Taktisch klug inszeniert

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26. September 2012, 09:27 Uhr

Er werde sich seine Meinung zum Schluss bilden - sagt Bildungsminister Mathias Brodkorb. Der Sozialdemokrat ist ein so kluger wie hartgesottener Politiker, und aus taktischer Sicht verhält er sich völlig richtig. Er macht erstmal tabula rasa, lässt neun mal mehr, mal weniger neue Varianten auf den Tisch legen und überlässt es Theatern und Kommunen, sich zu einigen.

Politik sollte mehr sein als Taktik, das ist richtig. Die Entscheidung, die Theaterförderung noch bis 2020 einzufrieren und so einen Umbau der Theaterlandschaft zu erzwingen, ist in der Landesregierung gefallen, auch das ist wahr. Bei aller Rücksicht auf die kommunale Selbstverwaltung könnte man deshalb durchaus Klartext erwarten. Denn alle Vorschläge laufen auf einen Abbau von Kultur hinaus. Auch wenn der Zuschauer vor Ort das vielleicht nicht immer merken wird.

Natürlich, davon können wir ausgehen, weiß Mathias Brodkorb längst, welche der neun Varianten er bevorzugt. Würde er aber offen für ein Modell plädieren - dann würden sich alle an ihm abarbeiten, statt gemeinsam über die zukünftige Theaterstruktur des Landes zu streiten. Opposition und Koalitionspartner würden auf ihn einschlagen, Kommunen und Intendanten würden versuchen, sein Konzept zu zerreden oder auszutricksen, wie es ihnen auch mit dem Kulturräume-Modell von Brodkorbs Amtsvorgänger Henry Tesch (CDU) gelungen ist.

Immerhin gibt es jetzt eine Grundlage für die Diskussion. Sechs Wochen sind vielleicht gar keine so harte Zeitvorgabe. Denn sinnvoll und vermittelbar zugleich ist nur eines der Staatsopern-Modelle.

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