Taxidiebe schlagen bei Rot zu

Warum hatten sie es gerade auf ein Taxi abgesehen? Gestern früh überfielen Daniel P. (27) und Tobias B. (21) das Auto von Stephan S. (26) und zwangen ihn zum Aussteigen. Ihre Flucht endete im Straßengraben.

von
11. Januar 2008, 06:11 Uhr

Rostock - Die Ampel zeigt Rot. Stephan S. wartet allein in seinem Taxi an der Kreuzung Lübecker Straße/Am Kabutzenhof. Es ist 4.15 Uhr am Freitagmorgen, als ein Mann plötzlich die Fahrertür aufreißt. Er brüllt Stephan S. ins Gesicht, dass er sofort das Taxi verlassen soll. Gleichzeitig öffnet ein zweiter Mann die Beifahrertür. Dem 26 Jahre alten Taxifahrer gelingt es gerade noch, den Notruf auszulösen, bevor er gezwungen wird auszusteigen.

Flucht endet im Straßengraben
Die zwei Männer rasen davon, die Polizei entdeckt das Taxi schließlich am Ortseingang von Buchholz im Straßengraben. Einen Mann greifen die Beamten direkt hinter dem Fahrzeug auf, berichtet Staatsanwalt Peter Lückemann, der die Ermittlungen leitet. Der zweite Mann wird wenig später mit Hilfe eines Fährtenhundes entdeckt und vorläufig festgenommen. Die Beschuldigten Daniel P. (27) und Tobias B. (21) stehen zum Zeitpunkt der Tat unter starkem Alkoholeinfluss, so Lückemann.

Bereits gestern Nachmittag hat das Amtsgericht Rostock Untersuchungshaft gegen den einschlägig vorbestraften Daniel P. angeordnet. Es bestehe Fluchtgefahr, weil der mutmaßliche Täter mit einer hohen Strafe zu rechnen habe.

„Das bewegt jeden“, sagt Frank Semler, Vorsitzender der Taxi-Genossenschaft Rostock. Der überfallene Fahrer Stephan S. ist bei einem der Vertragspartner angestellt. Mit Erschrecken, so Semler, hätten die Rostocker Kollegen die Nachricht aufgenommen.

„Wir sind froh, dass es nicht schlimmer ausgegangen ist“, sagt Semler. Gewaltsame Übergriffe auf Taxifahrer seien in Rostock zum Glück Einzelfälle. Doch gerade in jüngster Zeit habe es in anderen Städten erschreckende Vorfälle gegeben, bei denen auch Fahrer getötet wurden. Für die Sicherheit der Fahrer wird einiges getan, so Semler: „Fahrzeuge, die über die Taxi-Genossenschaft vermittelt werden, können durch ein GPS-System geortet werden.“

Aller Technik und Vorsicht zum Trotz ist der Beruf Taxifahrer weiterhin mit Risiken verbunden. Seit 1985 wurden 78 Fahrer ermordet, so eine Statistik der Taxistiftung Deutschland. Mehr als 7500 wurden bei Überfällen verletzt. Im Jahr 2006 starben zwei Fahrer bei Überfällen, 419 wurden verletzt.

Anatol Bauer lässt sich von diesen Zahlen nicht verunsichern. Seit 2001 ist er als selbstständiger Taxifahrer in Rostock unterwegs. „Ich habe vor Leuten generell keine Angst“, sagt er . Wer durch seine Körpersprache ausdrücke, nicht ängstlich zu sein, werde seltener bedroht, so Bauers Erfahrung. Finanziell sei es sicher ein Schock, sagt er über den aktuellen Überfall. „Doch Hauptsache, dem Mann geht es gut.“

Auch Taxifahrer Matthias Kotschi sieht keinen Grund zur Beunruhigung. Kurze Zeit nach dem Überfall habe er durch einen Kollegen davon erfahren, das Opfer kennt er persönlich. Auch er sei bereits mehrmals angegriffen worden. Grund zum Aufhören ist das für Kotschi nicht: „Bisher habe ich mich und mein Auto immer verteidigen können.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen