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21. September 2017 | 14:30 Uhr

Strippenlabyrinth und 200 Hufeisen

vom

svz.de von
erstellt am 14.Nov.2011 | 11:30 Uhr

Perleberg | Über 200 Hufeisen, labyrinthartig angeordnete Strippen gehalten von riesigen Nägeln - der Große Markt in Perleberg bot alles andere als ein gewohntes Bild am Samstagnachmittag. "Wir wollten nur mal gucken, haben dann geholfen, die Hufeisen auszulegen", erzählen Annabell und Cellin, beide elf Jahre alt. "Die Hufeisen sollen die Ulanen auf ihren Pferden darstellen", sorgt Cellin sogleich für Aufklärung.

Der Weg ist das Ziel

Und das Labyrinth? "Die verschlungenen Wege, die das Leben, die Menschen und auch die Geschichte einer Stadt nehmen", fügt Kerstin Süske an. Mit dieser experimentellen Ortserkundung wollen die Theatermacherin und Edelgard Taepke, Gartenbauingenieurin, einen Prozess anstoßen, über Wege und Pfade, die in Perleberg gegangen wurden und werden oder die es neu auszutesten lohnt, ins Gespräch zu kommen. In ihrer Recherche zu den ehemaligen Perleberger Kasernen im Rahmen des Forschungsprojektes "Stadt - Land - Fluss" befassten sie sich mit verschiedenen kulturellen Prägungen Perlebergs als Hanse-, Garnisons- und Gartenstadt.

Sechs Armeen waren in Perleberg stationiert, haben hier ihre Spuren hinterlassen. Davon künden noch heute die Kurmärkischen Kasernen, so Kerstin Süske. Den Kulturwandel nachzuvollziehen, die Frage aufzugreifen, wovon und womit kann eine Stadt heute leben, sei Anliegen der Aktion. Von der statischen Formation, wie sie durch die Hufeisen der Armeepferde symbolisiert wird, im Denken wegzukommen, dazu soll das Labyrinth anhalten. "Ich war einfach neugierig, was hier passiert und hatte mir so eine Art Irrgarten vorgestellt", gesteht Christa Bracklow. Es sei aber schon interessant, was man hier aus der Geschichte der Stadt, konkret des Kasernengeländes, erfährt.

Jenes Gelände aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken, es als eine Art kreatives Zentrum anzusehen, die Militärbrache auch mal aus dem Blickwinkel zu betrachten, dass sich die Natur zurückholt, was nicht genutzt wird, dafür wollten die Akteure einen Anstoß liefern. Zumindest eine gewisse Neugier haben sie geweckt, bestätigt auch Ilse Peukert. Leute bleiben stehen, schauen gespannt dem Treiben zu. "Man trifft sich und kommt miteinander ins Gespräch. Allein das ist schon interessant", so Jost Löber, selbst Akteur im Rahmen des Forschungsprojektes "Stadt - Land - Fluss".

Edelgard Taepke weiß, dass die Ulanen aus gärtnerischer Sicht ein Segen für Perleberg waren, besser gesagt ihre Pferde. Denn der Boden hier war sandig-lehmig, angebaut wurden vorwiegend Roggen und Kartoffeln. Vor rund 100 Jahren besann man sich auf den Spargel. Und die Pferdeäpfel waren dafür der ideale Dünger. Nach 20 Jahren hatten das tiefe Wurzelsystem des Spargels und der Pferdedung den Boden super für Obstgehölze vorbereitet. Und so war Perleberg traditionell auch ein Obstbaugebiet. Im Frühjahr war die Stadt umgeben von einem einzigen Blütenmeer, weiß sie zu berichten. 1974 wurden hier noch 57 Obstsorten angebaut in sogenannter Etagenanbauweise. Zu unterst die Erdbeeren, dann die Strauchbeeren, Steinobst und alles umgeben von einer schützenden Lebensbaumhecke. "In so einem Paradiesgarten, wie es ihn rechtseitig Richtung Ludwigslust gab, gedieh immer etwas", weiß die gelernte Gartenbauingenieurin. Im anschließendem Forum berichtete sie über Gartenbewegungen in New York und über Schweizer Labyrinth frauen, Kerstin Süske stellte Beispiele für Umnutzungen von Militärarealen in Brandenburg vor. Dazu gab es Kürbis- und Apfelcurrysuppe. Das Live-Konzert "Herbstrauschen" mit Herrn Maria & Dezibella sorgten sodann für einen kunstvollen Ausklang.

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