Supersportwagen - ab in die Mottenkiste?

Mercedes-Tochter AMG will eine Neuauflage des Flügeltürer-Sportwagens auf die Straße bringen - Prototypen sind bereits auf Testfahrten unterwegs. (Bild: Daimler/dpa/tmn)
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Mercedes-Tochter AMG will eine Neuauflage des Flügeltürer-Sportwagens auf die Straße bringen - Prototypen sind bereits auf Testfahrten unterwegs. (Bild: Daimler/dpa/tmn)

Luxusautos galten lange als krisensicher. Doch nun trifft es vermutlich Hersteller wie Ferrari oder Bentley hart: Experten gehen davon aus, dass auch die Kundschaft der Supersportwagen künftig den Gürtel enger schnallen wird.

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23. April 2009, 03:58 Uhr

Maranello (dpa/tmn) - In der Autowelt galt in der Vergangenheit eine scheinbar unumstößliche Weisheit. Ist die Krise in der Wirtschaft auch noch so groß, sind zumindest zwei Bereiche nicht betroffen: die Tuner und die Hersteller von Fahrzeugen der absoluten Luxusklasse.

Doch die aktuelle Situation beweist, dass alte Weisheiten nicht für immer Bestand haben. Zuerst klagten die Tuner, nun erwischt es wohl auch die Hersteller der so begehrten Sport- und Supersportwagen. Die haben zwar viel Neues angekündigt, müssen nun aber ebenfalls um die Kundschaft bangen.

Autoexperte Dudenhöffer sieht Zukunft pessimistisch

Die Ankündigungen rund um die schönen, schnellen und meist extrem teuren Autos versprechen eigentlich einige Highlights für die nächsten Autoquartette: Da wird von neuen Modellen mit V12-Motor gesprochen, es geht um reichlich Hubraum oder Leistungen von gut und gerne 700 PS. Experten gehen jedoch davon aus, dass die schöne neue Sportwagenwelt wohl erstmal vor allem in Hochglanzprospekten oder Fachzeitschriften existieren wird - und nicht im Verkaufsraum.

«Das Thema Supersportwagen kann man zumindest für die nächsten zwei Jahre in die Mottenkiste legen», sagt der Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Denn was solche Autos vor den Krisen der Vergangenheit gerettet hatte, war die Tatsache, dass die Superreichen auch in schlechten Zeiten immer noch genügend Bares für die Erfüllung ihrer automobilen Träume im Safe behielten. Nun sieht die Sache anders aus: «Dass Luxus unempfindlich gegen solche Schwankungen ist, gilt gerade in dieser Krise nicht.» Auch superreiche Banker habe es nun hart erwischt.

Hersteller zögerlich bei Zukunftsprognosen

Die Hersteller der schnellen und schönen Autos versuchen, das Problem derzeit noch auszublenden und verweisen auf vergangene Erfolge. So vermeldet Ferrari Deutschland in Wiesbaden für 2008 Rekordergebnisse für die Marke aus dem italienischen Maranello, man habe «alle bisherigen Rekorde hinter sich» gelassen. Mit Blick in die nahe Zukunft hört sich Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo dann nicht mehr so euphorisch an: «Die wirtschaftliche Rezession trifft die gesamte Welt, daher ist die Entwicklung schwierig vorauszusehen.»

Ähnlich scheint es bei Daimlers Sportwagenschmiede AMG auszusehen. Auch hier betont Sprecher Pietro Zollino, dass «2008 das erfolgreichste Jahr» der Unternehmensgeschichte war - hält aber Prognosen noch für zu früh.

Aston Martin: PS-stark und teuer
Dass trotz aller Unwägbarkeiten immer wieder neue Supersportwagen angekündigt werden oder im Rampenlicht der Messen stehen, dafür hat Dudenhöffer eine einfache Erklärung: Manche Entwicklung sei schon so weit fortgeschritten, dass es keinen Sinn mache, sie zurückzustellen. Aber: «Wo man strecken kann, wird man es tun.» Manche junge Entwicklung dürfte in den Schubladen verschwinden.

Die aktuellen Ankündigungen sind daher womöglich die vorerst letzte Möglichkeit für PS-Liebhaber, von neuen Sportwagen zu träumen. Zum Beispiel von einem Aston Martin V12 Vantage: Wer trotz Krise noch genügend Geld hat, kann ab dem dritten Quartal einen der 380 kW/517 PS starken Zweitürer in Empfang nehmen. Auf 77 Exemplare limitiert ist dagegen der Aston Martin Supersportwagen One-77, bei dem die zwölf Zylinder rund 515 kW/700 PS produzieren - wer ihn haben will, sollte allerdings sein Geld sehr sicher über die Runden gebracht haben: Die Rede ist von einem Preis von 1,4 Millionen Euro.

Bentley umweltschonend

Vermutlich etwas günstiger ist das, was Bentley angekündigt hat. Der Extreme soll der schnellste und stärkste Bentley aller Zeiten sein. Da man aber wohl gemerkt hat, dass solche Ankündigungen nicht überall mit Freuden aufgenommen werden, hat man ihn auf den Betrieb mit Bioethanol ausgelegt. Das Feigenblatt in Sachen Umwelt verhindert aber nicht den Hinweis auf 449 kW/610 PS. Ähnlich macht es Lamborghini: Bei der jüngst erfolgten Überarbeitung des Gallardo mochte man es nicht beim Hinweis auf 412 kW/560 PS verlassen, sondern kündigte auch an, dass der Bolide 18 Prozent weniger CO2 ausstößt.

Auch AMG will es noch einmal wissen - und zwar mit einer modernen Interpretation des legendären Flügeltürers. Nach Ankündigung auf dem Genfer Autosalon soll der erste offizielle Auftritt des SLS auf der IAA im Herbst erfolgen. «Es handelt sich um einen richtigen Supersportwagen auf einer komplett neuen Plattform», so Zollino.

Dass das Auto tatsächlich erscheint, ist sogar wahrscheinlich - laut Ferdinand Dudenhöffer haben vor allem solche Sportwagenbauer eine Zukunftschance, die wie AMG mit einem großen Konzern verbandelt sind. Bei den Kleinen ist es da schon kritischer: So ist es fraglich, ob ein Autobauer wie Pagani aus Modena in Italien Boliden wie den Zonda R mit V12-Motor, 602 kW/750 PS und einem Preis von 1,46 Millionen Euro noch einmal ankündigen kann. Und ob Formel-1-Rennstall McLaren den Straßensportwagen mit dem internen Kürzel P11 wirklich 2010 auf die Straße bringt, muss die Zukunft zeigen.

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