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25. November 2017 | 05:16 Uhr

Stromsparfüchse sitzen im Norden

vom

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2012 | 09:09 Uhr

Schwerin/Leipzig | Sie knipsen selbst in der dunklen Jahreszeit öfter den Lichtschalter aus, kommen mit weniger Elektrogeräten aus und stehen stärker unter Druck, aufgrund geringerer Einkommen Kosten zu sparen: Deutschlands Stromsparfüchse sitzen in Mecklenburg-Vorpommern, vor allem in Neubrandenburg. Im Land der Öko-Energie aus Windkraft, Biogas und Sonne gehen öfter die Lichter aus - aus Verzicht.

Sparen ist den Mecklenburgern und Vorpommern ins Blut übergegangen: Gerade in den neuen Bundesländern "gehen die Bürger häufig auch aus Tradition sparsamer mit Ressourcen um, also auch mit Energie, als im Westen", bescheinigt Konstantin Korosides den Verbrauchern zwischen Boizenburg und Pasewalk, Rostock und Parchim. Für manchen gewöhnungsbedürftig: Der Spardrang lasse "sich leicht auch an den häufig kühleren Wohnungen in Ostdeutschland bemerken, als den oft (über)heizten westdeutschen", meint der Sprecher des Leipziger Internetportals Preisvergleich.de. Im Nordosten bescheinigen die Preistester den Verbraucher ein höheres Umweltbewusstsein als in westdeutschen Bundesländern.

Der Preistester muss es wissen: Keiner verbraucht weniger Strom als die Mieter und Hausbesitzer in Neubrandenburg. Auch Schwerin, Rostock und Stralsund sowie vier Städten in Thüringen und weiteren in Sachsen-Anhalt wohnen Stromsparer, geht aus einer Analyse von preisvergleich.de hervor. Auf der Energierechnung der Kunden in Neubrandenburg fällt der durchschnittliche Jahresverbrauch um ein Viertel niedriger aus als im Bundesdurchschnitt - 1386 Kilowattstunden je Einwohner hat der Stromzähler in Neubrandenburg im Jahr auf der Uhr, aber 1852 Kilowattstunden bundesweit - die Sparfüchse der Nation.

Haushalten in der Not: Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern seien die Verbraucher häufig aufgrund der niedrigeren Einkommen gezwungen, auf den Verbrauch zu achten. Die höheren Energiepreise im Osten zwingen die Verbraucher weit mehr zum Sparen als im Westen, erklärt Aribert Peters, Chef des Bundes der Energieverbraucher. "Die Preise drücken auf das Verbrauchsverhalten", beobachtet Jürgen Fischer. Der Chef des Mieterbundes Schwerin bekommt den Druck fast täglich zu spüren: Immer mehr ließen sich gründlich beraten, wie man Energie und damit Kosten sparen kann.

Im Nordosten ist das Geld knapp: Der Analyse der Preistester zufolge verfügten die Haushalte der Stromsparer im Schnitt um fast zehn Prozent weniger Geld in der Kasse. In den Städten mit den meisten Stromverschwendern verdienten die Bürger hingegen mehr als der deutsche Durchschnitt - 5,5 Prozent. Angesichts des geringeren Einkommens bleibe die Geräteausstattung der Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern zum Teil hinter der in anderen Bundesländern zurück, meint Horst-U. Frank, Energieexperte der Verbraucherzentrale MV.

Zudem senkten die im Vergleich zu den alten Ländern kleineren Wohnungen den Stromverbrauch. Außerdem zählen die Ostdeutschen nach wie vor weniger Eigenheime, die in der Regel mehr Energie verbrauchten als Mietwohnungen, erklärte Frank. Bei denen, die es sich leisten können, hat indes der in den vergangenen zwei Jahrzehnten erfolgte Komplettaustausch der Wohnungseinrichtung die Stromfresser auf die Müllhalde geschickt. Dort stünden inzwischen Elektrogeräte, die größtenteils Energiespargeräte - während im Westen noch viel alter Mist in den Haushalten Strom frisst, meint Energie-Experte Roland Pause von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Stromsparfüchse im Norden, Verschwender im Süden und Westen: In Aschaffenburg in Bayern, Oldenburg und Osnabrück in Niedersachsen leben die größten Energieverbraucher Deutschlands, ergab der Vergleich von 120 Städten bundesweit. So verbrauchen die Aschaffenburger fast ein Viertel mehr Strom als der deutsche Schnitt, Oldenburg 22,3 Prozent, Osnabrück 22,1 Prozent. Nach Angaben des Portals wurden Portals wurden 120 000 Strom-Vertragsabschlüsse von Kunden in ganz Deutschland verglichen. Das Ergebnis: Westdeutsche verbrauchen bis ein Drittel mehr als Ost-Deutsche.

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