die Ostprignitz-Ruppiner Personenverkehrsgesellschaft rund um Wittstock weniger Rufbusse ein, da die Nachfrage zu gering war. „Viele Senioren haben damit Berührungsängste“, so Geschäftsführer Ulrich Steffen.

Nach seiner Erfahrung braucht die Einführung von Rufbussen viel Geduld. „Das lässt sich nicht einfach überstülpen“, meint er. Zudem legt er Wert auf die Feststellung, dass damit keine Kosten gespart werden könnten: „Wir halten Fahrzeuge, Fahrer und Disponenten bereit – auch wenn keiner anruft.“ Darüber hinaus fehlen bislang Statistiken. Einen landesweiten Überblick über die Resonanz kann das Infrastrukturministerium nicht bieten. Man verweist auf den Verkehrsverbund VBB. Dort können jedoch ebenfalls keine Zahlen zu Fahrgästen genannt werden.

Auch in Oberkrämer (Oberhavel) scheiterte ein Shuttleservice. Mit diesem sollten Nachtschwärmer nach Hause gebracht werden. „Das lief einfach nicht“, erzählt Vize-Bürgermeister Peter Matschke. „Der finanzielle Aufwand stand dazu in keinem Verhältnis.“ Nach einem Jahr Probelauf war Schluss.

Die gleiche Bilanz zu den Rufbussen hat man in Dahme-Spreewald gezogen. Stattdessen setzt man auf Bedarfshaltestellen, die von Bürgern per Knopfdruck „aktiviert“ werden. Dafür wurde ein Apparat in den Bushäuschen installiert, der die Anforderung per Funk an den Fahrer sendet. „Dadurch werden abgeschiedene Orte nur dann angefahren, wenn uns jemand ruft“, erklärt Steffen Domann von der Kreis-Verkehrsgesellschaft.

Ein weiteres Projekt sind die von Vereinen betriebenen Bürgerbusse, die jedoch von den Verkehrsunternehmen strikt abgelehnt werden. „Das ist nicht die Zukunft des ÖPNV“, sagt Werner Jumpertz, Landesvorsitzender des Verbandes der Verkehrsunternehmen. „Die Leute arbeiten ehrenamtlich und beuten sich selbst aus“, meint er. „Gleichzeitig entsteht Druck auf unsere Tarife.“

Bislang gibt es Bürgerbusse in fünf Kommunen, aber auch hier gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Nachfrage. Jumpertz, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe in Brandenburg/Havel, kündigt an, dass die Nahverkehrsunternehmen bald selbst ein Konzept zu alternativen Beförderungsmöglichkeiten vorlegen wollen. Fest steht für ihn: „Die Organisation muss bei uns bleiben.“

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