"Täglich Piratenangriffe"

Fregattenkapitän Kay-Achim Schönbach Foto: Bundeswehr
1 von 2
Fregattenkapitän Kay-Achim Schönbach Foto: Bundeswehr

Die Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" kreuzt seit dem 18. November im piratenverseuchten Golf von Aden. Mit der Rettung der Frachter "Humboldt Current" und "Lang Sing" vor Seeräubern sorgt das Schiff der Bundesmarine international für Schlagzeilen. Gestern hatte unsere Redaktion Gelegenheit mit dem Kommandeur an Bord, Fregattenkapitän Kay-Achim Schönbach, zu telefonieren.

von
26. November 2008, 08:36 Uhr

Djibouti/Schwerin | Seit Tagen herrscht vor dem Horn von Afrika Windstille. "Wir haben kaum Seegang - ideale Bedingungen für Piraten mit ihren kleinen wendigen Booten", sagt der Kommandeur der "Mecklenburg-Vorpommern", Fregattenkapitän Kay-Achim Schönbach, gegenüber unserer Redaktion. Der 43-jährige Seeoffizier führt seit Mai 2008 das Kommando auf der Fregatte.

Die "Mecklenburg-Vorpommern" hatte mit der Rettung der Handelsschiffe "Humboldt Current" und "Lang Sing" vor den Angriffen moderner Seeräuber am Sonntag international für Schlagzeilen gesorgt. Ihr Bordhubschrauber hatte in beiden Fällen die Angreifer in die Flucht gejagt. Auch in den Folgetagen hatten die Deutschen immer wieder mit Piraten zu tun, berichtet Schönbach. Von Sonntagmorgen bis Mittwochmorgen musste der Hubschrauber mehrfach starten, um die immer dreister werdenden Räuber bei Überfällen auf Frachter zu vertreiben.

Piratenangriffe seien inzwischen alltäglich. "Den letzten Notruf erhielten wir am Dienstag vom Frachter ,Ellina", berichtet Schönbach. Das deutsche Kriegsschiff war zu dem Zeitpunkt an einer Rettung schiffbrüchiger Fischer beteiligt. Über VHF-Kanal 16 erreichte die Bitte der "Ellina" um Nothilfe die "Mecklenburg-Vorpommern". Bewaffnete Männer hätten sich in kleinen Booten dem Frachter genähert, meldete die Besatzung über Funk. "Wir befanden uns etwa 60 Seemeilen von der ,Ellina entfernt und hätten mit der Fregatte zwei Stunden bis zum Ort des Geschehens gebraucht", so Fregattenkapitän Schönbach. Wie bei der Rettung der "Humboldt Current" und "Lang Sing" befahl er den Start eines der beiden Sea Lynx-Bordhubschrauber, die im Hangar auf dem Achterdeck untergebracht sind. Die Helikopter sind neben Raketen auch mit einem schweren Maschinengewehr ausgerüstet. Bislang kamen die Waffen gegen Seeräuber allerdings nicht zum Einsatz.

Auch bei der Hilfe für die "Ellina" reichte das Auftauchen des Kampf-Hubschraubers im betreffenden Seegebiet um die Piraten zu vertreiben, berichtet der Kapitän. Die Angreifer flohen vor der Militärpräsenz und der Frachter konnte seine Fahrt fortsetzen.

Völlig ungefährlich sei die Mission allerdings für die Besatzungen der Hubschrauber nicht, auch wenn mit modernsten Instrumenten aus der Luft die Bewaffnung der Seeräuber aufgeklärt und entsprechend regiert werden kann. Immerhin sollen die Piraten neben Handfeuerwaffen auch über leichte Panzerabwehrwaffen wie das russische RPG-7 an Bord ihrer kleinen Boote verfügen. "Sollten diese Waffen zum Einsatz kommen, darf die Besatzung das Feuer erwidern", erklärt Schönbach. Gleiches gilt für den Fall, dass die Piraten den Frachter unter Beschuss nehmen. Dann kann der Hubschrauber eingreifen und dem Schiff in der Notlage beistehen. Ein bereits gekaperter Frachter darf nach internationalem Recht und zum Schutz der gefangenen Besatzung allerdings nicht von den Deutschen angegriffen werden.

Erst in der vergangenen Woche hatte die Fregatte "Karlsruhe" im selben Seegebiet einen Piratenangriff auf den britischen Tanker "Trafalgar" vereitelt. Auch sie schickte ihren bewaffneten Hubschrauber los.

Trotz der massiven Einsätze gegen Piraten in den vergangenen Tagen sei die Stimmung unter den 238 Besatzungsmitgliedern der "Mecklenburg-Vorpommern" gut, sagt der Kapitän. Das Schiff war am 3. November vom Heimathafen in Wilhelmshaven zur Mission vor der somalischen Küste gestartet. Seit dem 18. November sind dort die Teilnahme an der "Operation Enduring Freedom" und am internationalen Einsatzkontingent im Kampf gegen Terrorismus die Aufgabe von Schiff und Besatzung. Die Fregatte soll mit Einheiten anderer Nationen, die Seewege im Golf von Aden überwachen, Schiffsrouten kontrollieren und Schiffe untersuchen.

Bis zum 29. November wird die Fregatte im Golf von Aden unterwegs sein. "Dann geht es in Richtung Mombasa nach Kenia", sagt Fregattenkapitän Schönbach. Ab Januar kommenden Jahres kehrt die "Mecklenburg-Vorpommern" dann als Führungsschiff der "Operation Enduring Freedom" an das Horn von Afrika zurück.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen