Formulierungen im Arbeitszeugnis : Stets bemüht und immer gut mit den Kollegen verstanden

Arbeitszeugnis richtig lesen - was hinter den Formulierungen wirklich steckt

svz.de von
18. November 2014, 20:19 Uhr

Formulierungen in Schulnoten übersetzt: Die Formulierung „stets zur vollsten Zufriedenheit“ ist gleichbedeutend mit der Schulnote „sehr gut“. Dabei kann das „stets“ auch mit den Worten „immer“ oder „jederzeit“ ausgetauscht sein. Um ein „gut“ handelt es sich beim Ausdruck „stets zur vollen Zufriedenheit“. Arbeitnehmer, die die Worte „zur vollen Zufriedenheit“ in der Bewertung finden, haben nur ein befriedigendes Zeugnis bekommen.

Wer sich „stets bemüht“ hat, die Anforderungen zu erfüllen, hat die schlechteste der möglichen Beurteilungen erhalten. Beurteilungen, die nicht fehlen sollten: „Wird bei einem Manager lediglich betont, dass er immer pünktlich war, stimmt etwas nicht“, erklärt Huber. Denn im Zeugnis sollten die Leistungen bewertet werden, die maßgeblich für den ausgeübten Job sind. Kommen in der Beurteilung stattdessen ganz nebensächliche Eigenschaften und Tätigkeiten vor, ist das ein Hinweis auf ein schlechtes Zeugnis.

Absichtlich zweideutige Formulierungen: Steht im Zeugnis, dass sich jemand gut mit den Kollegen verstanden hat, klingt das erst einmal positiv. Doch so eine Formulierung kann bedeuten, dass der Mitarbeiter geschwätzig war oder sich im Betriebsrat engagiert hat. „Solche Aussagen werden allerdings relativiert, wenn außerdem hervorgehoben wird, dass das Verhalten des Mitarbeiters stets einwandfrei war“, erklärt Huber. Angestellte, die sich nur „stets einwandfrei gegenüber Kollegen“ verhalten haben, sollten sich über diese Einschätzung allerdings nicht freuen. Denn was ist mit dem Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Geschäftskunden?

Was der Schlusssatz bedeutet: Eine fehlende Dankesformel am Ende kann das Zeugnis abwerten. Steht am Schluss „Wir wünschen Herrn Schmidt viel Erfolg für die Zukunft“, hört sich das zwar gut an. Besser wäre allerdings, wenn der Vorgesetzte Herrn Schmidt „weiterhin viel Erfolg“ wünschen würde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen