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23. September 2017 | 00:10 Uhr

Tafeln in Not: Spenden gehen aus

vom

svz.de von
erstellt am 11.Nov.2011 | 06:29 Uhr

Wolgast | Helfer in Not: Den 30 Tafeln in Mecklenburg-Vorpommern gehen die Spenden aus. In den letzten Monaten seien die Lebensmittelhilfen für die etwa 40 000 Bedürftigen im Land in einigen Regionen um die Hälfte zurückgegangen, erklärte Willi Grabow, Vorsitzender des Landesverbandes der Tafeln in MV in Wolgast. Finanzspenden seien mancherorts gleich ganz ausgeblieben oder zumindest deutlich gesunken. Backwaren, Obst, Joghurt, Gemüse: Viele Supermärkte hätten ihren Wareneinkauf umgestellt, so dass immer weniger Lebensmittel übrig blieben, sagte Grabow. Die Handelsketten versuchten aber zu helfen und die Verluste auszugleichen. Vielfach würden Extra-Verkaufsaktionen organisiert, erklärte Günther Hoffmann, Chef der Tafel Waren. Dennoch werde der Aufwand immer größer, die Lebensmittel heranzuschaffen.

Weniger Spenden, aber zunehmende Armut: Der Aufschwung geht an zehntausenden Menschen in MV vorbei. Trotz deutlich sinkender Arbeitslosenzahlen und einer florierenden Wirtschaft steige im Land die Zahl der Bedürftigen. 40 000 Kinder, Frauen und Männer kommen ohne die Hilfe der Tafeln in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr aus. "Es werden immer mehr", meint Grabow. Vor zwei Jahren zählten die Tafeln noch 30 000 Bedürftige in MV. Immer mehr, die sich bisher nicht trauten, Hilfe anzunehmen, kämen jetzt ohne Unterstützung nicht mehr klar. Besonders prekär: Jeder vierte Tafelgänger sei ein Kind, erklärte Grabow. Auch Rentner trifft es immer häufiger.

Seit der 2005 erfolgten Abschaffung der Sozialhilfe und der Einführung des niedrigeren Arbeitslosengeldes II ist bundesweit die Not groß. Rund 1,3 Millionen Bedürftige erhalten dem Bundesverband Deutsche Tafeln zufolge derzeit regelmäßig in einer der bundesweit mehr als 2000 Ausgabestellen der insgesamt 870 Tafeln gespendete Nahrungsmittel. Sechs Jahre zuvor waren es 500 000 Betroffene. 50 000 Freiwillige engagieren sich bundesweit für die Tafeln.

Inzwischen geraten die Tafeln in MV und anderen neuen Ländern selbst in Schwierigkeiten. Den sinkenden Spenden stehen steigende Kosten gegenüber. Benzin für Tafel-Transporter, Strom, die Miete manche Ausgabestelle: Alles werde teurer, erklärte Grabow. MV sei auf die Hilfe von Tafeln in anderen Bundesländern angewiesen. Vor allem aus den alten Ländern wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg würden Spenden in den Norden geliefert, sagte Grabow. Durch Kooperationen und zusätzliche Aktionen sei es zumindest in der Müritzregion gelungen, das Spendenaufkommen auf dem Vorjahresnievau zu halten, so Hoffmann.

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